Profi-Hacker Auch Bundesregierung macht Russland verantwortlich für Cyberangriffe

Wie Großbritannien beschuldigt nun auch die Bundesregierung offiziell Russland als Urheber massiver Cyberattacken der vergangenen Jahre. Es geht insbesondere um eine bestimmte Hackergruppe.

Regierungssprecher Steffen Seibert
FELIPE TRUEBA/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Regierungssprecher Steffen Seibert


Wie Großbritannien und die Niederlande beschuldigt nun auch die Bundesregierung offiziell Russland als Urheber massiver Cyberattacken der vergangenen Jahre. "Auch die Bundesregierung geht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit davon aus, dass hinter der Kampagne APT 28 der russische Militärgeheimdienst GRU steckt", sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag in Berlin.

APT 28, unter anderem bekannt unter den Namen "Fancy Bear" oder "Sofacy Group" ist eine Hacker-Kampagne, die durch große Angriffe wie etwa den Bundestags-Hack im Jahr 2015 einer breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Nach Einschätzung westlicher Geheimdienste handelt es sich um eine Einheit des russischen Militärgeheimdienstes GRU - eine entsprechende Erklärung der Regierung hatte es bislang noch nicht gegeben.

"Diese Einschätzung beruht auf einer insgesamt sehr guten eigenen Fakten- und Quellenlage", sagte Seibert. Die Regierung habe "volles Vertrauen" auch in die Einschätzung der britischen und niederländischen Behörden.

Regierung fordert Russland auf, "derartige Handlungen zu unterlassen"

Weiterhin sagte er: "Wir verurteilen derartige Angriffe auf internationale Organisationen und auf Einrichtungen unserer Verbündeten auf das Schärfste. Und wir fordern Russland auf, seiner Verantwortung gerecht zu werden und derartige Handlungen zu unterlassen."

Wenn solche Angriffe Erfolg hätten, könnten sie die freiheitliche Gesellschaft, die öffentliche Sicherheit und "im Grunde auch unsere Demokratie" unmittelbar bedrohen, warnte Seibert. Daher müsse die Handlungsfähigkeit und die Souveränität Deutschlands im Zeitalter der Digitalisierung gewährleistet sein.

Am Donnerstag hatten die USA sieben Agenten des russischen Militärgeheimdiensts GRU unter anderem wegen der Cyberattacke auf die Weltantidopingagentur WADA angeklagt. Niederländische Behörden erwischten nach eigenen Angaben GRU-Agenten beim Versuch, sich ins Computernetz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) zu hacken. Die britische Cyberabwehr erklärte, sie rechne die Hackergruppe APT 28 dem GRU zu.

Die bisher schärfsten Anschuldigungen

Die Enthüllungen aus London, Den Haag und Washington waren die bisher schärfsten Anschuldigungen im Zusammenhang mit mutmaßlich russischen Hackerangriffen. Besonders ausführlich und gut dokumentiert waren die Vorwürfe der Niederländer. Sie veröffentlichten am Donnerstag unter anderem Bilder von der Spionageausrüstung sowie Daten von beschlagnahmten Geräten.

Nach Angaben der Ermittler wollten die GRU-Agenten im April ins WLAN-Netz der OPCW eindringen. Die Organisation untersuchte damals Chemiewaffen-Angriffe in Syrien sowie die Nervengift-Attacke auf den ehemaligen russischen Doppelagenten Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien.

Erklärung aus Berlin untermauert Verdacht

Aus den Gerätedaten gehe hervor, dass auch Hacker-Attacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant gewesen seien, hieß es.

Mit den Angriffen auf die WADA und den Leichtathletikverband IAAF wollten die russischen Hacker nach Darstellung der US-Ermittler von den Vorwürfen eines staatlich betriebenen Dopings gegen Russland ablenken. Sie hätten aber auch versucht, sich in den US-Atomkonzern Westinghouse zu hacken. Details dazu - etwa, ob die Attacke Erfolg hatte - gab es nicht.

Zuvor hatte die britische Cyberabwehr eine Liste von Hackergruppen veröffentlicht, hinter denen "so gut wie sicher" der GRU stehe. Darunter ist auch APT 28. Experten gingen bereits davon aus, die offiziellen Anschuldigungen aus London und nun auch Berlin untermauern den Verdacht.

juh/dpa/Reuters



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