Die "Hexenjagd auf WikiLeaks" müsse aufhören: Vom Balkon der ecuadorianischen Botschaft in London aus hat Julian Assange die US-Regierung und Präsident Barack Obama kritisiert. Eine große Zahl Unterstützer jubelte Assange bei seiner knapp zehnminütigen Ansprache zu.
Assange äußerte sich von dem Balkon aus, um eine drohende Festnahme durch britische Polizisten zu verhindern. Diese bewachen die Botschaft, um den 41-Jährigen festzunehmen, sobald er das Gebäude verlassen sollte. Im Juni hatte sich der WikiLeaks-Gründer in die diplomatische Vertretung geflüchtet, am Donnerstag wurde ihm politisches Asyl von dem südamerikanischen Land gewährt.
In seiner ersten öffentlichen Ansprache seit Monaten dankte er Präsident Rafael Correa für seinen Mut. Assange dankte seinen Unterstützern: In der Nacht vor der Asyl-Entscheidung habe er schon die Polizei auf der Feuertreppe gehört, ein Zugriff und seine Verhaftung seien nur nicht erfolgt, weil genug Zeugen vor Ort gewesen seien. Auch bedankte er sich bei den Angestellten der Botschaft.
Vor seiner Flucht am 19. Juni in die Botschaft hatte Assange sich juristisch gegen seine Auslieferung von Großbritannien nach Schweden gekämpft, wo er wegen sexueller Übergriffe befragt werden soll. Nachdem auch der Oberste Gerichtshof entschieden hatte, dass Assange ausgeliefert werden müsse, ersuchte er um Asyl.
Vor Assanges Auftritt hatten der britische Ex-Botschafter Craig Murray und der Publizist Tariq Ali vor der Botschaft öffentlich Position bezogen. Der im Streit aus dem britischen diplomatischen Dienst geschiedene Murray sprach Julian Assange seine Unterstützung aus. Dass ein Dissident nicht politisch verfolgt werde, sondern strafrechtlich, sei typisch für totalitäre Regime, sagte Murray. Er warnte, ein Eindringen britischer Polizisten in die ecuadorianische Botschaft sei eine "völlige Abkehr" vom internationalen Recht.
Der Historiker und Publizist Tariq Ali erklärte, die radikalen sozialen Bewegungen in südamerikanischen Staaten würden ihren Bürgern heute mehr soziale Rechte und Menschenrechte einräumen als die Vereinigten Staaten und Europa.
Der WikiLeaks-Aktivist Kristinn Hrafnsson hatte der britischen "Sunday Times" gesagt, Assange könnte bereit sein, sich in Schweden zu den Vorwürfen zu äußern. Als Voraussetzung dafür müssten aber Großbritannien und Schweden garantieren, Assange nicht an die USA auszuliefern. Dort könnte er wegen der Veröffentlichung der geheimen Diplomatendepeschen und Akten aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg zur Rechenschaft gezogen worden. Eine offizielle, öffentliche Anklage existiert bisher jedoch nicht.
ore/AFP
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