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FBI gegen Apple: Jetzt geht es auch offiziell um mehr als ein iPhone

FBI-Direktor Jim Comey vor dem Kongress-Ausschuss Zur Großansicht
DPA

FBI-Direktor Jim Comey vor dem Kongress-Ausschuss

Es geht uns um das Entsperren eines einzigen iPhones - das war die offizielle Linie des FBI im Streit mit Apple. Vor dem Kongress sagte der Chef der Behörde nun etwas anderes.

Die Entschlüsselung eines iPhones im Fall des Islamisten-Anschlags von San Bernardino könnte dem FBI zufolge doch zu einem Präzedenzfall werden. Sollte Apple das Handy entsperren müssen, könnte das FBI den Entscheid auch auf andere Fälle übertragen, sagte FBI-Direktor James Comey am Dienstagabend bei einer Anhörung vor dem US-Kongress.

Damit weicht Comey von seiner Aussage aus der vergangenen Woche ab, als er sagte, die geforderte Entsperrung sei kein Wegbereiter für weitere Fälle. Apple hat die FBI-Forderung schon lange einen gefährlichen Präzedenzfall genannt.

Das FBI untersucht derzeit, ob die Attentäter von San Bernardino mit der Extremisten-Miliz "Islamischer Staat" in Kontakt standen. Dafür will das Justizministerium Apple per Gerichtsurteil zwingen, das iPhone eines Angreifers für die Ermittler zu entschlüsseln. Apple wehrt sich dagegen und hofft auf Unterstützung im Kongress.

FBI-Chef räumt Fehler ein

Comey räumte Fehler im Umgang mit dem fraglichen iPhone ein. Es sei falsch gewesen, sofort das Passwort des Profils für den iCloud-Zugang bei Apple zu ändern, sagte Comey bei der Anhörung vor dem Justizausschuss im US-Repräsentantenhaus.

Apple wies zuvor darauf hin, dass dadurch die Möglichkeit verbaut worden sei, ohne Aushebelung der Verschlüsselung Informationen aus dem iPhone zu bekommen. Zugleich betonte Comey aber, dass das FBI vermutlich auch dann noch mehr Informationen aus dem Telefon wollen und entsprechenden Druck auf Apple machen würde.

Zuletzt hatte die US-Regierung in der Auseinandersetzung einen Rückschlag erlitten. Ein Richter im New Yorker Bezirk Brooklyn entschied, dass die Regierung mit einem Gesetz aus dem 18. Jahrhundert keine angemessene rechtliche Grundlage gefunden habe, um das Entsperren eines iPhones zu fordern.

Die New Yorker Entscheidung hat zwar keinen direkten Einfluss auf das Verfahren in Kalifornien - sie deckt sich jedoch zumindest teilweise mit der Argumentation, mit der Apple notfalls bis zum Obersten Gericht der USA ziehen will. Die Regierung bezieht sich in beiden Fällen auf den sogenannten "All Writs Act" von 1789. Das Gesetz gibt Richtern grundsätzlich das Recht, alle nötigen Maßnahmen anzuordnen.

Der Richter aus Brooklyn kam zu dem Schluss, dass der "All Writs Act" in den aktuellen Auseinandersetzungen mit Apple nicht greife.

Der Fall FBI vs. Apple
Das FBI fordert von Apple ein Werkzeug, mit dem die US-Polizeibehörde ein iPhone entsperren kann. Apple will dieses Werkzeug aber nicht herstellen. Der Streit dreht sich um ein Handy, das einer der Attentäter von San Bernardino benutzt hat. Er hatte in der kalifornischen Stadt zusammen mit seiner Ehefrau am 2. Dezember 2015 14 Menschen mit Schusswaffen getötet und 21 weitere verletzt. Beide Täter wurden von der Polizei erschossen, ihre Tat gilt als islamistischer Terroranschlag.

Das FBI kann das Handy des Attentäters bisher nicht knacken und hat deswegen einen Gerichtsbeschluss erwirkt. Darin heißt es, Apple müsse der Polizeibehörde „angemessene technische Unterstützung“ gewähren, um die Code-Sperre des Smartphones auszuhebeln. Apple-Chef Tim Cook erklärte in einem offenen Brief, das FBI wünsche sich eine spezielle Version des iPhone-Betriebssystems, die dort normalerweise integrierte Sicherheitsmechanismen aushebeln solle. Konkret geht es um die Möglichkeit, mehr als zehn Sperrcodes automatisiert ausprobieren zu können. Das FBI könnte dann mit Hilfe eines Computers eine sogenannte Brute-Force-Attacke auf den Sperrcode des Handys durchführen, also rasend schnell eine Vielzahl von Codes durchprobieren. Cook verweigert die Herstellung eines solchen Werkzeugs bislang mit der Begründung, es könne, einmal geschaffen, beliebig viele andere iPhones entsperren. Die Anfrage der Behörden schaffe einen gefährlichen Präzedenzfall.

