Angst vor Spionage Regierungsmitglieder nutzen auf Auslandsreisen Einweghandys

Wenn eine Reise nach Russland, China oder in die USA ansteht, besorgen sich Regierungsmitglieder Wegwerfhandys - und zwar häufiger als früher. Nach SPIEGEL-Informationen ist aber nicht jeder gleich vorsichtig.


Weil sie fürchten, ausgespäht zu werden, fliegen Mitglieder der Bundesregierung und hohe Beamte neuerdings häufiger mit Einweghandys ins Ausland - etwa in die USA. Die Mobiltelefone werden nach Rückkehr der Regierungsdelegationen zerstört.

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Heft 30/2015
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Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hatte Bundesminister, Staatssekretäre und andere hochrangige Regierungsbeamte schon vor rund zehn Jahren in einem Merkblatt davor gewarnt, ihre eigenen Mobiltelefone mit auf Reisen zu nehmen. Da diese vor vertraulichen Gesprächen oft abgegeben werden müssten, bestehe die Gefahr einer physischen Manipulation, etwa durch das heimliche Aufspielen einer Spionagesoftware.

Es sei ratsam, so das BSI, ein unbenutztes Handy mitzunehmen und nur die nötigsten Daten darauf zu übertragen. Die Mahnung war in der Vergangenheit offenbar vielfach in den Wind geschlagen worden. Doch die jüngsten Enthüllungen im NSA-Skandal führten nun zu einem Umdenken.

"Es gibt deutliche Signale, dass man sensibler geworden ist", heißt es in Sicherheitskreisen. Zuletzt soll nach SPIEGEL-Informationen die Nachfrage nach Wegwerfhandys nicht nur vor Reisen nach China und Russland gestiegen sein, sondern auch bei Ausflügen zu befreundeten Nationen wie Großbritannien und den USA. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Nicht jedes Regierungsmitglied scheint von der Vorsichtsmaßnahme überzeugt zu sein: Die Minister Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel flogen jeweils mit dem eigenen Handy nach Kuba und China. Im Umfeld der Minister hieß es, sie achteten darauf, dass ihr Handy nicht in fremde Hände gerate.

Dieses Thema stammt aus dem neuen SPIEGEL - ab Samstagmorgen erhältlich.

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insgesamt 28 Beiträge
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Sonnenschein11 18.07.2015
1. 510.000.000 Menschen zu Terroristen gemacht
Was für ein Irrsinn! Ganz Europa, was sage ich, die ganze Welt wird ausspioniert/überwacht, es werden Daten gesammelt für den Tag 0. Es wird aufgerüstet, was das Zeug hält. Also auf beiden Seiten. Und für was? Na Hauptsache, unsere Politiker nicken alles ab und versuchen sich selbst mit Wegwerfhandys etwas zu schützen. Das schöne Geld, was da verbrannt wird. Was könnte man alles tolles damit machen!
chlorhahn 18.07.2015
2. grob fahrlässig...
Es scheint so, als ob diese Herren es geradezu darauf anlegen, abgehört zu werden. Wer diese - seit Jahren bekannten - elementaren Sicherheitsvorkehrungen ignoriert, handelt grob fahrlässig und muss für alle Folgen persönlich haftbar gemacht werden.
meiner79 18.07.2015
3.
Wahrscheinlich auch noch auf Staatskosten? Wenn das doch nur auch zum Umdenken bei der Überwachung im eigenem Staat führen würde aber solange ist es mir total egal ob die Charge Politversager abgehört wird.
alice-b 18.07.2015
4. Die Überheblichkeit siegt.
(...)Die Minister Frank-Walter Steinmeier und Sigmar Gabriel flogen jeweils mit dem eigenen Handy nach Kuba und China. Im Umfeld der Minister hieß es, sie achteten darauf, dass ihr Handy nicht in fremde Hände gerate.(:..) Wie blauäugig sind diese Herren. Um die Spionagesoftware aufzuspielen muss man das Handy nicht aus der Hand geben. Die wird beim normalen Gebrauch aufgespielt. Somit lässt sich für mich die vielen seltsamen Entscheidung dieser Herren erklären, sie werden mit dem Inhalt anderer Gespräche unter druck gesetzt.
Bueckstueck 18.07.2015
5. Am Ende kann es sinnfrei sein
Bei angenommener flächendeckender Mobilfunknetzüberwachung im Ausland sollte man mit unverschlüsselten Einmalhandys darauf achten, keine Namen hochrangiger Politiker oder spezifisch sensible Themen zu verplappern, sonst landet das Gespräch automatisch im Topf mit den näher zu begutachtenden Daten... :)
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