Von Ole Reißmann
Letzter Ausweg Schweden? WikiLeaks-Gründer Julian Assange erwägt offenbar, sich in dem Land den Vorwürfen der Vergewaltigung und sexuellen Nötigung zu stellen. Schweden und Großbritannien müssten aber garantieren, dass Assange nicht an die USA ausgeliefert werde. Das sei die Voraussetzung für weitere Überlegungen, sagte der Journalist und WikiLeaks-Aktivist Kristinn Hrafnsson der britischen "Sunday Times".
Der Vorstoß des Assange-Vertrauten ist der Versuch, doch noch einen Ausweg aus der verfahrenen Situation zu finden. Denn Assange sitzt in der Falle. Er selbst wollte sich am Sonntagnachmittag erstmals seit Monaten öffentlich äußern.
Assange wird wegen der Vorwürfe europaweit per Haftbefehl gesucht. Anfang Dezember 2010 stellte er sich der Polizei in Großbritannien und kam zunächst unter Auflagen gegen Kaution frei. Bis zum Obersten Gericht stritt er gegen seine Auslieferung nach Schweden. Seit dem 19. Juni hält sich Assange in der ecuadorianischen Botschaft in London auf. Damit verstieß er gegen seine Kautionsauflagen und wurde zur Festnahme ausgeschrieben.
Er fürchtet, die USA würden anschließend seine Auslieferung beantragen, um ihn wegen der Veröffentlichung geheimer Diplomatendepeschen zur Rechenschaft zu ziehen. Ecuador gewährte ihm deswegen am Donnerstag politisches Asyl. Sollte er die Botschaft jedoch verlassen, würde er umgehend festgenommen und an Schweden überstellt werden. Dort soll er persönlich zu den Vorwürfen befragt werden.
Wegen des diplomatischen Gerangels um Assanges Asyl treffen sich am Sonntag die Außenminister mehrere südamerikanischer Staaten, um über eine gemeinsame Haltung zu beraten. Dem Staatenbund Unasur gehören zwölf Länder an. Am Freitag dann treffen sich die Außenminister der Organisation Amerikanischer Staaten in Washington. Zu den 35 Mitgliedstaaten gehören auch die USA und Kanada.
Bisher haben die USA keinen Haftbefehl gegen Julian Assange ausgestellt. WikiLeaks-Anhänger sind aber überzeugt davon, dass ein "sealed indictment" existiert, eine geheime Anklage. Hinweise darauf sollen sich in den gehackten E-Mails der US-Sicherheitsfirma Stratfor gefunden haben - das Justizministerium will dazu keine Stellung nehmen.
Der mutmaßliche Informant, der WikiLeaks mit den geheimen Botschaftsdepeschen sowie Akten aus dem Irak- und Afghanistan-Krieg versorgt haben soll, sitzt seit mehr als zwei Jahren in Haft. Der Soldat Bradley Manning muss sich vor einem Militärtribunal verantworten. Wegen "Unterstützung des Feindes" könnte er für immer hinter Gittern bleiben.
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