Attacken auf Plattform: Internetaktivisten eröffnen Kampf für WikiLeaks

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Eine US-Firma entzieht WikiLeaks seine bekannte Internetadresse, Amazon stellt Dienstleistungen ein, Washington und nun auch Paris machen Druck - der Kampf um die Enthüllungsplattform eskaliert. Netzaktivisten wehren sich, sie sehen die Informationsfreiheit in Gefahr.

WikiLeaks-Seite: Nicht mehr über die alte Adresse wikileaks.org zu erreichen Zur Großansicht
dpa

WikiLeaks-Seite: Nicht mehr über die alte Adresse wikileaks.org zu erreichen

John-Perry Barlow, Ex-Hippie, Songtexter, Journalist, Bürgerrechtler und Internetberühmtheit, hat eine klare Position: "Der erste ernsthafte Informationskrieg hat begonnen. Das Schlachtfeld ist WikiLeaks. Ihr seid die Truppen."

Diese martialischen Sätze twitterte Barlow am Freitagmorgen deutscher Zeit. Der Mann ist einer der Gründer der Bürgerrechtsorganisation "Electronic Frontier Foundation" und einer von vielen, die in diesen Stunden Solidarität mit WikiLeaks bekunden. WikiLeaks ist für sie der Underdog, der Streiter für die Informationsfreiheit, der vor Angriffen mächtiger Gegner geschützt werden muss.

Seit am vergangenen Sonntag die Veröffentlichung der gigantischen Sammlung von US-Diplomatendepeschen begonnen hat, scheint WikiLeaks tatsächlich unter Beschuss:

  • Immer wieder verschwindet die Website der Organisation aus dem Netz, offenbar auf Grund von Hacker-Attacken.
  • Am Donnerstag verkündete der Internethändler Amazon, bei dem man auch Internet-Speicherplatz anmieten kann, man werde die WikiLeaks-Dokumentensammlung von den eigenen Servern verbannen. WikiLeaks habe gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen. Ein Kunde müsse Rechte an verbreiteten Inhalten haben, und diese dürften niemandem schaden. Zitat: "Es ist klar, dass WikiLeaks nicht über die Rechte an den vertraulichen Dokumenten verfügt." Und angesichts von mehr als 250.000 US-Diplomatendepeschen sei nicht gesichert, dass Unschuldige ausreichend geschützt seien.
  • Und seit Freitagmorgen ist die gewohnte Internetadresse wikileaks.org nicht mehr zu erreichen - veranlasst durch den US-Dienstleister EveryDNS. Derzeit ist WikiLeaks unter anderem über die Schweizer Adresse wikileaks.ch zu erreichen, eine offizielle Ausweichadresse, die auf die Piratenpartei des Landes registriert ist. Auch wikileaks.de funktioniert.
  • Der Nachrichtenagentur Reuters zufolge sucht auch die französische Regierung derzeit nach Wegen, WikiLeaks aus dem eigenen Land zu vertreiben. Industrieminister Eric Besson habe an Ministerialbeamte einen Brief geschrieben, in dem unter anderem folgende Aufforderung zu lesen sei: "Ich bitte Sie, mir so bald wie möglich mitzuteilen, welche Handlungsmöglichkeiten wir haben, damit diese Internetseite nicht mehr in Frankreich gehostet wird." Die Situation sei nicht akzeptabel. Eine Seite, die "Geheimnisse diplomatischer Beziehungen verletzt und Menschen in Gefahr bringt", dürfe nicht auf einem Server in Frankreich beheimatet sein. Grund für die Intervention des Ministers: Eine Kopie von WikiLeaks liegt derzeit auch auf den Servern des französischen Unternehmens OVH - nach der Verbannung durch Amazon.

