Streit mit Bloggern: Agentur zieht Abmahnungen zurück

Alles nur ein Missverständnis? Knapp 3000 Euro für die Nutzung eines Bildes forderte eine Bildagentur aus Berlin von Bloggern. Die schlugen Alarm, der Künstler selbst schaltete sich ein. Dann entdeckte die Firma einen Fehler.

Lego-Steine (Symbolbild): Aufregung um abgemahnte Blogger Zur Großansicht
DPA

Lego-Steine (Symbolbild): Aufregung um abgemahnte Blogger

Die Bildagentur, die Blogger wegen der Nutzung eines Bildes des Lego-Künstlers Nathan Sawaya abgemahnt hatte, macht einen Rückzieher. Mehrere Blogger hatten sich von der Website eines amerikanischen Künstlers bedient, der aus Lego Skulpturen steckt. Ein Bild zeigt Nathan Sawaya, wie er seinem Ebenbild in Lego gegenübersteht. Drei Jahre ist das her.

Dann mahnte eine Kanzlei unter anderem das Blog "We Like That" ab. Ende September schrieb eine Kanzlei aus Hannover, knapp 3000 Euro sollten für die unerlaubte Nutzung des Bildes fällig werden. Die Blogger waren entsetzt, mussten aber eingestehen, das fragliche Foto ohne Genehmigung genutzt zu haben, in dem Glauben, der Künstler fände das schon in Ordnung. Über diese und weitere Abmahnungen in dem Fall berichteten sie ausführlich.

Die Kanzlei versicherte damals ausdrücklich, über die Bildrechte zu verfügen. Selbst dann noch, als der Künstler selbst sich in die Diskussion einschaltete und erklärte, die Rechte würden allein bei ihm liegen, mit den Blog-Veröffentlichungen sei er einverstanden. Dann die Kehrtwende: "Alle Abmahnungen, die den Künstler Sawaya betrafen, wurden mittlerweile zurückgenommen", teilt die Kanzlei auf Anfrage mit.

So soll es zu den Abmahnungen gekommen sein: Eine niederländische Firma, von der die Berliner Bildagentur die Bildrechte erworben hatte, soll demnach zwar die Rechte von dem Unternehmen des US-Künstlers erhalten haben - aber nur zeitlich befristet. Dies habe die niederländische Firma der Berliner HGM Press beim Weiterverkauf nicht mitgeteilt.

Es liege im Interesse der Agentur, so der Anwalt, die "Exklusivität der Nachrichten gegenüber ihren Kunden" zu wahren, und nicht in erster Linie um das Eintreiben von Schadenersatzforderungen. Man habe sich bei den Betroffen für die eingetretenen Umstände entschuldigt und werde sich "gegebenenfalls in Holland schadlos halten". Einige der abgemahnten Blogger überlegen nun, entstandene Kosten für anwaltliche Hilfe einzuklagen.

ore

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insgesamt 7 Beiträge
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1.
wrzlbrnft 17.10.2012
Kann man diese "obskure RA-Kanzlei nicht wegen betrug oder versuchter Erpressung verklagen. Da sollte sich einmal die RA-Kammer einschalten!
2. FranKee (Pirat)
spon-facebook-551307646 17.10.2012
Dieses absurde, paralegale, spezifisch deutsche Abmahnerpressungswesen, fern jeder ordentlichen gerichtlichen Kontrolle wurde übrigens unter ROT-GRÜN entscheidend aufgebaut ( Frau "Abmahn-Zypries", SPD), und (natürlich) von den derzeit herrschenden Anwaltsparteien #1 #2 munter weitergepflegt... Ist einfach zuviel lecker Kohle für die eigene Klientel. Dort müsste man also mal nachfragen... ob sich die Herrschaften eigentlich noch wählbar finden. Die Dunkelziffern (gibt ja keine Meldepflicht) variieren zwischen 200.000 und 800.000 Abmahnerpressungen pro Jahr. Offiziell scheint man selbst bei der SPD immer noch zu meinen, es "habe sich bewährt" und bräuchte allenfalls "Korrekturen" bei diesen total seltenem Mißbrauch...
3. In einem Rechtsstaat wäre sowas nicht möglich...
tronx 17.10.2012
...in diesem sehr wohl! Ach shit.... ich verwechsele Recht immer mit Moral und Anstand...sorry
4. Unfug
discotieren 17.10.2012
Zitat von spon-facebook-551307646Dieses absurde, paralegale, spezifisch deutsche Abmahnerpressungswesen, fern jeder ordentlichen gerichtlichen Kontrolle wurde übrigens unter ROT-GRÜN entscheidend aufgebaut ( Frau "Abmahn-Zypries", SPD), und (natürlich) von den derzeit herrschenden Anwaltsparteien #1 #2 munter weitergepflegt...
Genau diese Rechtslage gibt es seit ca. 100 Jahren, bestätigt durch den Bundesgerichtshof in den 60er Jahren. Das hat nun gar nichts mit der SPD zu tun ... Es gibt dieselbe Lage auch in anderen Ländern (Italien beispielsweise). Und wenn Sie einmal Opfer eines rechtswidrigen Verhaltens gewesen wären, würden Sie hier nicht so herumtönen. Dann nämlich wären sie froh, dass nicht Sie, sondern der, der auf Ihren Rechten herumtrampelt, die Kosten des Anwalts zu zahlen hat. Versuchen Sie es gern zunächst ohne Anwalt. In der Regel erklärt Ihnen die bloggende Gegenseite, dass Sie sich ihre Bildrechte in den Arsch stecken können, legt auf und löscht das Bild. Nach dem zehnten Anruf bei einem Blogger dieser Sorte, finden Sie das nicht mehr spaßig. Und sie verstehen plötzlich ... Wieviel Mühe es einen Anwalt kostet, den Beweis zu sichern und sämtliche Formalitäten einzuhalten: Das können Sie nicht einschätzen, das wissen Sie schlicht auch nicht.
5.
Join_Me 17.10.2012
Zitat von discotierenWieviel Mühe es einen Anwalt kostet, den Beweis zu sichern und sämtliche Formalitäten einzuhalten: Das können Sie nicht einschätzen, das wissen Sie schlicht auch nicht.
Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass es nicht sehr schwer ist einen Massenbrief aufzusetzen, auszudrucken und zu verschicken. Nur habe ich keine Abmahnungen geschrieben sondern Einladungen für ein Event. Ich bestreite nicht, dass es auch berechtigte Abmahnungen gibt, aber es sind wahrscheinlich nur ein Bruchteil aller versandten Abmahnungen.
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