Brief an Obama Cisco-Chef beklagt sich über NSA-Maßnahmen

Ein Paket von Cisco an einen Kunden wird vom Geheimdienst abgefangen und geöffnet - das zeigt ein Foto aus dem Snowden-Fundus, das derzeit im Netz die Runde macht. Jetzt hat der Chef von Cisco reagiert und dem Präsidenten geschrieben.

Cisco-Chef John Chambers: Die Firma fürchtet um ihre Geschäft
REUTERS

Cisco-Chef John Chambers: Die Firma fürchtet um ihre Geschäft


New York - Der Chef von Cisco, John Chambers, fordert den amerikanischen Präsidenten Barack Obama mit einem Brief auf, die Überwachung durch die Regierung einzuschränken. Cisco ist spezialisiert auf Netzwerktechnik und in den vergangenen Tagen erneut in die Diskussion geraten, weil die NSA offenbar auch Cisco-Hardware manipuliert und sich für ihre Spähaktivitäten zunutze macht.

In dem Brief vom 15. Mai warnt Chambers vor einer Aushöhlung des Vertrauens in die amerikanische Technologiebranche und forderte neue Standards, wie die NSA ihre Überwachung betreiben darf. "Wir können so einfach nicht arbeiten, unsere Kunden vertrauen darauf, dass wir ihnen Produkte bis an die Haustür liefern, die den höchsten Sicherheits- und Integritätsstandards genügen", schreibt Chambers in seinem Brief.

Das Schreiben, das "Re/code" dokumentiert, ist eine direkte Reaktion auf Enthüllungen aus dem neuen Buch von Glenn Greenwald. Mit dabei sind zwei Fotos aus dem Snowden-Archiv, die zum Beispiel das Techblog "Ars Technica" hier veröffentlicht hat. Auf dem einen ist zu sehen, wie vermutlich NSA-Mitarbeiter vorsichtig ein Postpaket öffnen, bevor es seinen Empfänger erreicht. Auf den Seitenwänden des Pakets ist das Firmenlogo von Cisco zu sehen. Ein anderes zeigt offenbar, wie ein Router von Cisco ein sogenanntes Implantat eingebaut bekommt.

Schon frühere Veröffentlichungen von SPIEGEL und SPIEGEL ONLINE über den geheimen "Werkzeugkasten" der NSA legten nahe, dass der Geheimdienst Hintertüren in Produkte namhafter Hersteller - dazu gehört auch Cisco - einbaut und auch Postpakete an sogenannte Zielpersonen mit beispielsweise im Internet bestellter Hardware abfängt. Bevor die Sendungen den Empfänger erreichen, werden die Geräte oder Kabel darin manipuliert.

Cisco-Chef Chambers schreibt dazu an Obama: "Sollten diese Anschuldigungen wahr sein, untergraben diese Maßnahmen das Vertrauen in unsere Branche." Solche Aktionen machten es den Technologiefirmen schwerer, ihre Produkte weltweit zu verkaufen und auszuliefern. In Brasilien und Russland hat Cisco mit Umsatzrückgängen zu kämpfen.

In einem Eintrag im hauseigenen Blog schrieb der Ciscos Chefjurist Mark Chandler schon einige Tage zuvor, die Firma müsse sich auf die Regierung verlassen können, dass sie nicht in die Auslieferung der Produkte eingreift und die Produkte auch so beim Kunden ankommen, wie Cisco sie hergestellt hat.

juh/Reuters



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hobbyleser 19.05.2014
1. Schlimmer als die STASI
Dieser Verein mit all seinen Teamkollegen CIA und Konsorten ist schlimmer als die Stasi je war. Die Ausspähung der eigenen Bürger ohne rechtliche Grundlage, die Festsetzung in Geheimgefängnissen, die Liste der Todesopfer dürfte mittlerweile unsäglich lang sein.
discprojekt 19.05.2014
2. Der grosse Dampfer
USA, mit dem derzeitigen Kapitaen, treibt noch eine Weile auf eingeschlagenem Kurs, Richtung Eisberge. Und die Reeder (Republikaner) schreien immer noch: schneller, weiter, hoeher...
Auto_Maat 19.05.2014
3. Die Lösung ist für die US-Technologieunternehmen ist einfach.
Ab sofort Produktion und Distribution für die Auslandsmärkte nach Europa verlagern. Das würde bei der eigenen Regierung ausreichend Schmerz und Handlungsbedarf generieren.
prisma-4d 19.05.2014
4. ...nur so wird ein Schuh draus...
...wenn sich die Kunden zurückhalten oder sogar auf Produkte anderer Herstellernationen ausweichen. Möglicherweise sehen die "Terrorabwehrer" dann, dass sie den Rest der Welt mit der Verletzung der Privatsphäre terrorisieren. Aber für dies Einsicht braucht es noch ein paar Firmenpleiten. Cisco ist ein "guter" Kanditat!
heiniresse 19.05.2014
5. Vertrauen total erschüttert
Ich lese gerade das neue Buch von Greenwald über Snowden und mir läuft es kalt den Rücken herunter. Dieser Obama, der in Europa und besonders in Deutschland als Heilsbringer gefeiert wurde, scheint aus keinem besseren Holz geschnitzt zu sein als sein Vorgänger Bush. Jedenfalls scheint er innerhalb der amerikanischen Mannschaft, die Entscheidungen zu Überwachungsmaßnahmen trifft, nicht viel zu sagen zu haben, wenn man seine großsprecherischen Ansagen zur größeren Beachtung von Menschenrechten, zur Rücksichtnahme auf die Privatsphäre etc ernst nehmen sollte. ich persönlich nehme mittlerweile von diesem Mann nichts mehr ernst im Sinne von ehrlich, wenn ich ihn auch sehr ernst nehme im Sinne von Unehrlichkeit, Showbusiness, Cleverness, Schein, Betrug, oversmart. Wenn man sich dann noch klar macht, daß in den USA ein geheimes Spezialgericht existiert, welches im Sinne von mehr oder weniger schlicht durchgewunkenen Entscheidungen nahezu 100% von Anfragen der NSA, ob bestimmte Überwachungsmaßnahmen den gesetzlichen Bestimmungen entsprechen oder nicht, im Sinne der NSA-Anträge entscheidet und wenn damit dann ein angeblich durch die Dritte Gewalt ernsthaft geprüfter und abgesegneter legitimer Zustand suggeriert wird, paßt das genau ins Bild. In Wirklichkeit wird hier ein demokratischen und legalen Anforderungen entsprechendes Bild vorgegaukelt, um sicherzustellen, daß der Sammelwahn der Krake NSA erfüllt werden kann. Es ist gut, wenn Ereignisse wie bei dem Cisco-Paket öffentlich werden. So etwas macht deutlich, wie rücksichtlos, illegal, heimtückisch hier operiert wird. Und es macht deutlich, was von dem Friedensengel und Gutmenschen Obama wirklich zu halten ist. Es wäre wünschenswert, wenn die Menschen nicht nur in den USA sondern auf der ganzen Welt dagegen auf die Barrikaden würden. George Orwell`s 1984 ist gegen Bush und Obama eine Kindergartenveranstaltung. Ich fürchte nur, daß nicht viel passieren wird, weil der Einzelne, der von konkreten Überwachungsmaßnahmen nicht betroffen ist oder jedenfalls nichts davon bemerkt, auch so etwas Ungeheuerliches wie das Cisco-Ereignis schnell wieder ad acta legen wird.
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