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Gesetz "Marco Civil": Brasiliens Parlament stimmt für Internetverfassung

Präsidentin Rousseff: Ihre Unterschrift fehlt noch Zur Großansicht
REUTERS

Präsidentin Rousseff: Ihre Unterschrift fehlt noch

Kurz vor dem Start der Netzkonferenz Netmundial hat das brasilianische Parlament ein neues Gesetz beschlossen: Es soll dabei helfen, Internetnutzer vor Spionage zu schützen und gilt als eine Art Grundrechtekatalog fürs Netz.

Das brasilianische Parlament hat am Dienstag endgültig ein neues Gesetz beschlossen, in dem es um Sicherheit und Bürgerrechte im Internet geht. Nachdem das Abgeordnetenhaus bereits Ende März für die Vorlage gestimmt hatte, ist diese nun auch vom Senat angenommen worden. Das unter dem Namen "Marco Civil da Internet" bekannte Gesetz soll gewährleisten, dass die Daten von Internetnutzern vor Spionage und Missbrauch geschützt werden.

Die brasilianische Regierung hatte sich nach dem Spähskandal um den US-Geheimdienst NSA zur Ausarbeitung des Gesetzes entschlossen, das als eine Art Grundrechtekatalog fürs Netz gilt. Seit 2009 waren Ideen für das Vorhaben gesammelt worden, auch mit Bürgerbeteiligung. Zu den Unterstützern des Gesetzes zählt unter anderem Tim Berners-Lee, der Erfinder des World Wide Web.

Durch die Unterlagen von Edward Snowden war vergangenes Jahr bekannt geworden, dass Brasilien ein beliebtes Spionageziel der NSA ist. So wurde Präsidentin Dilma Rousseff genau wie Bundeskanzlerin Angela Merkel vom US-Geheimdienst belauscht. Die Spähaktion gegen Rousseff hatte die Beziehungen zwischen Brasilien und den USA schwer belastet. Im September zum Beispiel hatte Rousseff ein Treffen mit US-Präsident Obama auf unbestimmte Zeit verschoben.

Damit das neue Gesetz in Kraft tritt, muss es nun noch von Rousseff unterzeichnet werden, was schon am Mittwoch (23. April) geschehen könnte. Die Annahme im Senat erfolgte einen Tag vor Eröffnung der internationalen Internetkonferenz Netmundial in São Paulo. Zu der von Rousseff initiierten Veranstaltung werden am Mittwoch und Donnerstag Vertreter von 87 Ländern erwartet.

