Live-Chat mit Edward Snowden Tausende Fragen, eine Stunde Zeit

Selten meldet sich Edward Snowden selbst zu Wort, meist lässt er seine Enthüllungen für sich sprechen. An diesem Donnerstagabend soll sich das ändern: Der US-Whistleblower will im Internet Fragen beantworten. Für die neue Offenheit gibt es zwei Gründe.

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#AskSnowden: Twitter-Nachrichten mit Fragen an Edward Snowden
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#AskSnowden: Twitter-Nachrichten mit Fragen an Edward Snowden


Hamburg - Edward Snowden ist zurück. An diesem Donnerstagabend will der ehemalige Geheimdienstmitarbeiter auf einer Website seiner Unterstützer Fragen beantworten, die ihm auf Twitter gestellt werden. Es ist einer der wenigen halböffentlichen Auftritte des Whistleblowers, der auf seiner Flucht vor den USA in Russland gestrandet ist und dort im Sommer temporäres Asyl bekam.

Snowden hatte dem mächtigen US-Geheimdienst NSA jede Menge Dokumente abgeknöpft. Seit Juni erschüttern seine Enthüllungen über Spähattacken im Internet und die Überwachung der Kommunikation von Millionen Menschen die Welt.

Dass sich Snowden ausgerechnet jetzt an die Öffentlichkeit wendet, hat zwei Gründe. Zum einen wird in den USA gerade diskutiert, ob wirklich alle umstrittenen Praktiken der NSA nötig sind. Vor einer Woche erst hatte sich Präsident Barack Obama selbst zu der Affäre geäußert. In diese Debatte will sich Snowden nun offenbar einschalten. Aufmerksamkeit ist ihm damit auf jeden Fall gewiss.

Zum anderen steht Snowden in den USA als Verräter massiv in der Kritik. Wenn er nicht reagierte, würden die Anschuldigungen und Gerüchte noch zunehmen. Gerade erst hat sich das Portal "The New Republic" an ihm abgearbeitet - ebenso wie an dem Enthüllungsjournalisten Glenn Greenwald und WikiLeaks-Gründer Julian Assange. Dabei wurde versucht, die drei in die rechte Ecke zu rücken. Von der Kampagne des Geheimdienst- und Verteidigungsapparats ganz zu schweigen, wo anonym darüber schwadroniert wird, Snowden in den Kopf zu schießen.

Spionage-Vorwurf aus dem Kongress

Nun will Snowden offenbar ein paar Dinge klarstellen. Das Twitter-Interview ist dafür eine geschickt gewählte Form: Aus der Flut der Fragen kann er sich jene herauspicken, auf die er eingehen möchte, die ihm wichtig sind. Gut möglich, dass er zu persönlichen Angriffen schweigen wird - und lieber auf die Verfehlungen der Politik und die Machenschaften der Geheimdienste hinweist.

Bisher hatte sich Snowden nur selten selbst zu Wort gemeldet. Meist lässt er die geheimen Dokumente für sich sprechen, die Journalisten verschiedener Medien sichten und veröffentlichen. Zu den wenigen Ausnahmen gehört eine Weihnachtsansprache im britischen Fernsehen, in der er vor ständiger Überwachung durch Mobilgeräte warnte, und ein ausführliches Interview mit der "Washington Post".

In dem Gespräch erklärte Snowden seine Mission für geglückt: "Ich wollte der Gesellschaft die Chance gegeben, selbst zu unterscheiden, ob sie sich verändern möchte." Zuletzt bezeichnete er im "New Yorker" Vorwürfe als "absurd", er sei angeblich ein russischer Spion. Der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Kongress, der Republikaner Mike Rogers, hatte das nahegelegt.

Von 21 bis 22 Uhr im Chat

Snowden selbst jedoch blieb stets im Hintergrund, lebt versteckt in Moskau, von den russischen Behörden offenbar gut geschützt. Vertraute besuchen ihn dort, außerdem traf er eine Gruppe prominenter Whistleblower sowie den Grünen-Bundestagsabgeordneten Christian Ströbele, dem er einen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel überreichte.

Nun wagt er sich - zumindest im Internet - hervor. Auf der Website der Initiative Free Snowden soll der Live-Chat von 21 Uhr bis 22 Uhr deutscher Zeit laufen. Twitter-Nutzer können mit dem Hashtag #AskSnowden Fragen in den Ring werfen.

SPIEGEL ONLINE wird Sie am Abend mit einem Liveticker auf dem Laufenden halten.

