Beschwerde Verleger schalten Kartellamt gegen Google ein

Google macht gutes Geld im Internet - und soll gefälligst teilen: Das fordern die Zeitungs- und Zeitschriftenverleger, die sich beim Bundeskartellamt über die Suchmaschine beschwert haben. Nun wird die Aufnahme eines Verfahrens geprüft.

Google-Website: Verleger haben Beschwerde eingereicht
AFP

Google-Website: Verleger haben Beschwerde eingereicht


Bonn/Hamburg - Die deutschen Zeitungs- und Zeitschriftenverleger gehen nach Angaben von Google beim Bundeskartellamt gegen den Suchmaschinengiganten vor. Google erklärte in Hamburg auf Presseanfragen, dass das Bundeskartellamt das Unternehmen über die Beschwerden von Wettbewerbern informiert habe. Neben den Verlegerverbänden hätten auch die Microsoft-Tochter Ciao und der Kartendienst-Anbieter Euro-Cities Beschwerden eingereicht. Ein Sprecher der Wettbewerbsbehörde wollte dazu am Samstag in Bonn keine Stellung nehmen. Von den Verlegerverbänden VDZ und BDZV war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

Das Bundeskartellamt habe Google um Stellungnahmen gebeten und werde dann über die Einleitung eines förmlichen Verfahrens entscheiden. "Wir sind natürlich gern bereit, dem Bundeskartellamt unsere Produkte und Geschäftspraktiken zu erklären, und wir sind davon überzeugt, dass sie den deutschen und europäischen Gesetzen entsprechen", sagte Google-Deutschland-Sprecher Kay Oberbeck.

Euro-Cities-Chef Hans Biermann bestätigte am Samstag, dass sein Unternehmen am 27. August beim Kartellamt eine Beschwerde gegen Google eingereicht habe. Er und die anderen Beschwerdeführer hätten mit dem Kartellamt allerdings bis zum kommenden Mittwoch Stillschweigen vereinbart. Der Online-Kartendienst-Anbieter Euro-Cities soll sich über das kostenlose Anbieten von Karten bei Google Maps beschweren. Die Microsoft-Tochter Ciao moniere Teile ihres eigenen Vertrags mit Google über die Online-Werbung AdSense auf den Websites dritter Anbieter. Ciao war erst nach Vertragsschluss von Microsoft übernommen worden.

Dem Vernehmen nach kritisieren die Verlegerverbände, dass Google für die Anzeige der Suchtreffer, der sogenannten "Snippets", den Verlagen nichts bezahlt. Bereits im Sommer vergangenen Jahres soll deshalb geprüft worden sein, ob man Google aufgrund seiner Marktmacht kartellrechtlich beikommen könne.

Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert von Google eine faire Internetsuche, bei der der Konzern keine Treffer bevorzugt behandelt ("fair search"), und eine finanzielle Beteiligung ("fair share"). "Wir wollen wissen, wie gelistet wird und warum welches Angebot oben in der Ergebnisliste steht, und wir wollen an den Werbeeinnahmen, die mit unseren aufwendig hergestellten Qualitätsinhalten generiert werden, beteiligt werden", hatte ein BDZV-Referent Ende vergangenen November gesagt. Google verdiene über Werbung, die bei einer normalen Suche neben den Ergebnissen platziert wird, in Deutschland rund 1,2 Milliarden Euro jährlich.

Google-Sprecher Oberbeck wies daraufhin, dass der US-Internetkonzern 2009 weltweit 4,2 Milliarden Euro an Verleger gezahlt habe.

