Arabischer Frühling: Reporter ohne Grenzen würdigt Online-Aktivisten

Sie engagieren sich gegen staatliche Internetzensur - und bringen sich mitunter in Lebensgefahr: Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat am Welttag gegen Internetzensur Blogger und Online-Aktivisten des Arabischen Frühlings geehrt.

Tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni (Archivbild): Engagiert gegen Behörden-Zensur Zur Großansicht
AFP

Tunesische Bloggerin Lina Ben Mhenni (Archivbild): Engagiert gegen Behörden-Zensur

Hamburg - Die Organisation Reporter ohne Grenzen hat Online-Dissidenten gegen staatliche Zensur gewürdigt. Die Netizens, die Internetbürger, hätten im vergangenen Jahr im Zentrum der Arabischen Revolutionen gestanden, sie hätten "an der Seite von Journalisten versucht, die Zensur zum Scheitern zu bringen" und dafür einen hohen Preis bezahlt, teilte die Organisation am Montag anlässlich des Welttags gegen Internet-Zensur mit.

Nach Angaben von Reporter ohne Grenzen wird 2011 "als Jahr der beispiellosen Gewalt gegen die Netizens" in die Annalen eingehen. Fünf von ihnen wurden demnach bei Versuchen, zu informieren, getötet. Knapp 200 Online-Dissidenten und -Blogger, und damit 30 Prozent mehr als im Vorjahr, wurden festgenommen. Allein in Syrien seien bis heute mehr als 120 Netizens in Haft.

In ihrem Bericht 2012 machte die Organisation zwölf Länder als "Feinde des Internets" aus. In Syrien sei das Regime von Präsident Baschar al-Assad nicht nur auf den Straßen brutal gegen die Opposition vorgegangen. Es habe auch das Internet rigoros zensiert, um die Verbreitung von Nachrichten zu unterdrücken. Dabei habe es Unterstützung vom Iran bekommen.

Auch demokratische Länder unter Beobachtung

Neben den bereits bekannten Kandidaten, darunter auch Saudi-Arabien, China, Kuba und Nordkorea, gibt es zwei Neuzugänge: Bahrain und Weißrussland. Als "Feinde des Internets" gelten Länder, die den Netz-Zugang beschränken, Inhalte stark filtern, Online-Dissidenten verfolgen und über das Internet Propaganda verbreiten.

14 Länder stehen bei Reporter ohne Grenzen "unter Beobachtung", weil sie "den Versuchungen der Sicherheitspolitik erliegen oder unverhältnismäßige Maßnahmen zum Schutz des Urheberrechts ergreifen". Dazu zählt die Organisation auch demokratische Staaten wie Frankreich, Australien und die Türkei ebenso wie Russland, Thailand oder die Vereinigten Arabischen Emirate. Neu hinzu kamen in diesem Jahr Indien und Kasachstan. Dagegen tauchen Libyen und Venezuela auf keiner der beiden Listen mehr auf.

Reporter ohne Grenzen und Google zeichnen am Montag einen Blogger oder Netizen für seinen Einsatz für die Meinungsfreiheit im Internet aus. Im vergangenen Jahr ging der Preis an einen der Gründer des tunesischen Blogs "Nawaat". Am Montagabend zeichnet die Organisation in Paris einen Blogger oder Online-Journalisten für sein Engagement für Meinungsfreiheit im Internet aus.

ore/AFP/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
zum Forum...
Sagen Sie Ihre Meinung!
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Medienzensur
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2012
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren
Fotostrecke
Arabischer Frühling: Das Jahr der Revolutionen


Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.a.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.