Hamburg - Eine Woche lang hat Apple geschwiegen. Nun reagiert der Konzern auf die Veröffentlichung zweier Entwickler, die eine Ortungsdatenbank auf iPhones entdeckt hatten, in der zum Teil über Monate hinweg Positionsdaten unverschlüsselt gespeichert werden. Apples Antwort: Nein, das iPhone speichert nicht exakt seinen Standort, sondern nur die Standorte von W-Lan-Hotspots und Mobilfunkmasten in der Nähe des iPhones.
Auch Firmenchef Steve Jobs, der eigentlich zurzeit aus Krankheitsgründen eine Auszeit nimmt, meldet sich persönlich zu Wort. Er verteidigt die Ortsbestimmung als Bug, der erst vor einer Woche entdeckt worden sei. Die Daten seien nur erhoben worden, damit das iPhone schnell seine Position ausmachen könne, etwa für die Nutzung von Landkarten, sagte Jobs dem "Wall Street Journal". Der präzise Standort eines iPhones sei niemals an Apple selbst übertragen worden.
Wie genau die gespeicherten Standortdaten sind, hängt natürlich davon ab, wie weit entfernt die Masten und W-Lan-Hotspots jeweils vom iPhone waren. Drei Fehler räumt Apple ein:
Apple nutzt iPhones als Umgebungsscanner für Verkehrsprognosen
Außerdem räumt Apple ein, dass das Unternehmen über iPhones "anonymisierte Verkehrsdaten" sammelt, um eine Datenbank mit Informationen zu Verkehrsflüssen aufzubauen. Dieses Detail ist überraschend - Apple hat dies bisher nicht zugegeben.
Im Juli 2010 führte Apples Justiziar Bruce Sewell in einem Schreiben an US-Abgeordnete die Verkehrsdaten-Auswertung lediglich als ein hypothetisches Beispiel an. Sewell erläuterte damals, Apple speichere nicht die Position der einzelnen Geräte, sondern ordne auf Basis der Koordinaten die Telefone einem Postleitzahlenbereich zu. Auf dieser Basis würden mobile Werbeeinblendungen gezielt platziert. Laut Sewell können die Informationen außerdem "zum Beispiel dafür genutzt werden, Verkehrsmuster und -dichte in verschiedenen Regionen zu analysieren" - also für bessere Verkehrsprognosen.
Dass Apple diese Datenbank längst aufbaut, sagte Sewell nicht. Auch Apples Datenschutzbestimmungen erwähnen diesen Zweck nicht.
Das Unternehmen hatte Mitte 2010 lediglich eingeräumt, dass iPhones Daten zur Position von Mobilfunk-Masten und W-Lan-Hotspots an eine Apple-Datenbank übermitteln.
Man muss in diesem Zusammenhang allerdings wissen, dass Mobilfunkprovider und Hersteller von Navigationssystemen ähnliche Datensammlungen schon seit geraumer Zeit betreiben. Navi-Hersteller etwa nutzen solche Daten für Stauprognosen und geschätzte Reisegeschwindigkeiten.
Ortungsprotokoll im Handy ist nicht allzu genau
Apples Angaben zur Präzision des Ortungsprotokolls decken sich mit den Ergebnissen eines Labortests des Fachmagazins "c't" . Demnach speichert das iPhone keine exakten Bewegungspfade seines Besitzers ab. Bei dem Test hatte sich gezeigt, dass die gespeicherten Zeitstempel kaum darauf schließen lassen, wann sich der iPhone-Besitzer an einem bestimmten Ort aufgehalten hat. Die Position von W-Lan-Hotspots und Mobilfunkmasten in der Umgebung tauchen jeweils nur einmal in den Datenbanken auf. Der jeweilige Zeitstempel, der einem Eintrag zugeordnet ist, erneuert sich jedoch in unbestimmten Abständen - wahrscheinlich, wenn man wieder einmal dort vorbeikommt.
Sobald sich solch ein Datenbankeintrag auf dem Telefon aktualisiert, wird der ältere Zeitstempel überschrieben. Spuren, die das iPhone zu einem früheren Zeitpunkt über den Besitzer gesammelt hat, werden dadurch verwischt. Der tägliche Weg zur Arbeit aktualisiert sich also ständig. Wann und wie oft der Handy-Besitzer den Weg gegangen ist, lässt sich im Nachhinein jedoch nicht mehr bestimmen.
Apple will "Location history" patentieren
Allerdings scheinen Apple-Ingenieure sich schon seit Langem mit der Auswertung von iPhone-Bewegungsprofilen zu beschäftigen. Das geht aus einem Patentantrag hervor, den das Unternehmen am 3. März 2011 eingereicht hat und den das US-Blog "Gawker" nun veröffentlichte.
Darin geht es um eine App namens "Location history", die Bewegungsdaten eines Nutzers in genau der Art und Weise sammelt und verwendet, wie sie von vielen Datenschützern befürchtet wurde. Der Patentantrag sieht zum Beispiel eine durchsuchbare Karte vor, auf der alle Bewegungen des Nutzers aufgezeichnet werden. Dabei werden die jeweiligen Standortdaten mit einer Reihe individueller Aktivitäten bis hin zu finanziellen Transaktionen verknüpft. Über das Internet sollen diese Daten dann an Server weitergeleitet werden. Das ganze wäre eine Art automatisiertes Reisetagebuch - aber auch ein Datenschützer-Albtraum.
Im Patentantrag heißt es mit aller wünschenswerten Offenheit, die gesammelten Daten könnten mit anderen persönlichen Informationen verknüpft werden. Darunter Bankgeschäfte, aber auch, wann welches Foto gemacht wurde; wann wo ein "Kommunikationsereignis", also ein Anruf, stattfand; oder auch, wann sich der Nutzer bei welchem sozialen Netzwerk angemeldet hat. Auch der weiteren Nutzung auf eigenen Rechnern widmet sich das Dokument. Auf denen könnten die erbrachten Daten dann für andere mobile Angebote genutzt werden, darunter "Navigationsdienste".
Die Ausrede, die Datensammlung sei nur auf einen Programmfehler zurückzuführen, sei damit vom Tisch, kommentiert "Gawker" denn auch maliziös.
jbr/ore/lis/rms/can
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