ore/dpa



Forum - Diskussion über diesen Artikel
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fritzes_flitze 16.01.2010
1. Jedes Käseblatt, jede...
... Klitsche, jeder Webfuzzi ist/ sollte in der Lage/ sein, mit der klitzekleinen Textdatei .htaccess seine Seite für Bots zu sperren. Aber nee, erstmal ist das korrupte Lobbyisten-Geheule groß, und keiner der involvierten Heulsusen geniert sich, blödsinnigste Phrasen zu dreschen. Lieber mal die erfolgreiche, ferne, "böse" Datenkrake Goggle anmachen, um unverdientermaßen, ohne jede eigene Leistung ein paar Euros zu erpressen... Mann, mit was für einem Scheiss sich unsere armen Gerichte zu beschäftigen haben. Schande über diese bigotten, ahungs- und kenntnisfreien "Verleger"; die sich im Übrigen nicht zu schade dafür sind, fast ausschließlich von heute auf morgen kündbare "Praktikanten" zu beschäftigen. Schämen sollten sich diese Schmarotzer, in Grund und Boden.
fgranna 16.01.2010
2. "Fair search"
"Der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) fordert von Google eine faire Internetsuche, bei der der Konzern keine Treffer bevorzugt behandelt..." und "Wir wollen wissen, wie gelistet wird und warum welches Angebot oben in der Ergebnisliste steht..." Ich glaub diese Leute leben in einer anderen Welt. Wenn Google irgendeine Seite gerne am Anfang der Ergebnisse sehen möchte dann ist es das gute Recht dieser Firma! Wer die Band bezahlt darf die Musik bestimmen!! Und wenn die Verleger nicht möchten die eigenen Publikationen (LOL, ich meine Tickermeldungen) in einer Google-Suche gefunden werden dann können sie das ganz einfach bewerkstelligen! Ich möchte dann gerne sehen was passiert... Wenn Google nun einem Rechtsstreit aus dem Weg gehen möchte dann könnten die sämtliche Verlagsangebote aus dem Suchindex löschen. Und dann? Klagen die Verlagen dann auf "aufnahme in den Suchindex"? Ich würds glatt drauf ankommen lassen. Sowas lächerliches...
yast2000 16.01.2010
3. Dumm, dümmer, ...
"Während in Villariba noch geputzt wird, wird in Villabacho schon wieder gefeiert." Gibt es irgend eine Peinlichkeit im Internet, die die Deutschen auslassen werden? Am deutschen Wesen soll die Welt genesen?
fritzes_flitze 16.01.2010
4. Danke, hier kann ich gar nicht...
Zitat von yast2000"Während in Villariba noch geputzt wird, wird in Villabacho schon wieder gefeiert." Gibt es irgend eine Peinlichkeit im Internet, die die Deutschen auslassen werden? Am deutschen Wesen soll die Welt genesen?
... anders als Nerdsprech: i lol'd. Nochmals Danke, Sie haben mir den Tag gerettet. ^_^
mot2 17.01.2010
5. Juristische Mittel - Auf zum letzten Gefecht
Obwohl der Rechtstreit ein Mittel ist, Konkurrenz auszuschalten oder sich gütlich zu einigen, ist der Anruf des Kartellamtes als totale Niederlage zu werten. Seit 25 Jahren (BTX) ist netzgestützte Freitextsuche für jeden Interessierten bekannt und in Gebrauch. Die Verleger, als Protagonisten unserer öffentlichen Gesellschaft, haben sich, neben anderen, mit Händen und Füssen gegen eine Digitalisierung unseres Gemeinwesen gewehrt. Diese Haltung kann an unzähligen Beispielen dokumentiert werden, schlich sich seit den siebzigern Jahren in die Entscheidungsräume aller Verantwortlichen des öffentlichen Raumes ein und gipfelte in dem Satz von Altkanzler Schmidt: "Die Informationstechnik gleicht der Atombombe". Obwohl in den frühen Siebzigern das Moore'sche Gesetz schon in seiner Bedeutung zu erkennen war und im deutschsprachigen Raum deren strukturelle Bedeutung in Buchform niedergelegt wurde (Hilberg/Piloty neben anderen), glaubte man darauf verzichten zu können. Immerhin wurde von den beiden 1976 ein 64bit Rechnerchip auf das Jahr 1996/98 prognostiziert, was dann auch eintrat. Ein Vorschlag (1986), sämtliche BTX-Seiten zu indexieren und diese per Freitextsuche dem Publikum zur Verfügung zu stellen, wurde seinerzeit vom BPM abschlägig beschieden. " Wir wollen keinen weiteren Ärger haben." Jetzt schreiben wir 2010, die Krise mehren sich, erst Bankenkrise durch vergiftete Assets, dann vergiftete Scheckkarten und weitere Devaluationen werden kommen. Diese werden weite Teile unseres Vermögens betreffen. Was die Verleger und ihre Journaille anbetrifft, sie sollten sich der Entwicklung stellen und nicht unter der Führung von General Schnarrenberger (Was mich an Google stört, .., och Gottchen) in einen Kampf eintreten, der schon verloren ist. Überdies haben diese schon mit der nicht-Bewältigung des Climagates genug am Hals. zum Grusse
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