Streit mit FBI Tech-Giganten stehen Apple bei

Apple bleibt hart: Der Konzern will dem FBI beim iPhone-Hacken nicht helfen. Jetzt bekommt das Unternehmen laut Medienberichten Unterstützung - von Google, Facebook und Microsoft.

Bauarbeiter vor Apple-Logo: Der Konzern streitet mit dem FBI
REUTERS

Bauarbeiter vor Apple-Logo: Der Konzern streitet mit dem FBI


Im Streit über das Entsperren eines iPhones bleibt Apple auf Konfrontationskurs zur US-Regierung. Das Unternehmen forderte am Donnerstag von einem Gericht in Kalifornien die Einstellung eines Verfahrens. Das Gericht hatte Apple angewiesen, dem FBI beim Entsperren des iPhones zu helfen, das von dem Attentäter von San Bernardino genutzt worden war.

In dem neuen Schreiben von Apple heißt es: "Kein Gericht hat jemals das erlaubt, was die Regierung nun versucht. Kein Gesetz rechtfertigt eine derart uneingeschränkte und umfassende Auslegung der Verfahrensregeln, und die Verfassung verbietet es." Das Justizministerium und das FBI versuchten, sich mithilfe dieses Falls eine gefährliche Macht zu verschaffen, warnte Apple.

Der Fall FBI vs. Apple
Das FBI fordert von Apple ein Werkzeug, mit dem die US-Polizeibehörde ein iPhone entsperren kann. Apple will dieses Werkzeug aber nicht herstellen. Der Streit dreht sich um ein Handy, das einer der Attentäter von San Bernardino benutzt hat. Er hatte in der kalifornischen Stadt zusammen mit seiner Ehefrau am 2. Dezember 2015 14 Menschen mit Schusswaffen getötet und 21 weitere verletzt. Beide Täter wurden von der Polizei erschossen, ihre Tat gilt als islamistischer Terroranschlag.

Das FBI kann das Handy des Attentäters bisher nicht knacken und hat deswegen einen Gerichtsbeschluss erwirkt. Darin heißt es, Apple müsse der Polizeibehörde „angemessene technische Unterstützung“ gewähren, um die Code-Sperre des Smartphones auszuhebeln. Apple-Chef Tim Cook erklärte in einem offenen Brief, das FBI wünsche sich eine spezielle Version des iPhone-Betriebssystems, die dort normalerweise integrierte Sicherheitsmechanismen aushebeln solle. Konkret geht es um die Möglichkeit, mehr als zehn Sperrcodes automatisiert ausprobieren zu können. Das FBI könnte dann mit Hilfe eines Computers eine sogenannte Brute-Force-Attacke auf den Sperrcode des Handys durchführen, also rasend schnell eine Vielzahl von Codes durchprobieren. Cook verweigert die Herstellung eines solchen Werkzeugs bislang mit der Begründung, es könne, einmal geschaffen, beliebig viele andere iPhones entsperren. Die Anfrage der Behörden schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall.

Das FBI beteuert, man wolle nur dieses eine iPhone entschlüsseln. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass sich das Justizministerium der USA bereits in 15 Fällen um eine Umgehung der Schutzmechanismen bemüht hat. FBI-Direktor James Comey fordert schon seit vielen Monaten immer wieder, Gerätehersteller müssten Hintertüren für die Sicherheitsbehörden in ihre Schutzsysteme einbauen.
Apple-Chef Tim Cook machte am Donnerstag deutlich, dass er bereit ist, den Fall bis zum Obersten Gericht der USA durchzufechten. Er schlug ein Treffen mit Präsident Barack Obama vor. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht darauf.

Viele Konzerne wollen Apple unterstützen

Auf Unterstützung kann Apple von anderen Tech-Konzernen hoffen - diesen dürfte bewusst sein, dass Apples Auseinandersetzung mit dem FBI für das gesamte Silicon Valley von Bedeutung ist.

Das "Wall Street Journal" schreibt unter Berufung auf Insider, die Google-Mutterfirma Alphabet, Facebook und Microsoft wollten sich bei Gericht in Form einer sogenannten Amicus-Curiae-Stellungnahme für Apple aussprechen. Die Initiative soll auch noch von mindestens einem weiteren, bislang unbekannten Tech-Konzern unterstützt werden.

Twitter möchte Apple ebenfalls beistehen, schreibt das "Wall Street Journal", bislang sei aber unklar, ob sich der Dienst an einer gemeinsamen Stellungnahme beteiligen werde. Die "Seattle Times" berichtet, auch Amazon habe konkrete Überlegungen, Apple zu unterstützen. Ähnliches berichtet "BuzzFeed" über die etwas kleineren Firmen Slack und Box, die beide Messaging-Software für Gruppen und Firmen anbieten.

Wie CNN in einer Übersicht aufzeigt, haben die Apple-Konkurrenten - die in diesem Fall mehr wie Verbündete wirken - noch bis Donnerstag Zeit, ihre Stellungnahmen einzureichen. Am 3. März endet die Deadline für mögliche Eingaben Dritter.

Kommentar zum Fall Apple

mbö/AP/dpa/Reuters



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insgesamt 49 Beiträge
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Seite 1
prince62 26.02.2016
1. Nur Bill Gates ist gegen Apple, natürlichweise!
Erstaunlicherweise hat ausgerechnet Bill Gates die Applepolitik hier scharf kritisiert und sich hinter das FBI gestellt, Bill ist halt das, was er eigentlich immer war, eine graue Maus und duckmäusriger Mitläufer ohne Rückgrat. Oder ist es nur der Haß auf den alten und wohl einzigen richtigen Gegner denn Gates je hatte, nachdem er von Steven Jobs zu Anfangszeiten des PC-Zeitalters einmal öffentlich nach allen Regeln der Kunst runtergeputzt wurde!
pb-sonntag 26.02.2016
2. .
Apple, Google, Facebook und Microsoft als Hord der Datensicherheit. Klar, dass die zusammenstehen.
hwdtrier 26.02.2016
3. Die
Konzerne wittern das große Geschäft mit den Terroristen und den von ihnen beherrschten Ländern.
caligus 26.02.2016
4. Wie bitte?
Zitat von hwdtrierKonzerne wittern das große Geschäft mit den Terroristen und den von ihnen beherrschten Ländern.
Selten einen solchen Unsinn gelesen! Nein, die Konzerne sehen ihr Geschäft davon treiben, wenn sie das Bedürfnis auf Datenschutz ihrer Kunden missachten! Andere Firmen werden dieses Vakuum füllen, wenn Apple & Co hier nicht standhaft bleibt. Ja, auch ich will nicht, dass die NSA oder andere Organisationen meine Daten lesen kann - solange ich das nicht will. Oder haben Sie Ihr Tagebuch inzwischen Online gestellt?
padberx 26.02.2016
5. Standhaft bleiben!
Apple muss man als Firma ja nun wirklich nicht mögen (trotz genialer Produkte), aber bei diesem Thema kann man den Damen und Herren aus Cupertino nur Standhaftigkeit wünschen! Man darf nie vergessen: Die Bürger sollten den Staat kontrollieren, und nicht umgekehrt! Dieses demokratische Grundverständnis scheint jenseits des Atlantiks immer mehr in Vergessenheit zu geraten - getrieben durch gezielt geschürte und teils unverantwortlich übertriebene Terrorangst.
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