Streit mit Apple über Hintertüren Ex-NSA-Chef stellt sich gegen das FBI

Im öffentlichen Schlagabtausch mit dem FBI bekommt Apple Unterstützung von überraschender Seite: Der frühere Direktor der NSA unterstützt den Konzern beim Kampf gegen Hintertüren.

Michael Hayden (Archivbild):     "Jim will eine Hintertür in allen Geräten weltweit"
AFP

Michael Hayden (Archivbild): "Jim will eine Hintertür in allen Geräten weltweit"


Der öffentliche Streit Apples mit US-Behörden geht in die nächste Runde. FBI-Chef James Comey hat einen öffentlichen Brief geschrieben, in dem er versichert, dass er mit dem Druck auf den Konzern zum Entsperren des iPhones eines toten Attentäters keinen Präzedenzfall für spätere Überwachung anstrebe. "Es geht um die Opfer und um Gerechtigkeit", schrieb der Direktor der Bundespolizei in dem Brief.

"Wir wollen keine Verschlüsselung brechen oder einen Generalschlüssel in die Welt setzen", sagte Comey. Zugleich räumte er ein, dass es beim Thema Verschlüsselung einen Konflikt zwischen Sicherheit und Privatsphäre gebe. "Dieser Konflikt sollte nicht von Unternehmen gelöst werden, die davon leben, Dinge zu verkaufen", schrieb er. Allerdings auch nicht vom FBI, dessen Job Ermittlungen sind, sondern grundsätzlich vom amerikanischen Volk.

Comey hat in den letzten Jahren wiederholt deutlich gemacht, dass er für seine Behörde sehr wohl eine Hintertür für verschlüsselte Geräte will.

Apple-Chef Tim Cook hatte vergangene Woche ebenfalls in einem offenen Brief erklärt, warum er sich gegen die FBI-Forderungen sperrt. Die von den Ermittlern benötigte Software überhaupt zu schreiben, würde eine Hintertür ins iPhone öffnen und die Sicherheit für alle reduzieren, argumentierte er.

Jetzt mischte sich auch Michael Hayden, der frühere Chef der National Security Agency (NSA), erneut in die Debatte ein - und stellte sich beim Thema Hintertüren überraschenderweise auf die Seite Apples.

"Jim möchte eine Hintertür in allen Geräten weltweit"

Zwar müsse der Konzern den Beweis erbringen, dass eine begrenzte Zusammenarbeit mit den Ermittlern tatsächlich den Datenschutz generell gefährde, sagte er der Zeitung "USA Today", und in diesem speziellen Fall teile er eher die Position der Regierung.

"Aber generell bin ich gegen die Absichten der Regierung, die von FBI-Direktor Jim Comey personifiziert werden", so Hayden. "Jim möchte eine Hintertür in allen Geräten weltweit, die amerikanischen Ermittlern offenstehen soll." Dies würde Comeys Arbeit Comeys womöglich erleichtern, gefährde im Endeffekt aber die amerikanische Sicherheit.

Das sind eher ungewöhnliche Worte für einen früheren NSA-Chef, in dessen Amtszeit ein Teil der großen Spähprogramme eingeführt wurde. Sie könnten auch damit zu tun haben, dass der frühere Chef der NSA (1999-2005) und CIA (2006-2009) gerade seine Memoiren veröffentlicht. Schon mehrmals hatte Hayden sich in den vergangenen Wochen für Verschlüsselung ausgesprochen.

Im konkreten Streit zwischen Apple und dem FBI geht es um das iPhone von Syed Rizwan Farook, der gemeinsam mit seiner Frau im kalifornischen San Bernardino im Dezember 14 Menschen erschoss. Das FBI will vor allem, dass Apple per Softwareeingriff die Funktion aushebelt, die den Inhalt eines Telefons löscht, wenn zehn Mal ein falsches Passwort eingegeben wird.

Ein Anwalt, der Verletzte des Terroranschlags vertritt, sagte, seine Mandanten würden die Position der Regierung unterstützen. "Sie wurden Ziel von Terroristen und sie müssen wissen, warum und wie dies geschehen konnte."

Kommentar zum Fall Apple

fab/dpa

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insgesamt 47 Beiträge
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ted211 22.02.2016
1. Scheingefecht?
Wie können wir wissen, ob das nicht nur ein Scheingefecht ist, um die Anwender in Sicherheit zu wiegen?
Frank Zi. 22.02.2016
2.
Zitat von ted211Wie können wir wissen, ob das nicht nur ein Scheingefecht ist, um die Anwender in Sicherheit zu wiegen?
Am Besten Gerichtsurteile studieren, in denen beschlagnahmte iPhones, bzw. die Daten daraus als Beweismittel verwendet werden/wurden. Da wird immer schön klar und deutlich dargelegt, wie die Ermittler an die Daten gekommen sind.
tims2212 22.02.2016
3. Hat das FBI keine fähigen Hacker?
Es ist immer wieder interessant zu sehen, was alles und was alles nicht vom PatriotAct abgedeckt ist.
Untertan 2.0 22.02.2016
4. Verhältnismäßigkeit
14 Menschen starben und deswegen soll die Sicherheit für Millionen Nutzer ruiniert werden? Das steht in keinem Verhältnis! Hier geht es nicht um Gefahrenabwehr, sondern um die faschistoiden Überwachungsträume des FBI-Direktors.
Forums-Geschwurbel 22.02.2016
5.
Zitat von ted211Wie können wir wissen, ob das nicht nur ein Scheingefecht ist, um die Anwender in Sicherheit zu wiegen?
Knacken Sie die Verschlüsselung eines iPhone 5c - und schon haben Sie das "Scheingefecht" entlarvt. Nur zu !
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