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Buch-Scanprojekt: Kanzlerin Merkel kritisiert Google

Der Streit um die Digitalisierung von Büchern durch Google nimmt zu. Bundeskanzlerin Angela Merkel kritisierte den Suchmaschinengiganten dafür, dass er Bücher einscanne, ohne die Autoren zu fragen. Das Urheberrecht müsse auch im Internet seinen Platz finden.

Kanzlerin Merkel: "Geistiges Eigentum schützen" Zur Großansicht
dpa

Kanzlerin Merkel: "Geistiges Eigentum schützen"

Berlin - "Wir müssen international darüber diskutieren, wie wir geistiges Eigentum schützen können und trotzdem die neuen technischen Möglichkeiten nutzen", sagte Merkel in ihrem auf ihrer Internetseite veröffentlichten Video-Podcast. Die Bundesregierung werde viel Wert darauf legen, ihre urheberrechtlichen Positionen deutlich zu machen und damit den deutschen Autoren auch einen Schutz zu gewähren.

"Für die Bundesregierung ist klar: Das Urheberrecht muss auch im Internet seinen Platz finden", erklärte Merkel wenige Tage vor Eröffnung der Frankfurter Buchmesse. "Deshalb lehnen wir es ab, dass ohne jeden urheberrechtlichen Schutz die Bücher einfach eingescannt werden, wie dies von Google gemacht wird."

Google hat seit 2004 rund sieben Millionen Bücher eingescannt. Darunter sind auch urheberrechtlich geschützte Werke, davon nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels etwa 100.000 deutschsprachige Titel. Google strebt mit den Inhabern von Urheberrechten, zum Beispiel Verlagen, einen Vergleich an, das sogenannte Google Book Settlement. 2005 verklagten US-Autoren- und Verlegerverbände das Unternehmen wegen Verletzungen der Urheberrechte.

Eine Reihe von Verlagen und Autoren, nach Google-Angaben inzwischen mehr als 20.000 weltweit, haben sich in diesem Zusammenhang dem Google-Partnerprogramm angeschlossen. Sie gaben dem Unternehmen die Erlaubnis, ihre Bücher teilweise einzuscannen und Internetnutzern zur Verfügung zu stellen.

Google sieht kein Problem

Mitte September hatten sich die EU-Kommissare Viviane Reding und Charlie McCreevy dafür ausgesprochen, bei der umstrittenen Digitalisierung von Büchern die US-Regeln zum Vorbild zu nehmen. Konkret geht es um die Schaffung eines EU-weiten Registers, das Informationen über Rechteinhaber sammelt und Einnahmen für digitalisierte Bücher verteilt.

Google betont immer wieder, dass durch sein Projekt den Verlagen kein Schaden entsteht. Es gehe um Millionen nicht mehr lieferbare Bücher, die wieder verfügbar gemacht würden. Zudem wolle der Suchmaschinenbetreiber nichts anderes als alle auf der Welt vorhandenen Informationen erfassen, um sie durchsuchen zu können.

Mitglied des Google-Partnerprogramms ist jetzt auch die Verlagsgruppe Lübbe, wie deren Geschäftsführer Thomas Schierack der "Wirtschaftswoche" zufolge sagte. "Wir nehmen an dem Partnerprogramm teil, weil wir uns so neue Leserkreise erschließen wollen", wird Schierack zitiert. Man solle Google nicht zu sehr ideologisieren. "Ich sehe langfristig die Chance für Verlage, zusätzlichen Umsatz zu schaffen", sagte der Lübbe-Geschäftsführer. "Wir wären nicht gut beraten, es nicht zu versuchen."

hda/ddp/AP

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