Online-Durchsuchung: BKA suchte Trojaner-Nachhilfe im Ausland

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Informationsaustausch über Technik und Taktik - BKA-Ermittler berieten sich mit Kollegen aus den USA und Großbritannien über den Einsatz von Staatstrojanern zur Durchsuchung fremder Rechner. Die Treffen liefen auch nach dem Urteil des Verfassungsgerichts weiter.

Bundestrojaner-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten Zur Großansicht
dapd

Bundestrojaner-Code: Eine Überwachung kann leicht zur Online-Durchsuchung ausarten

Kurz vor der Urteilsverkündung des Bundesverfassungsgerichts über die Online-Durchsuchung im Februar 2008 tauschten sich Vertreter des Bundeskriminalamts mit Kollegen aus Kanada und den USA über die in Deutschland umstrittene Ermittlungsmethode aus, bei der per Staatstrojaner Computer von Verdächtigen im Geheimen infiziert, ferngesteuert und abgeschöpft werden. Am 20. Februar berieten BKA-Beamte mit kanadischen Kollegen über "technische und taktische Aspekte der Online-Durchsuchung", am 22. Februar mit FBI-Vertretern angeblich nur über "rechtliche Voraussetzungen", dabei war das BKA schon lange an FBI-Trojanern interessiert.

So steht es in einer nun veröffentlichten Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage des Bundestagsabgeordneten Andrej Hunko (Die Linke). Das Dokument gibt einen kleinen Einblick in den Umfang der internationalen Zusammenarbeit bei staatlicher Schnüffelsoftware.

Arbeitstreffen nach Urteil des Verfassungsgerichts

Am 27. Februar 2008 entschied das Bundesverfassungsgerichts in seinem Urteil zur Online-Durchsuchung, dass die Online-Durchsuchung nur in ganz bestimmten Fällen zulässig ist. So müssen tatsächliche Anhaltspunkte für eine konkrete Gefahr für ein überragend wichtiges Rechtsgut bestehen. Außerdem muss ein Richter die Online-Durchsuchung anordnen, sie muss in einem Gesetz klar geregelt sein.

Für das Bundeskriminalamt gilt die entsprechende gesetzliche Regelung erst seit dem 25. Dezember 2008 - da trat das Gesetz zur Abwehr von Gefahren des internationalen Terrorismus in Kraft.

In den zehn Monaten zwischen der Entscheidung des Verfassungsgerichts und dem Inkrafttreten des Gesetzes berieten sich BKA-Beamte mehrfach zum "Informationsaustausch" mit Kollegen aus dem Ausland über die Online-Durchsuchung. Mit Kollegen aus der Schweiz und Großbritannien beriet man über "rechtliche Voraussetzungen, technische sowie taktische Aspekte der Online-Durchsuchung".

Der Abgeordnete Hunko kritisiert diese Treffen, das Bundeskriminalamt habe dabei "die Bedenken des Bundesverfassungsgerichts" ignoriert. Hunko bemängelt, dass die Bundesregierung ihn erst nach erneuter Nachfrage über die BKA-Treffen zur Onlinedurchsuchung mit Ermittlern aus Kanada, den USA, Großbritannien informiert hat. Hunko: "Auf eine frühere Anfrage wurde mir lediglich eine ständige Kooperation mit der Schweiz, den Niederlanden und Belgien beauskunftet."

Produktvorführung vom Trojanerbauer

In der präziseren Antwort der Bundesregierung taucht auch erstmals der Name eines möglichen Zulieferers auf. Im Oktober 2010 ließen sich niederländische und belgische Polizisten und Vertreter von BKA und Bayerischem Landeskriminalamt von Vertretern der Firma Gamma Group "Softwareprodukte" vorführen.

Gamma hat in der Vergangenheit damit geworben, Trojaner über ein gefälschtes iTunes-Update auf zu überwachenden Rechnern einschleusen zu können. Ende 2011 wurde bekannt, dass das BKA in mindestens einem Fall Testsoftware des Unternehmens erworben hatte.