mbö/AFP

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insgesamt 5 Beiträge
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1. Da wird die NSA aber schwer beeindruckt sein
mcvitus 23.04.2014
und ihre ohnehin illegalen Aktionen sofort einstellen. Aber immerhin, in der EU ist selbst eine derartige Willensbekundung nicht möglich. Stattdessen Parteiengezänk.
2. Fortschritt
jagenauundso 23.04.2014
Brasilien scheint in vielerlei Hinsicht weiter zu sein, als die Bananenrepublik Deutschland. Arme Menschen begehren auf und lassen nicht alles mit sich machen, die Regierung nimmt das Schutzbedürfnis im WWW ernst. Vermutlich ist sogar die Korruption in Brasilien weniger ausgeprägt als hier. Und Deutschland? Da wird brav wieder das Merkel gewählt, weil das so toll mit den Händen eine Raute bilden kann. Da ist es nicht so wichtig, dass es die eigenen Bürger verrät und verkauft und das auch jeder wissen kann, der sich nicht von Fußball, Dschungelcamp, Bauer sucht Frau und ähnlichem Bildungsferbsehen einlullen lässt.
3. weltweit
ricson 23.04.2014
Das Internet ist eine weltweite Angelegenheit, nationale Alleingänge sind da eigentlich immer wirkungslos. Aber das sich die ganze Welt mal auf eine gemeinsame Internet Charta einigt ist wohl etwas illusorisch. Die Interessen sind viel zu verschieden, und schon bei weit profaneren Dingen kann man sich nicht einigen.
4.
stratos66 23.04.2014
Werden hier Beiträge zensiert??? Dann muss ich wohl ein anderes Medium suchen!
5. Das ändert nichts!
Thyphon 23.04.2014
Zitat von sysopREUTERSKurz vor dem Start der Netzkonferenz Netmundial hat das brasilianische Parlament ein neues Gesetz beschlossen: Es soll dabei helfen, Internetnutzer vor Spionage zu schützen und gilt als eine Art Grundrechtekatalog fürs Netz. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/brasilien-parlament-beschliesst-marco-civil-fuer-internet-sicherheit-a-965688.html
Der US-Regierung sind die Rechte von Ausländern und die Souveränität anderer Staaten gleichgültig. Das haben sie inzwischen zur Genüge bewiesen. Es wird immer von Freunden und Verbündeten gesprochen. Aber tatsächlich scheint es für die US-Regierung nur Feinde und Vasallen zu geben, die sich im Zweifelsfall beide den eigenen Bedürfnissen unterzuordnen haben. Deshalb haben sich die USA bis heute bei niemandem für ihr Fehlverhalten entschuldigt und deshalb wird sich an der gängigen Praxis nichts ändern.
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Schad- und Spähsoftware
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Trojaner
Wie das Trojanische Pferd in der griechischen Mythologie verbergen Computer-Trojaner ihre eigentliche Aufgabe (und Schädlichkeit!) hinter einer Verkleidung. Meist treten sie als harmlose Software auf: Bildschirmschoner, Videodatei, Zugangsprogramm. Sie werden zum Beispiel als E-Mail-Anhang verbreitet. Wer das Programm startet, setzt damit immer eine verborgene Schadfunktion ein: Meist besteht diese aus der Öffnung einer sogenannten Backdoor , einer Hintertür, die das Computersystem gegenüber dem Internet öffnet und durch die weitere Schadprogramme nachgeladen werden.
Virus
Computerviren befallen vorhandene Dateien auf den Computern ihrer Opfer. Die Wirtsdateien funktionieren – zumindest eine Zeit lang - weiterhin wie zuvor. Denn Viren sollen nicht entdeckt werden. Sie verbreiten sich nicht selbständig, sondern sind darauf angewiesen, dass Computernutzer infizierte Dateien weitergeben, sie per E-Mail verschicken, auf USB-Sticks kopieren oder in Tauschbörsen einstellen. Von den anderen Schad- und Spähprogrammen unterscheidet sich ein Virus allein durch die Verbreitungsmethode. Welche Schäden er anrichtet, hängt allein vom Willen seiner Schöpfer ab.
Rootkit
Das kleine Kompositum führt die Worte "Wurzel" und "Bausatz" zusammen: "Root" ist bei Unix-Systemen der Benutzer mit den Administratorenrechten, der auch in die Tiefen des Systems eingreifen darf. Ein "Kit" ist eine Zusammenstellung von Werkzeugen. Ein Rootkit ist folglich ein Satz von Programmen, die mit vollem Zugriff auf das System eines Computers ausgestattet sind. Das ermöglicht dem Rootkit weitgehende Manipulationen, ohne dass diese beispielsweise von Virenscannern noch wahrgenommen werden können. Entweder das Rootkit enthält Software, die beispielsweise Sicherheitsscanner deaktiviert, oder es baut eine sogenannte Shell auf, die als eine Art Mini-Betriebssystem im Betriebssystem alle verdächtigen Vorgänge vor dem Rechner verbirgt. Das Gros der im Umlauf befindlichen Rootkits wird genutzt, um Trojaner , Viren und andere zusätzliche Schadsoftware über das Internet nachzuladen. Rootkits gehören zu den am schwersten aufspürbaren Kompromittierungen eines Rechners.
Wurm
Computerwürmer sind in der Praxis die getunte, tiefergelegte Variante der Viren und Trojaner. Im strengen Sinn wird mit dem Begriff nur ein Programm beschrieben, das für seine eigene Verbreitung sorgt - und der Programme, die es transportiert. Würmer enthalten als Kern ein Schadprogramm , das beispielsweise durch Initiierung eines eigenen E-Mail-Programms für die Weiterverbreitung von einem befallenen Rechner aus sorgt. Ihr Hauptverbreitungsweg sind folglich die kommunikativen Wege des Webs: E-Mails, Chats, AIMs , P2P-Börsen und andere. In der Praxis werden sie oft als Vehikel für die Verbreitung verschiedener anderer Schadprogramme genutzt.
Drive-by
Unter einem Drive-by versteht man die Beeinflussung eines Rechners oder sogar die Infizierung des PC durch den bloßen Besuch einer verseuchten Web-Seite. Die Methode liegt seit einigen Jahren sehr im Trend: Unter Ausnutzung aktueller Sicherheitslücken in Browsern und unter Einsatz von Scripten nimmt ein auf einer Web-Seite hinterlegter Schadcode Einfluss auf einen Rechner. So werden zum Beispiel Viren verbreitet, Schnüffelprogramme installiert, Browseranfragen zu Web-Seiten umgelenkt, die dafür bezahlen und anderes. Drive-bys sind besonders perfide, weil sie vom PC-Nutzer keine Aktivität (wie das Öffnen einer E-Mail) verlangen, sondern nur Unvorsichtigkeit. Opfer sind zumeist Nutzer, die ihre Software nicht durch regelmäßige Updates aktuell halten - also potenziell so gut wie jeder.
Botnetz
Botnets sind Netzwerke gekidnappter Rechner - den Bots. Mit Hilfe von Trojaner-Programmen, die sie beispielsweise durch manipulierte Web-Seiten oder fingierte E-Mails auf die Rechner einschleusen, erlangen die Botnet-Betreiber Zugriff auf die fremden PC und können sie via Web steuern. Solche Botnets zu vermieten, kann ein einträgliches Geschäft sein. Die Zombiearmeen werden unter anderem genutzt, um millionenfache Spam-Mails zu versenden, durch eine Vielzahl gleichzeitiger Anfragen Web-Seiten in die Knie zu zwingen oder in großem Stile Passwörter abzugrasen. (mehr bei SPIEGEL ONLINE)
Fakeware, Ransomware
Das Wort setzt sich aus "Fake", also "Fälschung", und "Ware", der Kurzform für Software zusammen: Es geht also um "falsche Software" . Gemeint sind Programme, die vorgeben, eine bestimmte Leistung zu erbringen, in Wahrheit aber etwas ganz anderes tun. Häufigste Form: angebliche IT-Sicherheitsprogramme oder Virenscanner. In ihrer harmlosesten Variante sind sie nutzlos, aber nervig: Sie warnen ständig vor irgendwelchen nicht existenten Viren und versuchen, den PC-Nutzer zu einem Kauf zu bewegen. Als Adware-Programme belästigen sie den Nutzer mit Werbung.