Das FBI beteuert, man wolle nur dieses eine iPhone entschlüsseln. Mittlerweile wurde jedoch bekannt, dass sich das Justizministerium der USA bereits in 15 Fällen um eine Umgehung der Schutzmechanismen bemüht hat. FBI-Direktor James Comey fordert schon seit vielen Monaten immer wieder, Gerätehersteller müssten Hintertüren für die Sicherheitsbehörden in ihre Schutzsysteme einbauen.
Kommentar zum Fall Apple

fab/Reuters

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insgesamt 42 Beiträge
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1. Also unknackbar?
Bürger Icks 02.03.2016
John McAfee erklärt dem FBI per TV mal eben, wie man das denn genau macht: John McAfee Reveals To FBI, On National TV, How To Crack The iPhone http://www.liveleak.com/view?i=a1b_1456865723 Sowie ja auch die Kommunikation über Playstations unknackbar ist... xD Aber alles Verschwörungstheorien, dass das FBI ganz andere Ziele verfolgt. Wollte man so vielleicht potentiellen Terroristen das Gefühl vermitteln, solch ein spyPhone wäre jetzt sicher, und die Leute würden sich plötzlich wieder über alles am Telefon unterhalten, alles über ihr Smartphone im Web erledigen? Die Zeiten sind vorbei, seit den NSA-Enthüllungen sogar bei vielen, die vorher immer gleich Verschwörungstheorie geschrien haben.
2.
jochen_schaefer 02.03.2016
Das stimmt, wenn man natürlich einfach weglässt, das der FBI-Direktor noch etwas anderes hinzugefügt hat, nämlich, dass man im Falle eines Sieges natürlich weitere iPhones entsperren lassen möchte. Folgerichtig melden die Kollegen von Zeit online, etwas anderes (s. http://www.zeit.de/video/2016-03/4782512497001/apple-fbi-chef-sieht-moegliche-iphone-entsperrung-als-praezedenzfall)
3. Entlassen
tommit 02.03.2016
solange bis dort einer sitzt der sein Amt ernst nimmt sich an alle Gesetze zu halten...
4. Nicht zu vergessen
oli h 02.03.2016
Das Handy des San Bernardino-Attentäters, das geknackt werden soll, ist sein Dienst-Handy. Sein privates hat er bereits zerstört. Es geht der Polizei außerdem nicht um geheime Daten sondern um die Kontakte auf dem Phone, die sie observieren könnten: http://www.npr.org/2016/02/26/468216198/san-bernardino-police-chief-weighs-in-on-whether-apple-should-unlock-shooter-s-p Vor diesem Hintergrund mutet es schon komisch an, warum es kein Präzedenzfall sein sollte, und natürlich wäre es einer.
5. Es geht um VIEL mehr!
olli08 02.03.2016
Das FBI versucht nichts weniger als die nachträgliche Offenlegung von Kommunikationsdaten, die zu dem Zeitpunkt, an dem die Kommunikation stattgefunden hat, noch nicht per Gerichtsbeschluß abgehört werde durfte (und auch nicht wurde). Die Nicht-Offenlegung dieser Kommunikation durch den Beschuldigten (so er denn noch lebt), ist aber m.E. Teil seines Rechtes auf Verweigerung der Aussage. Unabhängig davon, ob diese Verweigerung für den Prozessverlauf für ihn günstig ist. Für die Verwendung von Informationen gibt es aber ein Rechtsgrundlage. Die Erlangung dieser Informationen muss bereits zum Zeitpunkt der Erlangung rechtmäßig gewesen sein, sonst dürfen sie vor Gericht evtl. nicht verwendet werden (Bsp.: Illegales Abhören). Im Fall des iPhones liegt die Aufzeichnung der Informationen aber in der Vergangenheit und war zu diesem Zeitpunkt geschütze Privatsache. Wenn nun diese Kommunikation nachträglich offengelegt werden dürfte, was ist dann die Folge für das Aussageverweigerungsrecht? Warum sollte dann noch ein Unterschied gemacht werden, auf welche Art ein Beschuldigter kommuniziert hat? Gesagt, telefoniert geschrieben, oder gar gedacht; alles muss offengelegt werden? Anklage wegen Nicht-Aussage? Folter zur Erlangung einer Information, die der Beschuldigte nicht freiwillig preisgeben möchte? Willkommen im Mittelalter! M.E. müsste für die Entschlüsselung des iPhones erst einmal eine rechtliche Grundlage in Form eines Gesetzes geschaffen werden. Ich bezweifele, dass dies rückwirkend möglich ist.
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