Wie groß der Druck auf Internetunternehmen in den USA inzwischen ist, zeigen Äußerungen des parteilosen, den Demokraten nahe stenden US-Senators Joe Lieberman. Der Vorsitzende des Senatsausschusses für Heimatschutz hatte offenbar bei Amazon interveniert. Lieberman kommentierte Amazons Entscheidung so: "Ich hätte mir gewünscht, dass Amazon diese Maßnahme früher ergreift angesichts der vorherigen Veröffentlichungen klassifizierter Informationen durch WikiLeaks." Der Beschluss solle nun anderen als Beispiel im Umgang mit dem Enthüllungsportal dienen. Keine verantwortungsbewusste Firma in den USA oder anderswo solle WikiLeaks helfen, gestohlene Informationen zu verbreiten, die "die nationale Sicherheit aufs Spiel setzen und weltweit Leben gefährden".

Assange selbst stellt sich nun auf den Standpunkt, man habe Amazon ohnehin nur testen wollen. In einer Online-Fragestunde des britischen "Guardian" schrieb er: "Seit 2007 haben wir manche unserer Server absichtlich in Hoheitsgebieten platziert, in denen wir ein Meinungsfreiheitsdefizit vermuteten, um Rhetorik von Realität zu unterscheiden. Amazon war einer dieser Fälle."

"Stabilität der Infrastruktur bedroht"

Nach dem Amazon-Beschluss liegen die Daten von WikiLeaks inzwischen weitgehend wieder auf den Servern des schwedischen Unternehmens Bahnhof, außerdem in Frankreich bei OVH und möglicherweise auch noch an anderen Orten verteilt. Inwieweit der Entzug der Adresse wikileaks.org durch EveryDNS mit politischem Druck zu tun hat, ist nicht ersichtlich. Der DNS-Provider ist eine Art Übersetzungsdienst: Er verknüpft Domainnamen wie spiegel.de mit der eigentlichen Internet-Adresse, der IP-Nummer (bei SPIEGEL ONLINE: 195.71.11.67). Wenn dieser Dienst nicht mehr funktioniert oder wie bei wikileaks.org abgeklemmt wird, finden viele Nutzer den Weg nicht mehr auf die Seite - weil sie die kryptische IP-Nummer der Seite nicht kennen (bei WikiLeaks: 213.251.145.96). EveryDNS begründet seinen Schritt mit den Hacker-Attacken, denen WikiLeaks seit Sonntag immer wieder ausgesetzt sei: "WikiLeaks.org ist Ziel mehrfacher distribuierter Denial-of-Service-Attacken. Diese Angriffe haben die Stabilität der Infrastruktur von EveryDNS.net bedroht, von der beinahe 500.000 andere Websites abhängen, und würden das auch weiter tun."

Bei DDoS-Attacken werden Server durch eine Vielzahl automatisch gesteuerter, gleichzeitiger Anfragen aus dem Netz ausgebremst und im schlimmsten Fall komplett lahmgelegt. Üblicherweise werden solche Angriffe mit Hilfe sogenannter Botnets ausgeführt - großen Netzwerken aus Rechnern, die durch eingeschleuste Schadsoftware ferngesteuert werden können. Die Besitzer dieser Rechner merken oft nicht einmal, dass ihre Computer Teil eines Großangriffs sind.

Von wem die Hackerattacken ausgehen, darüber kann man derzeit nur spekulieren. Zwar bekannte sich ein US-Hacker mit dem Künstlernamen The Jester schon am Sonntag dazu. Doch Prahlen und Angeben gehört für manche Hacker durchaus zum Handwerkszeug - und wer hinter The Jester tatsächlich steckt, ist unbekannt. Außerdem machte der Hacker in Blog-Einträgen und Kurznachrichten klar, dass er keine DDoS-Attacken und Botnetze verwendet, sondern ein anderes, von einem Rechner aus gesteuertes System. Vielerorts wird auch spekuliert, US-Geheimdienste könnten hinter den Attacken stecken - doch für keine der Theorien gibt es derzeit Belege.

Es gibt viele WikiLeaks

Die Unterstützer von WikiLeaks haben ohnehin vorgesorgt. Diverse Internetadressen wie wikileaks.ch sind eingerichtet, um Nutzer nach wie vor verlässlich zur Seite der Enthüllungsplattform zu bringen.