Der Name der Firma tauchte vor einem Jahr auch auf, als Aktivisten in Ägypten ein Geheimdienstbüro stürmten und Akten auswerteten. Eine enthielt ein detailliertes Angebot für diverse Anwendungen der Gamma Group, Produkte mit dem Namen FinFisher. Rund 300.000 Euro sollte das System den Unterlagen zufolge kosten. Analysten des ägyptischen Geheimdienstes lobten in anderen Dokumenten besonders die Möglichkeit, Skype-Gespräche abzuhören.

Eine Anwaltskanzlei erklärte damals für das Unternehmen, Gamma International UK Limited habe keines der Produkte aus der FinFisher-Suite an die ägyptische Regierung geliefert. Das Unternehmen liefere nur an Regierungen, befolge dabei britisches Recht und alle anderen relevanten Vorschriften. Darüber hinaus könne das Unternehmen keine Auskunft über "vertrauliche Geschäftsbeziehungen und die Art der Produkte, die es anbietet", geben.

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1. Bitte
felisconcolor 14.03.2012
Zitat von sysopdapdInformationsaustausch über Technik und Taktik - BKA-Ermittler berieten sich mit Kollegen aus den USA und Großbritannien über den Einsatz von Staatstrojanern zum Durchsuchen fremder Rechner. Die Treffen liefen auch nach dem Urteil des Verfassungsgerichts weiter. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,821153,00.html
veröffentlicht endlich alle Firmen die mittelbar und unmittelbar an solchen Technologien arbeiten. Dann kann sich jeder aussuchen ob er solchen Firmen noch Aufträge erteilt. Erst wenn sich niemand mehr findet, der solche Arbeiten durchführen will wird diese Seuche aussterben. Am Gelde hängts, zum Gelde drängts. Ich schätze mal das eine Firma allein von einem Staatsauftrag nicht leben kann.
2. Bond
hman2 14.03.2012
Zitat von felisconcolorveröffentlicht endlich alle Firmen die mittelbar und unmittelbar an solchen Technologien arbeiten. Dann kann sich jeder aussuchen ob er solchen Firmen noch Aufträge erteilt. Erst wenn sich niemand mehr findet, der solche Arbeiten durchführen will wird diese Seuche aussterben. Am Gelde hängts, zum Gelde drängts. Ich schätze mal das eine Firma allein von einem Staatsauftrag nicht leben kann.
Genau so ist. Die eigentliche Kohle machen die mit all den ganzen Personalchefs, die einmal in ihrem Leben James Bond sein wollen und die eigene Belegschaft an Recht und Gesetz und am Betriebsrat vorbei ausspionieren wollen. Aber diese Leute scheren sich einen Dreck um den Ruf des Herstellers... Man bringt diese Leute eher noch auf den Trichter...
3. Überrascht?
Hrothgaar 15.03.2012
Zitat von sysopdapdInformationsaustausch über Technik und Taktik - BKA-Ermittler berieten sich mit Kollegen aus den USA und Großbritannien über den Einsatz von Staatstrojanern zum Durchsuchen fremder Rechner. Die Treffen liefen auch nach dem Urteil des Verfassungsgerichts weiter. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,821153,00.html
Mich überrascht es überhaupt nicht. Das ist doch tägliches Geschäft. Höchstrichterliche Urteile werden doch von ALLEN staatlichen Institutionen rigoros ignoriert! Besonders bei Strafverfolgungsbehörden, hat das Recht kein Raum zum überleben. Genau diese Behörden sch..... auf das Recht als Kollektiv oder des Einzelnen. Warum auch? Es gibt doch kein funktionierende Kontrolle und mal ehrlich: Der Richtervorbehalt ist auch nur eine Fassade. Wann wird ein Antrag vom Richter abgelehnt? DAS sind Einzelfälle. Ich schätze das 98% Anträge vom Richter durchgewunken werden. Also was bleibt übrig? Selbst für Sicherheit sorgen. Aber genau das macht wieder verdächtig nicht wahr?!
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potentiell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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