Blackberry-Sperre Saudi-Arabien steht vor Einigung mit RIM

Saudi-Arabien und der Blackberry-Hersteller RIM sollen sich im Prinzip einig sein, wie die Blockade bestimmter Handydienste vermieden werden kann. Aus Saudi-Arabien heißt es, das Unternehmen werde einen Server im Land installieren und damit eine staatliche Datenüberwachung ermöglichen. Bestätigt ist der Deal bislang nicht.

Blackberry-Smartphone: Deal mit RIM könnte Signalwirkung haben
AFP

Blackberry-Smartphone: Deal mit RIM könnte Signalwirkung haben


Riad/Hamburg - Die gemeinsame Kommunikation ist noch verbesserungswürdig. Aus Kreisen der staatlichen Aufsichtsbehörde für Telekommunikation Saudi-Arabiens verlautete am Samstag, der kanadische Smartphone-Hersteller Research In Motion (RIM) stehe kurz vor einer Einigung mit dem Vereinten Königreich. Aber RIM will sich bislang noch nicht äußern.

Saudi-Arabien hatte im Hinblick auf die Sicherheitsstandards von Blackberry Bedenken angemeldet. Dabei geht es vor allem um Internetfunktionen wie Messenger und E-Mail. Weil die Daten verschlüsselt übertragen und über Server im Ausland versendet werden, ist die Kommunikation mit den Geräten der staatlichen Kontrolle weitgehend entzogen. Saudi-Arabien fürchtet nach eigener Aussage, dass die Dienste von Extremisten genutzt werden könnten, um ungestört zu kommunizieren.

Laut einem Bericht des TV-Senders al-Arabija vom Samstag sollen die Behörden künftig bedingt Einblicke in die versandten Daten erhalten. RIM beabsichtigte, einen Server in Saudi-Arabien zu installieren, sagte ein Vertreter der Kommission für Kommunikation und Informationstechnologie, Bandar al Mohammed. Dies ermögliche dem Königreich, den Datenverkehr zu überwachen, etwa bei der Terrorfahndung.

Offiziell ist die Vereinbarung noch nicht, auch von Seiten der Firma RIM äußerte sich zunächst niemand zum Stand der Verhandlungen. Ein Vertreter eines der drei beteiligten Telekommunikationsanbieter, der nicht namentlich genannt werden wollte, sagte jedoch am Samstag: "Es gibt praktisch eine Einigung und wir arbeiten derzeit an der genauen Ausgestaltung." Details der Einigung nannte er nicht.

Die Kommunikationsbehörde hat nach eigenen Angaben den Telekommunikationsfirmen Saudi Telecom, Mobily und Zain Saudia Arabia 48 Stunden Zeit gegeben, eine zuvor "vorgeschlagene Lösung" auszuprobieren. Damit dürfte die Nutzung eines Servers im Landesinneren gemeint sein. Von den Tests hängt demnach ab, ob der Deal zustandekommt.

Zwischenzeitliche Ausfälle statt Komplett-Abschaltung

Ursprünglich hatte Saudi-Arabien angekündigt, den Messenger-Dienst fürs Blackberry ab diesem Freitag zu blockieren. Die komplette Sperre blieb allerdings aus, nur vereinzelt berichteten Nutzer des Smartphones im Königreich von Ausfällen. Bis zum Abend waren die Probleme offenbar behoben.

Eine Einigung dürfte Signalwirkung für andere Staaten in der Region haben. Auch die Vereinigten Arabischen Emirate haben unter Verweis auf eine mögliche Bedrohung der nationalen Sicherheit bereits mit einer Abschaltung der Blackberry-Dienste gedroht. Und Indien und Indonesien wollen ebenfalls mehr Kontrolle über den Datenverkehr der dortigen Smartphone-Nutzer erlangen.

can/apn/AFP/dpa/Reuters



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