Auch wikileaks.de ist registriert - von Theodor Reppe, der in Freiburg als Systemadministrator arbeitet. Er habe die Adresse schon "kurz nach der Gründung des Projektes 2006" übernommen, sagt er. Er sei auf die Plattform aufmerksam geworden und wolle sie unterstützen. wikileaks.de zu unterhalten, koste ihn nur "wenige Euro im Jahr". Er habe die Adresse einfach sichern wollen, "weil es heute ja schnell geht, dass solche Domains weggefangen werden". Mit WikiLeaks habe er ansonsten nichts zu tun. Einmal habe er zwar Besuch von der Polizei bekommen, 2009, als die Plattform Sperrlisten eines australischen Internetfilters publizierte. Doch die damals von den Behörden angestrebte Schließung der de-Adresse habe sich nicht durchsetzen lassen.

Reppe will nun sicherstellen, dass der DNS-Eintrag für wikileaks.de direkt beim zentralen deutschen Domainregistrar Denic registriert wird. Dort sei man durch gewaltige Kapazitäten auch für DDoS-Attacken gerüstet, sagt Reppe: "Da geht das dann hoffentlich im Grundrauschen unter."

"Feigheit und Unterwürfigkeit"

Reppe ist einer von vielen mehr oder minder stillen Unterstüztern von WikiLeaks. In diversen Internetforen wird derzeit zum Boykott des Internethändlers Amazon aufgerufen, weil er sich durch die Aussprerrung von WikiLeaks auf die Seite der Mächtigen gestellt habe.

Der Ökonom Daniel Ellsberg, der mit den "Pentagon Papers" einst die Verfehlungen der US-Regierung im Vietnamkrieg öffentlich machte, schrieb einen offenen Brief an Amazon und dessen Gründer Jeff Bezos. Er sei "angewidert von Amazons Feigheit und Unterwürfigkeit", weil der Online-Händler "angesichts der Drohungen von Senator Joe Lieberman und anderen Rechtsaußen im Kongress" WikiLeaks die Tür gewiesen habe. Ellsberg kündigte an, Amazon ab sofort zu boykottieren, und rief andere auf, es ihm gleichzutun. Das Vorgehen der US-Politik und Amazons erinnere ihn an die Internetzensur in China.

Über Twitter wurden am Freitagvormittag deutscher Zeit im Minutentakt alternative IP-Adressen und Domains für WikiLeaks weitergereicht, es gab Spendenappelle und weitere Boykottaufrufe gegen Amazon. Eine Seite unter der Adresse wikileaks.info listet zehn Alternativadressen auf, die alle auf die Original-IP-Adresse von Wikileaks verweisen. Darunter stehen drei weitere, andere IP-Adressen, unter denen das gesamte Angebot der Plattform oder Teile davon gespiegelt werden - sogenannte Mirror Sites.

Dass WikiLeaks durch DDoS-Attacken und öffentlichen Druck zum Verschwinden gebracht werden kann, scheint derzeit nicht wahrscheinlich.

