Snowden-Enthüllungen: NSA spionierte al-Dschasira aus

Redaktion von al-Dschasira in Doha: die NSA überwachte Mitarbeiter des Senders Zur Großansicht
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Redaktion von al-Dschasira in Doha: die NSA überwachte Mitarbeiter des Senders

Es war ein Angriff auf einen der wichtigsten Nachrichtensender im arabischen Raum: Der US-Geheimdienst NSA hat nach SPIEGEL-Informationen 2006 die Kommunikation von Al-Dschasira-Mitarbeitern überwacht. Die Späher feierten die Aktion als "bemerkenswerten Erfolg".

Hamburg - Dass sich der US-Geheimdienst NSA für die Berichterstattung des arabischen Nachrichtensenders al-Dschasira interessiert, ist nachvollziehbar. Immerhin verbreitet der Kanal mit Hauptsitz in Katar seit mehr als einem Jahrzehnt Audio- und Videobotschaften der Qaida-Führung. Die US-Lauscher begnügten sich allerdings nicht mit der Sprachanalyse des dort Gesendeten, wie aus Unterlagen aus dem Snowden-Archiv hervorgeht.

Nach SPIEGEL-Informationen stellt ein Bericht des "Network Analysis Center" des US-Geheimdienstes NSA Erfolge des Dienstes bei der Überwachung des Senders heraus. Es sei gelungen, die interne und besonders geschützte Kommunikation "interessanter Ziele" zu knacken und mitzulesen. Als Beispiel für die jüngsten "bemerkenswerten Erfolge" benennt das Papier vom 23. März 2006 neben dem Buchungssystem der russischen Fluglinie Aeroflot ausdrücklich "die interne Kommunikation von al-Dschasira-Broadcasting", berichtet der SPIEGEL.

Der arabische Nachrichtensender al-Dschasira sendet seit 1996 mit dem Versprechen, ein vergleichsweise objektives Medium in einer Welt strikter Zensur zu bieten. Gegründet hat den Sender der Emir von Katar. Al-Dschasira verbreitete unter anderem Videobotschaften Osama Bin Ladens, was dem Kanal wütende Kritik aus Amerika einbrachte, ein "Terrornetzwerk" zu sein. Jedoch lud al-Dschasira als einziges arabisches Medium auch regelmäßig israelische Politiker zu Debatten ein, Korrespondenten nannten Iraks Präsidenten Saddam Hussein einen "Diktator".

Die ausgewählten Ziele bei al-Dschasira seien zuvor NSA-intern als "Quellen mit hohem Potential für nachrichtendienstlich relevante Informationen" eingeschätzt worden. Die entschlüsselten Inhalte und Informationen wurden dem Dokument zufolge zur weiteren Analyse an die zuständigen NSA-Abteilungen weitergeleitet. In welchem Umfang der Geheimdienst Journalisten und Manager des Medienkonzerns belauschte und ob das Abschöpfen bis heute anhält, geht aus dem Material, das der SPIEGEL einsehen konnte, nicht hervor.

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insgesamt 74 Beiträge
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1.
Trondesson 31.08.2013
Zitat von sysopAl-Dschasira
Kann man das hierzulande nicht mal so schreiben, wie es im Rest der Welt auch geschrieben wird? Nie weiß man auf den ersten Blick, worum es geht, wenn sogar Eigennamen so verunstaltet werden. Al Jazeera English - Live US, Europe, Middle East, Asia, Sports, Weather & Business News (http://www.aljazeera.com/)
2. Falsches Argument
arnewolf 31.08.2013
Der Redakteur schrieb: "....Korrespondenten nannten Iraks Präsidenten Saddam Hussein einen "Diktator"." Das ist kein Beleg dafür, dass Al-Dschasira nicht Al-Quaida nahe wäre. Saddam Hussein war Gegner von Al-Quaida.
3. Da möchte
StFreitag 31.08.2013
ich doch höflichst drum gebeten haben! Der Sender hat Kontakte zu Terrororganisationen, sei es auch nur, um diese zu interviewen. Da ist es doch löblich und wichtig, daß sich die Geheimdienste interessieren.
4. Al Dschasira
JCR 31.08.2013
...hat zwei Gesichter. Das englischsprachige Programm, das einem westlichen Nachrichtensender sehr ähnlich ist und das arabischsprachige Programm.
5.
hundotto 31.08.2013
[QUOTE=sysop;13620247]Es war ein Angriff auf einen der wichtigsten Nachrichtensender im arabischen Raum: Der US-Geheimdienst NSA hat nach SPIEGEL-Informatione.................................... Soll dieser Artikel ein Witz sein?Oder einfach nur ein Lückenfüller?Was ist das denn für eine "Enthüllung"? mal wieder?Kommt da mal was wirklich skandalöses Neues?Oder ist das Pulver bereits verschossen?
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