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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
mariameiernrw 23.01.2014
1. Nicht versucht
Die Website hat nicht versucht Snowden in die rechte Ecke zu stellen. Aus europäischer Sicht steht Snowden in der rechten Ecke! Er befürchtete, dass Obama Sturmgewehre verbieten würde und ist strikter Gegner jeder Sozialhilfe. Er ist also ein erzkonservativer Tea-Party-Anhänger von seinen Positionen her. Noch 2009 am Ende von Bushs Amtszeit war Snowden extrem wütend, dass jemand Geheimnisse an die New York Times ausgeplaudert hat. Seit damals hat sich aber das Überwachungssystem nicht geändert. Warum verrät also einer, der schon zehn Jahre für die NSA arbeitet und auch zum Militär war (also ein ganz spezieller Persönlichkeitstyp), plötzlich Geheimnisse? Sicherlich nicht weil er ein Problem mit Überwachung hat (sonst wäre man nicht bei der NSA), sondern weil die rechtskonservative Tea Party glaubt, dass die Obama-Regierung gleich Sozialismus ist. Snowden kämpft also nicht gegen Überwachung. Er kämpft gegen Obama.
Spiegelansgar 23.01.2014
2. Alles Twitter ?
Und warum gerade auf Twitter ? Steckt da die NSA weniger drin im Geschaeft ? Oder ist das Ganze ein geschickt angelegter Coups, mal eine Meldelise fuer alle Snowden- und Putinfreunde einzurichten ? Wie blauaegig scheint der clevere Snowden mit einem mal in Sicherheitsfragen geworden zu sein ! - Oder welcher Dienst wird mich als Snowdenfan registrieren ? Auch Stroebele soll doch getwittert haben...aehnlich die abgehoerte Angela M. , die jahrelang fuer ihr "Blackberry" Reklame machte.
Teile1977 23.01.2014
3.
Zitat von mariameiernrwDie Website hat nicht versucht Snowden in die rechte Ecke zu stellen. Aus europäischer Sicht steht Snowden in der rechten Ecke! Er befürchtete, dass Obama Sturmgewehre verbieten würde und ist strikter Gegner jeder Sozialhilfe. Er ist also ein erzkonservativer Tea-Party-Anhänger von seinen Positionen her. Noch 2009 am Ende von Bushs Amtszeit war Snowden extrem wütend, dass jemand Geheimnisse an die New York Times ausgeplaudert hat. Seit damals hat sich aber das Überwachungssystem nicht geändert. Warum verrät also einer, der schon zehn Jahre für die NSA arbeitet und auch zum Militär war (also ein ganz spezieller Persönlichkeitstyp), plötzlich Geheimnisse? Sicherlich nicht weil er ein Problem mit Überwachung hat (sonst wäre man nicht bei der NSA), sondern weil die rechtskonservative Tea Party glaubt, dass die Obama-Regierung gleich Sozialismus ist. Snowden kämpft also nicht gegen Überwachung. Er kämpft gegen Obama.
Menschen können sich und ihre Meinung ändern, vor allem wenn sie langsam durchschauen welch riesengroßer Mist am laufen ist. Abgesehen davon ist die NSA unabhängig vom Präsidenten, im sinne von: es gab sie in dieser Form schon unter Bush, und es wird sie in dieser Form auch unter seinem Nachvolger geben. Warum sollte Snowden ERST JETZT Obama angreifen, warum hat er es nicht kurz vor der Wahl gemacht? Obamas Tage als Präsident enden onehin bald, auch ohne Snowden darf er nicht wiedergewählt werden. Im übrigen sind selbst Demokraten aus deutscher Sicht ziemlich weit rechts, aber das ist ein anderes Thema.
polarwolf14 23.01.2014
4. Snowden
er ist ein Landesverräter und gehört entsprechend angeklagt und soll endlich seinem Prozess entgegensehen. Das würde ihn zum echten Kerl machen. Flucht ist einfach feige.
hellsfoul 23.01.2014
5. ?
@mariameiernrw: Und was soll ihm das bringen? Obama darf sowieso nicht mehr als Präsident kandidieren. Aber die Reaktion in den USA zeigt mir nur wieder, dass viele Amerikaner nicht fähig sind zu denken, wenn man so einen Überwachungsstaat gut heißen kann. Über sowas hätte sich die Stasi sicherlich gefreut. Im Gegensatz zu Assange hat Snwoden auch keine Personen direkt öffentlich zur Schau gestellt, oder Informanten in fremden Ländern gefährdet. Und die deutsche Politik sollte den Druck auf Amerika weiter erhöhen. Ich würde zB die amerikanische Botschaft aus Berlin verbannen und irgendwo in die Pampa setzen. Da können sie dann Hasen abhorchen. Weiterhin würde ich androhen verschiedene Stützpunkte in Deutschland schließen zu lassen. Und dann würde ich deutsche Projekte fördern, die in Konkurrenz zu Google und co. stehen. Vermutlich würde es ja schon genügen, wenn die ausländischen Firmen ihre Steuern in Deutschland zahlen müssten, und zudem keine Kundendaten das Land verlassen dürfen. Dann hätte man nämlich einen Ansatzpunkt für Klagen, wenn das verletzt wird.
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