Betriebsprüfung Irischer Datenschützer kündigt Hausbesuch bei Facebook an

Verstößt Facebook gegen den Datenschutz? 16 Beschwerden hat eine Gruppe österreichischer Jura-Studenten beim zuständigen Aufseher in Irland eingereicht - doch der will ohnehin persönlich bei Facebook vorbeischauen und den Umgang mit Daten prüfen.

Facebook-Pixel: Irischer Datenschützer schreitet ein
DPA

Facebook-Pixel: Irischer Datenschützer schreitet ein


Hamburg - Der Wiener Jurastudent Max Schrems ist überrascht. Mitte August haben er und seine Freunde dem irischen Datenschützer 16 Anzeigen übermittelt, weil sie glauben, dass Facebook gegen europäisches Recht verstößt. Jetzt ist klar: Die Aufsichtsbehörde will den Vorwürfen nachgehen, kündigte einen Hausbesuch bei Facebook an. Vier bis fünf Tage werde man brauchen, um alles ganz genau zu überprüfen. Mit Facebook haben die Datenschützer bereits Kontakt aufgenommen.

So schnell hatte Schrems nicht mit einem ersten Erfolg gerechnet. "Jetzt haben wir mit die dickste Kanone gegen Facebook in der Hand", sagte er der österreichischen Zeitung "Standard". Die Österreicher haben sich in Irland beschwert, weil Facebook seine Europa-Aktivitäten dort angesiedelt hat. Auch für deutsche Nutzer ist der Ansprechpartner deswegen die Niederlassung in Dublin. Rund 300 Mitarbeiter arbeiten dort für das Netzwerk.

Streng genommen handelt es sich um zwei verschiedene Verfahren, ist bei der irischen Behörde zu erfahren. Den Vorwürfen der Studenten geht man nach, normalerweise wäre dies mit einem Schriftwechsel getan. Ohnehin war aber eine Betriebsprüfung bei Facebook geplant. 30 bis 40 führt der Data Protection Commissioner davon jedes Jahr bei Unternehmen durch, zum Teil auch ohne Anmeldung. Die Vorwürfe der Studenten werden bei der geplanten Facebook-Prüfung nun natürlich eine Rolle spielen.

Erst am Montag hatten Landtagsabgeordnete in Schleswig-Holstein wieder erfahren müssen, dass sie für den Datenschutz bei Facebook gar nicht zuständig sind. Vor dem Innen- und Rechtsausschuss in Kiel zeigte sich Facebook-Lobbyist Richard Allan zwar gesprächsbereit - betonte aber, man halte sich an das Recht in Irland, das mit der EU-Richtlinie übereinstimme.

Genau das bestreiten nun die Studenten. Einer ihrer Vorwürfe: Facebook speichere Daten auch dann noch, wenn Nutzer diese eigentlich schon gelöscht haben. Herausgefunden haben sie das, indem sie von ihrem Recht Gebrauch machten, dass Unternehmen in der EU auf Anfrage alle Daten herausgeben müssen, die sie über Kunden speichern. Weitere Anzeigen beschäftigen sich mit exzessiver Datennutzung, der Funktion zur Gesichtserkennung und der Datensicherheit. Alle 16 Beschwerden haben die Studenten auf einer eigenen Website dokumentiert.

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insgesamt 3 Beiträge
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Zweck-Los 08.09.2011
1. fakebook nein danke
Verantwortungsvolle Web-Admins sollten nach meiner Meinung alle Fakebook-Funktionen solange vom Frontend rausnehmen, bis die Vorwürfe seitens der irischen Datenschutzkommission entkräftet sind. Ob SpON mit gutem Beispiel vorangeht?
ThomasBernhard 09.09.2011
2. .
Zitat von Zweck-LosVerantwortungsvolle Web-Admins sollten nach meiner Meinung alle Fakebook-Funktionen solange vom Frontend rausnehmen, bis die Vorwürfe seitens der irischen Datenschutzkommission entkräftet sind. Ob SpON mit gutem Beispiel vorangeht?
Warum sollte spon und all die anderen auf die Zusammenarbeit mit der Datenkrake verzichten? Bringt doch schön viel klicks (Werbeeinnahmen!) und ohne die Datenkrake ist das Leben doch nur halb so schön und echt.
felisconcolor 09.09.2011
3. Löschen statt sperren
Was hat sich in der Vergangenheit die Politik und Netzgemeinde aufgeregt. Abmahnanwälte mussten Garagen anbauen um ihre ganzen Ferraris unter zu kriegen. Verstossen kleine Webseiten nur mit einem falsch gesetztem Komma gegen irgendwelche obskuren Gesetze und Verordnungen dann kann sich der Betreiber nur noch durch den Freitod retten. Aber facebook treibst munter. Und wird sich auch in Zukunft einen Dreck drum scheren. Entweder alle oder keiner. Ein Schelm wer Böses dabei denkt.
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