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17. Oktober 2012, 12:46 Uhr

Streit mit Bloggern

Agentur zieht Abmahnungen zurück

Alles nur ein Missverständnis? Knapp 3000 Euro für die Nutzung eines Bildes forderte eine Bildagentur aus Berlin von Bloggern. Die schlugen Alarm, der Künstler selbst schaltete sich ein. Dann entdeckte die Firma einen Fehler.

Die Bildagentur, die Blogger wegen der Nutzung eines Bildes des Lego-Künstlers Nathan Sawaya abgemahnt hatte, macht einen Rückzieher. Mehrere Blogger hatten sich von der Website eines amerikanischen Künstlers bedient, der aus Lego Skulpturen steckt. Ein Bild zeigt Nathan Sawaya, wie er seinem Ebenbild in Lego gegenübersteht. Drei Jahre ist das her.

Dann mahnte eine Kanzlei unter anderem das Blog "We Like That" ab. Ende September schrieb eine Kanzlei aus Hannover, knapp 3000 Euro sollten für die unerlaubte Nutzung des Bildes fällig werden. Die Blogger waren entsetzt, mussten aber eingestehen, das fragliche Foto ohne Genehmigung genutzt zu haben, in dem Glauben, der Künstler fände das schon in Ordnung. Über diese und weitere Abmahnungen in dem Fall berichteten sie ausführlich.

Die Kanzlei versicherte damals ausdrücklich, über die Bildrechte zu verfügen. Selbst dann noch, als der Künstler selbst sich in die Diskussion einschaltete und erklärte, die Rechte würden allein bei ihm liegen, mit den Blog-Veröffentlichungen sei er einverstanden. Dann die Kehrtwende: "Alle Abmahnungen, die den Künstler Sawaya betrafen, wurden mittlerweile zurückgenommen", teilt die Kanzlei auf Anfrage mit.

So soll es zu den Abmahnungen gekommen sein: Eine niederländische Firma, von der die Berliner Bildagentur die Bildrechte erworben hatte, soll demnach zwar die Rechte von dem Unternehmen des US-Künstlers erhalten haben - aber nur zeitlich befristet. Dies habe die niederländische Firma der Berliner HGM Press beim Weiterverkauf nicht mitgeteilt.

Es liege im Interesse der Agentur, so der Anwalt, die "Exklusivität der Nachrichten gegenüber ihren Kunden" zu wahren, und nicht in erster Linie um das Eintreiben von Schadenersatzforderungen. Man habe sich bei den Betroffen für die eingetretenen Umstände entschuldigt und werde sich "gegebenenfalls in Holland schadlos halten". Einige der abgemahnten Blogger überlegen nun, entstandene Kosten für anwaltliche Hilfe einzuklagen.

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