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06. Dezember 2012, 11:31 Uhr

Konkurrenzkampf

Instagram kappt Twitter-Bildvorschau

Keine Instagram-Fotos mehr bei Twitter: Bisher können Nutzer der Foto-App ihre Bilder direkt über Twitter verteilen. Das ist praktisch, spart Klicks - und wird nun abgeschafft. Künftig muss immer erst die Instagram-Website aufgerufen werden.

Kevin Systrom, Geschäftsführer von Facebooks Fotoplattform Instagram, hat eine klare Vorstellung davon, wer über die Fotos seiner Kunden zu bestimmen hat: seine Firma. Instagram will künftig keine Foto-Vorschauen bei Twitter anzeigen. Darüber sind viele Menschen enttäuscht, die Instagram kostenlos mit ihrem Schnappschüssen versorgen. Bei einer Konferenz sprach Systrom dem Fachdienst Paidcontent zufolge von "unseren Inhalte". Man tue einfach das richtige für das eigene Geschäft. Die Nutzer erwähnte er in dem Zusammenhang nicht.

Systroms Wortwahl passt zum Verhalten der beiden Onlinedienste: Twitter und Instagram behandeln ihre Kunden als Verhandlungsmasse im Wettbewerb. Im Juli hatte der Microblogging-Dienst Twitter die Regeln fürNutzung seiner Schnittstelle durch Dritte eingeschränkt, darunter litt auch Instagram. Nun will Instagram keine Fotovorschau mehr bei Twitter anbieten.

Die Maßnahme sei notwendig geworden, weil Instagram inzwischen seine eigene Netzpräsenz besitze, sagte Systrom bei der Konferenz Le Web. Gegenüber "Wired" schob Instagram nach, mittlerweile biete die eigene Webseite ein so vielfältiges Angebot, dass am besten dorthin verlinkt werde, wo die Inhalte eigentlich seien.

Die Tatsache, dass Twitter in der einst beabsichtigten Instagram-Übernahme von Facebook ausgestochen wurde, habe sicher genauso wenig zu einem guten Verhältnis zwischen Unternehmen beigetragen wie der Versuch Twitters, sich zu einem Medienunternehmen fortzuentwickeln, leuchtet "Gigaom" die Hintergründe aus.

Dieser Prozess beschränkte sich nicht nur auf Instagram, auch für Tumblr-Nutzer wurde der Zugang zum Freunde-Finder gekappt, der es erlaubt, mit dem Dienst seiner Wahl seine Twitter-Kontakte verwalten und ansehen zu können. Dahinter habe der Gedanke gestanden, dass Twitter mehr sein wolle als eine bloße Durchleitungsstation für Inhalte Dritter.

Fraglich ist, ob sich Twitter damit letztlich einen Gefallen tut. Denn mit seiner Politik der zunehmenden Abschottung macht sich der Zwitscherdienst weniger attraktiver. Matt Galligan, Gründer der Nachrichtenangebots Circa, brachte es in einem Tweet auf den Punkt: "Twitter entfernt die Instagram-Synchronisierung mit Freunden. Instagram entfernt Fotos von Twitter. "Ich weiß nicht, wer in diesem Krieg Sieger ist, aber ich weiß, wer ihn verloren hat: die Nutzer."

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