Medienbericht BKA setzt offenbar schon Staatstrojaner ein

Der Bundestrojaner soll Millionen gekostet haben, dann gab es Zweifel an der Tauglichkeit der Software. Doch womöglich ist die Handy-Überwachung längst im Einsatz.

Aufsteller des Bundeskriminalamts
DPA

Aufsteller des Bundeskriminalamts


Die Software wird heimlich auf dem Smartphone oder Tablet installiert, schießt dort Bildschirmfotos von angezeigten Nachrichten - und sendet sie an die Ermittler: Das Bundeskriminalamt (BKA) setzt einen solchen Trojaner zur Handy-Überwachung offenbar bereits in laufenden Ermittlungsverfahren ein. Das berichten NDR, WDR und "Süddeutsche Zeitung".

Dem Bericht zufolge ist es mit der nun eingesetzten Technik möglich, auch verschlüsselte Messenger-Dienste wie WhatsApp mitzulesen. Das BKA wollte die Berichte am Freitag nicht kommentieren.

Im Juni vergangenen Jahres hatte der Bundestag mit einem Gesetzesbeschluss die Rechtsrundlage geschaffen, um Messenger zu überwachen. Im Herbst hatte die "Welt am Sonntag" mit Berufung auf Sicherheitskreise berichtet, der für rund 5,8 Millionen Euro entwickelte sogenannte Bundestrojaner sei weitgehend unbrauchbar. Das BKA arbeitete demnach aber bereits an einer neuen Version, deren Fertigstellung noch im Jahr 2017 geplant war. Mit dieser Version sollte die Überwachung von Messengerdiensten auf Handys und Tablets möglich sein.

kev/dpa



insgesamt 32 Beiträge
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Fuxx81 26.01.2018
1. Schlechte Praxis
Wenn 'Sicherheits'behörden Malware in Umlauf bringen besteht ein klarer Interessenskonflikt. Wer auf hintertüren etc. angewiesen ist, hat keine Motivation sichere IT-Systeme zu fördern.
schumbitrus 26.01.2018
2. Haha: Wer als Krimineller Mobilfunk zur Kommunikation nutzt ..
Wer als Krimineller Mobilfunk zur Kommunikation nutzt, hat sich den Darwin-Award auch ehrlich verdient ;-) Im Ernst: WEM gehört denn das Handy, das man bezahlt hat?! Doch nicht man selber, sondern zu 30%-50% sitzt Apple oder Google und erlaubt, zensiert und gibt 30-50% an staatliche Behörden aller möglichen Nationalitäten für willkürlichen Bespitzelungen ab. Anders als ein Haus oder Auto ist man doch längst nicht mehr der tatsächliche Eigentümer, sondern - besonders im Fall von Apple - eine Art digitaler Leibeigener einiger US-Großkonzerne. Und dumm genug ist, Informationen aus dem kriminellen Kontext lesbar auch dem Handy zu halten und vermutlich noch irgendwo die Zustimmung zu Klarschrift-Backups seiner kriminellen Verfehlungen gegeben hat - der darf zu Recht der Selektion aufgrund kognitiver Unfähigkeiten zum "Opfer" fallen ;-)
joG 26.01.2018
3. Also, da muss ich schon sagen....
....dass mir Facebook lieber ist. Die hat keine Polizei und Durchsetzungsgewalt. Bis wir eine wesentlich robustere Transparenz und Kontrolle unserer Politiker und Behörden haben, ist der Gedanke der zusätzlichen Macht des Staates ein Grauen. Danach ist es okay.
günter_gildemeister 26.01.2018
4. 1984 hat nur etwas länger gedauert
Mit grossem Interesse hat mein Sohn George Orwells 1984 gelesen. Vieles davon ist schon Wirklichkeit und vom Science fiction Roman zum Tatsachenbericht geworden. Prost Mahlzeit!
julian0922 26.01.2018
5. Really?
Also wirklich, wie koennen die nur, und dann auch noch behaupten das es nicht funktioniert? Wir werden seit Jahren ueberwacht, bekommen Dinge so aufgetischt das sie schmecken und wer es nicht kapiert hat, well, dem kann man nun eh nicht mehr helfen. Ja vielleicht war das BKA etwas langsam...aber vielleicht hat der Spiegel Schreiberling etwas von Edward Snowden gehoert oder zumindest das Buch 1984 gelesen....und kommt von alleine darauf?! Bloss wenn....dann ab in room 101....
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