Reaktion auf Kritik Bayer stoppt Gesichtserkennung in Apotheken

Nach Protesten von Datenschützern beendet der Pharmakonzern Bayer die Gesichtserkennung in Apotheken. Das Thema ist dem Pharmakonzern zu kontrovers.

Passantin vor einer Apotheke
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Passantin vor einer Apotheke

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Wenige Tage nach den ersten Berichten über Gesichtsscanner in zwei Österreicher Apotheken hat Bayer Austria den Einsatz der Geräte wieder gestoppt. Die Scanner hatten Alter und Geschlecht von Apothekenkunden erfasst.

"Wir wollten einen innovativen Weg gehen, haben aber gesehen, dass das Thema kontroversiell wahrgenommen wird", erklärt der Pharmakonzern auf seiner Website. Deshalb möchte man das Pilotprojekt mit sofortiger Wirkung beenden.

Die Gesichtsscanner waren zunächst testweise in zwei Apotheken platziert worden. Sie waren mit Werbedisplays ausgestattet, die auf Alter und Geschlecht des Kunden angepasste Werbung anzeigen sollten. Symbole auf den Scannern und ein Aushang sollten Kunden darauf hinweisen, dass sie gerade gefilmt werden.

Dieser Gesichtsscanner ist künftig nicht mehr im Einsatz
Bayer Austria

Dieser Gesichtsscanner ist künftig nicht mehr im Einsatz

Wie Bayer Austria auf Anfrage bestätigte, wurden die Daten nicht gespeichert und nur lokal verarbeitet; trotzdem waren die Geräte mit dem Internet verbunden. Die Aufnahmen der Kunden seien gelöscht worden, nachdem ihnen ein Zahlenwert zugeordnet worden war, hieß es weiter.

Eindringen in die Privatsphäre

Einen Einsatz der Gesichtsscanner in Apotheken in Deutschland hatte der Konzern zunächst nicht ausgeschlossen - das wolle man unter anderem von den Erfahrungen in Österreich abhängig machen, hieß es noch am Freitag. Diese Frage hat sich nun offenbar geklärt. Nach dem Abbruch des Tests ist mit einem Einsatz der Geräte in Deutschland bis auf Weiteres wohl nicht zu rechnen.

Die Bürgerrechtsorganisation Digitalcourage hatte die Gesichtserkennung als ungefragtes Eindringen in die Privatsphäre bezeichnet. Wer nicht überwacht werden wolle, müsste woanders einkaufen, kritisierte eine Sprecherin. "Diese Friss-oder-Stirb-Mentalität nimmt uns das Recht unbeobachtet dort einzukaufen, wo es uns passt."

Der im Eilverfahren gestoppte Test erinnert an den Fall der Supermarktkette Real. Diese hatte, "Heise Online" zufolge, im Sommer rund 40 Filialen mit Gesichtsscannern ausgestattet - und ebenso nach Protesten klein beigegeben.



insgesamt 26 Beiträge
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hansgustor 28.11.2017
1. Technikfeindlich
Meine Privatsphäre ist mir wichtig, aber wie diese Geräte sie verletzen würden, ist mir unklar. Ich laufe ja auch nicht mit Ski-Maske herum, damit niemand mein Alter erraten kann. Natürlich muss man verhindern dass die Bilder gespeichert werden, dann ist doch alles in Ordnung.
Luemgi 28.11.2017
2.
Es kommen immer früher oder später Begehrlichkeiten von anderen Stellen auf. Wenn die Daten schon mal da sind... Personalisierte Werbung ist aber eh Käse. Kaufe ich im Internet Unterhosen, bekomme ich auf nahezu jeder Website Werbung für Unterhosen. Obwohl ich gerade DIE in nächster Zeit nicht nochmal kaufen werde. Ich habe ja neue. In der Apotheke würde ich Werbung für Kosmetik und Anti-Falten-Creme bekommen. Als Frau meines Alters hat man das zu benutzen. Basta. So'n. Blödsinn. In der Apotheke kaufe ich das, was auf dem Rezept steht. Nichts anderes. Immer.
neuss66 28.11.2017
3. Im eigenen Interesse...
...sollten Apotheker davon lieber die Finger lassen. Denn Online-Apotheken stehen schon, sich die Hände reibend, parat um die weglaufende Kundschaft in ihre weit geöffneten Arme zu schließen.
frank_w._abagnale 28.11.2017
4. Wer nichts zu verbergen hat.
Wer nichts zu verbergen hat, wird auch gegen eine solche Serviceleistung nichts einzuwenden haben.
lupo62 28.11.2017
5.
Wenn sie einen Gewinn davon haben, werden sie weitermachen, und zwar unauffälliger. Jedes Kaufhaus überwacht seine Kundschaft mit dutzenden Kameras. Seit vielen Jahren und ohne jede Diskussion. Wer könnte sie daran hindern, eine Gesichtserkennungs- Software dazwischen zu schalten?
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