Entwicklerkonferenz Build Jetzt muss Microsoft liefern

Ein neues Windows 10? Die Verkaufsversion der Datenbrille Hololens? In San Francisco will Microsoft seine Pläne für 2016 vorstellen. Der Konzern muss sich neu aufstellen, um wieder zu begeistern.

Aus San Francisco berichtet

Microsofts Hololens
AFP

Microsofts Hololens


Die Zeiten, zu denen Microsoft als hip galt, sind lange vorbei. Das weiß auch Konzernchef Satya Nadella. Er sagte im Januar zu Analysten, das Wachstum und die Lebendigkeit von Windows hänge davon ab, "ob wir in der Lage sind, Personal Computer und den Umgang mit ihnen neu zu erfinden". Aber dieser Herausforderung stelle man sich. Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz Build, die am Mittwochabend deutscher Zeit startet, muss Microsoft zeigen, wie genau der Konzern sich das vorstellt.

Die Grundsteine dafür haben Nadella und Microsoft in den vergangenen Jahren gelegt: Nach der wenig beachteten Version 8 bekommt Windows 10 von Anwendern und Experten gute Kritiken. Das neue System, mit dem Microsoft die Updates für sein Betriebssystem kontinuierlich veröffentlicht, statt wie bisher in großen Paketen, kommt gut an.

Darüber hinaus hat sich das Unternehmen mit seinen Produkten einen guten Ruf gemacht. Die Surface-Tablets gelten als robuste, hochwertige Arbeitsgeräte, das erste von Microsoft selbst vermarktete Notebook, das Surface Book, bekam hervorragende Kritiken. Und schließlich überraschte der Konzern auf der Build 2015 auch noch mit der Hololens. Das ist eine Datenbrille, die computergenerierte Bilder über die reale Umgebung projiziert. Sie erzeugt eine sogenannte Augmented Reality, eine Scheinrealität, die sich wie eine zweite Schicht über die Umgebung legt.

Als cool gilt Microsoft trotzdem nicht.

Neue Hololens-Technik

Microsoft will das ändern, muss es auch, um relevant zu bleiben. Deshalb wird die Hololens-Brille, deren Vorstellung 2015 für Furore sorgte, am Mittwochabend auf der diesjährigen Build-Konferenz wieder eine große Rolle spielen.

Vielleicht wird dieses Mal die Holoportationstechnik gezeigt, die Microsoft vor wenigen Tagen per YouTube-Video demonstriert hat. Sie soll es Trägern einer Hololens ermöglichen, sich mit dem virtuellen Hologramm einer anderen Person zu treffen. Etwa so wie man es aus Science-Fiction-Filmen wie Star Wars kennt, wenn sich weit entfernte Personen als krisselige 3D-Figur in den Raum projizieren. Ausgereift scheint die Technik aber nicht zu sein, selbst im Demovideo sind viele Bildfehler zu erkennen. Zudem ist ein solcher virtueller Besuch technisch aufwendig, erfordert neben der Hololens sechs im Raum verteilte Kameras.

Deshalb gilt für Microsoft bei der Hololens: Der Konzern muss liefern. Aus dem Prototyp von 2015 muss ein marktfähiges Produkt werden. Zumindest einen Zeitplan, bis wann die Brille in den Läden stehen kann, sollte Microsoft ankündigen. Derzeit können sich lediglich Entwickler für den Kauf einer Hololens bewerben. Wer den Zuschlag erhält, muss satte 3000 Dollar für das Entwicklermodell zahlen.

Microsoft braucht Software

Aber so schön sie sein mögen, Gadgets wie die Hololens sind es nicht, die Microsoft ans Ziel bringen werden. Der Konzern braucht Software. Denn viele Entwickler haben sich längst den rasant wachsenden Mobilplattformen iOS und Android zugewandt, statt Programme für Windows zu schreiben. Diese Entwickler wieder für sich zu gewinnen, das steht ganz oben auf Microsofts To-do-Liste. Apples Erfolg hat es gezeigt: Ein prall mit relevanten Apps gefüllter App Store ist der Schlüssel zum Erfolg.