Die perfideste Form aber ist Ransomware : Sie kidnappt den Rechner regelrecht, macht ihn zur Geisel. Sie behindert oder verhindert das normale Arbeiten, lädt Viren aus dem Netz und stellt Forderungen auf eine "Reinigungsgebühr" oder Freigabegebühr, die nichts anderes ist als ein Lösegeld: Erst, wenn man zahlt, kann man mit dem Rechner wieder arbeiten. War 2006/2007 häufig, ist seitdem aber zurückgegangen.
Zero-Day-Exploits
Ein Zero-Day-Exploit nutzt eine Software-Sicherheitslücke bereits an dem Tag aus, an dem das Risiko überhaupt bemerkt wird. Normalerweise liefern sich Hersteller von Schutzsoftware und die Autoren von Schadprogrammen ein Kopf-an-Kopf-Rennen beim Stopfen, Abdichten und Ausnutzen bekanntgewordener Lücken.
Risiko Nummer eins: Nutzer
Das größte Sicherheitsrisiko in der Welt der Computer sitzt vor dem Rechner. Nicht nur mangelnde Disziplin bei nötigen Software-Updates machen den Nutzer gefährlich: Er hat auch eine große Vorliebe für kostenlose Musik aus obskuren Quellen, lustige Datei-Anhänge in E-Mails und eine große Kommunikationsfreude im ach so informellen Plauderraum des Webs. Die meisten Schäden in der IT dürften von Nutzer-Fingern auf Maustasten verursacht werden.
DDoS-Attacken
Sogenannte distribuierte Denial-of-Service-Attacken (DDoS) sind Angriffe, bei denen einzelne Server oder Netzwerke mit einer Flut von Anfragen anderer Rechner so lange überlastet werden, bis sie nicht mehr erreichbar sind. Üblicherweise werden für solche verteilten Attacken heutzutage sogenannte Botnetze verwendet, zusammengeschaltete Rechner, oft Tausende oder gar Zehntausende, die von einem Hacker oder einer Organisation ferngesteuert werden.


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