Bundesnachrichtendienst: 300 Millionen für Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken

Neue BND-Zentrale in Berlin: Frühwarnsystem geplant Zur Großansicht
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Neue BND-Zentrale in Berlin: Frühwarnsystem geplant

Der Bundesnachrichtendienst will rund 300 Millionen Euro in ein Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken investieren. BND-Präsident Schindler hatte die Pläne kürzlich auf einer Veranstaltung umrissen.

Der Bundesnachrichtendienst (BND) arbeitet an einem Frühwarnsystem gegen Cyber-Attacken über das Internet. Bis zum Jahr 2020 sind dafür rund 300 Millionen Euro veranschlagt. Das haben Sicherheitskreise der Nachrichtenagentur dpa bestätigt. Geplant ist nach dpa-Informationen der Aufbau eines Informationsringes mit internationalen Partnerdiensten des deutschen Auslandsnachrichtendienstes. So sollen Spionageangriffe über das Internet erkannt werden, bevor sie die Infrastruktur in Deutschland erreichen. Abwehrmechanismen könnten so rechtzeitig in Kraft gesetzt werden.

BND-Präsident Gerhard Schindler hatte die Cyber-Strategie am 8. Mai während einer Veranstaltung des Bundesamts für Verfassungsschutz umrissen. Dabei hatte er sich vor allem auf die Abwehr von Wirtschaftsspionage bezogen. Bei den BND-Plänen geht es aber nicht nur um die Abwehr von Wirtschaftsspionage, sondern auch um Rezepte gegen Cyber-Attacken auf kritische Infrastruktur wie etwa die Elektrizitäts- oder Wasserversorgung.

Die Abwehr von Cyberangriffen im Rahmen der technischen Aufklärung des BND in weltweiten Datenströmen wird unter dem Begriff SSCD geführt. Das Kürzel steht für "Sigint Support to Cyber Defense", was sich übersetzen lässt als technische Fernmeldeaufklärung zur Abwehr von Cyber-Bedrohungen.

Glasfaserkabel nach Schadsoftware durchsuchen

Für den BND sind unter anderem Glasfaserkabel im Ausland interessant, deren Datenströme sich nach Schadsoftware durchsuchen lassen. Das Besondere an der Strategie: Durch enge Zusammenarbeit vor allem mit europäischen Geheimdiensten, aber auch mit US-Partnern soll Schadsoftware erkannt werden, bevor sie Computer in Deutschland angegreift. Entscheidende Voraussetzung für den Erfolg dieser Strategie ist laut Schindler, dass man eine große Datenbasis hat - zu möglichen Angreifern, zu Angriffswegen, zu technischen Details.

Um das SSCD-System erfolgreich umsetzen zu können, will der BND seine Technik optimieren. "Nur mit modernster Hardware können wir den rasanten Entwicklungen im Cyber-Raum folgen", sagte Schindler bei der Veranstaltung. Und: "Konnten wir bislang nur auf Angriffe reagieren, die bereits stattgefunden haben, haben wir mit SSCD neben der Möglichkeit, Angriffe überhaupt zu erkennen, erstmals die Möglichkeit, proaktiv und vorbeugend tätig zu werden."

mbö/dpa

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1. Da bleibt mir der Samstagsbraten im Halse stecken
funxxsta 17.05.2014
Der BND, der seit 1999 das NSA Spionageprogramm "Thin Threat" und seit Anfang des Milleniums mit der NSA und GCHQ durch das XKeyScore Programm illegal Daten der Bundesb[rger abschöpft möchte sich mit ebendiesen Geheimdiensten der Abwehr von Cyberattacken widmen, indem Glasfaserkabel umfassend gescannt werden. Abseits der Absurdität dieses Vorhabens frage ich mich ernsthaft ob wir die Ressortchefs von geheimdiensten, Ministerien und Kanzleramt zwangsweise auf ihren Geisteszustand untersuchen lassen sollten. Der BND ist seit Jahrzehnten in Verfassungsbruch, illegales Abhören und Datendiebstahl zu Lasten der Bundesbürger und der Bundesrepublik, in Verletzung der Menschenrechte und des Völkerrechts involviert und die Politik möchte uns nun vermitteln, das man die gegen uns eingesetzten Spionagprogramme nun gegen Kleinkriminelle zu unserem Schutz einzusetzen gedenkt. Weil, Kleinkriminelle sind diejenigen die man hier zu bekämpfen gedenkt, im Gegensatz zu unseren Politikern und Geheimdienstleitern. Das der BND offenbar nicht in der lage ist uns gegen CyberSpionage aus z.B. China und den GUS zu schützen, während dieser Verein UNS mit dem GCHQ und der NSA aispioniert ist die eine Sache. Mich aber dermassen für dumm verkaufen zu wollen, setzt dem Ganzen noch die Krone auf. Ich prognostiziere, das wir in spät. 10 Jahren die derzeit tätigen Geheimdienstchefs, Minister und Kanzlerin in einem Aufsehenerregenden Prozeß vor Gericht sehen werden. Und das ist...spät doch gerechtfertigt. Grundrechte und Menschenrechte sind keine politische Verhandlungsmasse!
2. interessant
hermann_huber 17.05.2014
hört sich das ja an. Zumindest die aufgenommen Daten sind sicher interessant. Cyberdefense macht übrigens FireEyear bereits heute marktreif besser. Wäral was furs Kanzleramt wo die chinesischen Trojaner öfter mal sind.. Sorry habe vergessen das dieser ganze neumodische Quatsch hier in Deutschland unwichtig und "Neuland" ist.
3. Gutes Ansinnen, ...
gamh 17.05.2014
... würde es nicht gerade von den Geheimdiensten kommen, denen wir leider misstrauen müssen. Bei allem, was bisher über die Schnüffelattacken von NSA, GCHQ & Co. bekannt wurde, stecken unsere Geheimdienste mehr oder weniger dicke mit drin. Würde für dieses Vorhaben eine neue, von Geheimdiensten unabhängig und transparent arbeitende Behörde geschaffen, wäre wohl gegen diese Investition kaum etwas einzuwenden. So aber müssen wir befürchten, dass dieses Vermögen des Volkes dazu dient, dieses weiter zu knechten und entrechten. Pfui, Daumen runter!!! Gruss, gamh
4. Unabhängig
tannenzapfen 20.05.2014
Könnte man nicht empfindliche Infrastruktur vom Internet abkapseln? Ggf ein eigenes Netzwerk aufbauen ohne Verbindung zum www Sensibelste Daten würde ich ebenfalls auf Rechnern ohne Zugang speichern.
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