Auf der Build 2015 kündigte Microsoft deshalb mehrere Projekte an, die es ermöglichen sollten, Apps von anderen Plattformen auf Windows 10 zu portieren. Tatsächlich nutzbar scheint bisher aber nur die Möglichkeit, Webseiten in Apps umzuwandeln, das sogenannte Project Westminster. Der App-Converter für Android-Apps (Project Astoria) wurde angesagt und jener für iOS (Project Islandwood) ist noch nicht fertig.

Für alte Windows-Programme, die noch nicht im Windows Store erhältlich sind, hat Microsoft das Project Centennial angekündigt, eine Software, herkömmliche Windows-Programme in Windows-10-Apps umwandelt. Für treue Windows-Entwickler wäre das eine Chance, existierende Software neuen Kunden zugänglich zu machen.

Bei welchen Projekten Microsoft Vollzug melden kann, ist offen

Bleibt also abzuwarten, welche seiner vielen Projekte Microsoft tatsächlich auf der Build 2016 als vollständig präsentieren kann. Die Eröffnungs-Keynote beginnt am Mittwochabend um 17:30 Uhr deutscher Zeit. Nicht selten dauern diese Präsentationen zweieinhalb Stunden und nicht selten sind sie von technischen Details durchsetzt, die wirklich nur Entwickler interessieren. Wir sind vor Ort dabei und werden für Sie die wirklich wichtigen Neuheiten herausfiltern.

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insgesamt 63 Beiträge
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Seite 1
M. Michaelis 30.03.2016
1.
Microsoft muss sich nicht neu aufstellen um wieder zu begeistern denn Begeisterung war noch nie Microsofts Geschäftsgrundlage.
Nutzer ohne Namen 30.03.2016
2. Microsoft begeistert mich mit Hololens...
seit 1,5 Jahren mehr, als Apple mit seinen "Innovationen" der letzten 7 Jahre.
gf256 30.03.2016
3. Microsoft und hip?
"Die Zeiten, zu denen Microsoft als hip galt, sind lange vorbei." Microsoft war NOCH NIE hip! Das passt auch gar nicht zu einem seriösen Business-Image. Und nochwas: Warum sollte man gewöhnliche Windows-Programme in Apps umwandeln wollen? Sie laufen doch so oder so auf Windows. Außerdem besitzen gerade professionelle Programme derart viele Abhängigkeiten, die kann ein wie auch immer gearteter Konverter doch gar nicht alle berücksichtigen.
guenter80469 30.03.2016
4. Selten so einen Blödsinn gelesen
Wenn Microsoft plötzlich anfangen würde zu versuchen als "cool" oder "hip" zu gelten, hätten sie mich als Kunden verloren. Und so ginge es vermutlich vielen. Microsoft liefert grundsolide Werkzeuge zum Arbeiten. Nicht immer 100%ig fehlerfrei, aber auch nicht schlechter als andere. Dafür in eine Breite die ihresgleichen sucht, sowohl was die Hardware betrifft, als auch fachlich. Das angeblich fehlende Softwareangebot macht sich im täglichen Leben nach meiner Erfahrung nicht bemerkbar. Ärgerlich sind bestenfalls Apps, die billig produziert werden mussten und deshalb eine riesige Ansammlung von Fehlern und Unzulänglichkeiten sind, im schlimmsten Fall dann auch noch versuchen Nutzeroberflächenkonzepte von iOS oder Android auf Windows zu übertragen. Was dann dazu führt, dass man sie nach ein paar Versuchen damit zurechtzukommen wieder löscht. Der Spiegel oder auch die SZ sind dafür ja herausragende Beispiele. Als Nutzer würde man sich so viel Ehrlichkeit von den Anbietern erwarten, dass sie sagen, ja, wir kommen mit Windows nicht zurecht oder wollen nicht, und die Apps konsequenterweise aus dem Store entfernen.
darthkai 30.03.2016
5. Windows braucht Software?
Welche "relevante" Anwendung soll es denn für Windows nicht geben, weil ganz viele Ein-Mann-Unternehmen Angry Birds Clone für iOS und Android programmieren?
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