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insgesamt 426 Beiträge
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1. Eines steht fest.
Klo, 03.12.2010
Zitat von sysopEin US-Unternehmen entzieht WikiLeaks seine bekannte Internetadresse, Amazon stellt Dienstleistungen ein, Washingtons Politik setzt Web-Firmen Druck -*der Kampf um die Enthüllungsplattform eskaliert. Netzaktivisten setzen sich zu Wehr, sie sehen die Informationsfreiheit in Gefahr. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,732688,00.html
Amazons hündische Unterwerfung und Selbstzensur wird dem Unternehmen mehr schaden, als Wikileaks. Wer behauptet, die Veröffentlichung ohnehin öffentlicher Depeschen gefährde die nationale Sicherheit, der mißachtet ohnehin die Pressefreiheit. Die nationale Sicherheit wird in erster Linie durch die Kriegsverbrechen gefährdet, die nicht nur auf Wikileaks veröffentlicht wurden. Aber die Kriegsverbrecher laufen immer noch frei herum. Unfassbar. Die USA bewegt sich sehenden Auges in eine Diktatur.
2. Es lebe die Meinungsfreiheit!
Der Doc 03.12.2010
Ein Hoch auf das Internet 2.0, auf den gebildeten Bürger und auf der Meinungsfreiheit - der wahren 4. Gewalt! Man kann sich zwar darüber streiten, ob es korrekt war, all diese Informationen frei zu geben (wen interessiert es, wie die einzelnen Politiker über einander denken oder reden?!), aber es widert mich an, wie die Mächtigen nun versuchen, WikiLeaks mundtot zu machen. Und die gleichen heuchlerischen Politiker meckern ohne Unterbrechung über Iran, Nord Korea oder China. WikiLeaks hat der Meinungsfreiheit einen Bärendienst erwiesen. Ein Hoch auf Julian Assange!
3. schon verloren
elbröwer 03.12.2010
"Das Vorgehen der US-Politik und Amazons erinnere ihn an die Internetzensur in China." Nur viel schlimmer weil die USA in allen Gremien, die das Web betreffen die absolute Macht haben. Den Rechtsaußen, die derzeit vor allem durch die Tea Party repräsentiert werden, kommt es auf Meinungs- oder Pressefreiheit nicht an solange sie sagen und tun dürfen was sie wollen. Denen katzbuckeln im Moment alle weil sie die fürchten als die neuen Machthaber wenn Obama weg ist. Das auch unsere Politiker die Freiheit des Netzes bekämpfen liegt in der Natur dieser Leute. Vor 15 Jahren hätten die Nutzer viel stärker Freiheit duchsetzen müssen. Zu der Zeit wußten die meisten noch nicht was das ist. Kohl sagte zum Stichwort Datenautobahn, dafür sei sein Verkehrsminister Wissmann zuständig.
4. Es geht Amazon in erster Linie um Geld
loky mcqueen 03.12.2010
Natürlich mögen einige Persönlichkeiten aus der Politik ihren Einfluss geltend gemacht haben. In erster Linie geht es Amazon aber schlicht um Umsatz und Gewinn! Das Weihnachtsgeschäft ist in vollem gange und der Höchstumsatz ist nun mal im Dezember. Informationsfreiheit ist ein tolles Wort, interessiert bei dem ganzen Thema, in Verbindung mit Weihnachten, relativ wenig. An sich ist diese ganze Depeschenveröffentlichung ohnehin nur etwas, was viele wußten, die sich mit ihrer Zeit befassten und befassen. Nun haben sie halt eine Bestätigung, wie die Politik der letzten verbliebenen Weltmacht wirklich tickt und handelt. Aber abgesehen von dem ganzen gespielten Entsetzen, wen wundert dieser Sachverhalt wirklich?! Wenn Lobbyismus und pures Durchsetzen der eigenen Interessen mit allen Mitteln in sämtlichen Regierungen und Wirtschaft quasi Mode geworden ist und schöne hehre Worte wie Demokratie, Bürgerrechte und Solidarität schon indem Moment vergewaltigt durch die Medien geistern, in denen sie von macht- und gewinn Machiavellisten ausgesprochen wurden. Im Grunde brauch man gar nicht empört und entsetzt sein! Weder über die Zustände in Russland, noch über die Sichtweise auf die hiesige Politik. Denn leider kommt das Bild, das die Veröffentlichung dieser Depeschen zeichnet, bei allem Medienbombardement und den Interessengruppen, die da ihre Ziele verfolgen, dem Pudels Kern erschreckend nahe ...
5. Ende offen ..
flowpower22 03.12.2010
Zitat von sysopEin US-Unternehmen entzieht WikiLeaks seine bekannte Internetadresse, Amazon stellt Dienstleistungen ein, Washingtons Politik setzt Web-Firmen Druck -*der Kampf um die Enthüllungsplattform eskaliert. Netzaktivisten setzen sich zu Wehr, sie sehen die Informationsfreiheit in Gefahr. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,732688,00.html
Lutig, ihrgendwie kommen mir Erinnerungen an meinen Geschichtsunterricht hoch. Wie war das noch mal im 19. Jahrhundert, mit der Zensur und der Beschlagnahmung von Pressedruckstöcken? Und hat ncht einmal ein kluger Kopf orakelt, dass in der Geshcichte sich alles .. ja WIEDERHOLT!
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So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.
Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.



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