Nach Hackerangriff Bundestag fährt wieder hoch

Knapp vier Tage lang war das Bundestagsnetz abgeschaltet - jetzt sind die Reparaturen nach dem Hackerangriff vorerst abgeschlossen. Die Mitteilung erreichte die Abgeordneten per Lautsprecher.

Bundestagsintranet (Archivbild, Juni 2015): "Die IT-Systemtechnik ist wieder hergestellt"
DPA

Bundestagsintranet (Archivbild, Juni 2015): "Die IT-Systemtechnik ist wieder hergestellt"


Um kurz nach halb zwölf ertönte ein Gong auf den Fluren des Bundestags. Per Hausdurchsage wurde bekannt gegeben, dass das Parlament wieder am Netz ist. "Die IT-Systemtechnik ist wieder hergestellt", hieß es aus den Lautsprechern.

Der Bundestag hat sein System wie geplant wieder hochgefahren. Am Donnerstag war das interne Parlakom-Netzwerk abgeschaltet worden - nun können die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter wieder E-Mails empfangen und ins Intranet.

Die Abschaltung des Parlakom-Netzes war nach dem schweren Hackerangriff notwendig geworden. Unbekannte hatten einen Trojaner ins Netzwerk geschleust und Daten abgezweigt. Die Attacke war Mitte Mai bekannt geworden, die genauen Hintergründe sind bis heute unklar. Der Verfassungsschutz vermutet einen russischen Geheimdienst hinter dem Angriff.

Der Bundestag war "für Monate ein offenes Buch für die Angreifer", so formulierte es vergangene Woche die Informatikerin Constanze Kurz vom Chaos Computer Club. Der Trojaner war auch noch Wochen nach seiner Entdeckung aktiv.

Die Neuanmeldung scheint zu funktionieren

Als Reaktion wurden Teile des parlamentarischen Datenverkehrs über das IVBB-Netz der Bundesregierung umgeleitet. Damit war die Sperrung von mehr als 100.000 Internetseiten verbunden, die von Parlakom-Rechnern aus Sicherheitsgründen nicht mehr angewählt werden können. Die Reparatur war wegen der Sondersitzung zu den Griechenlandhilfen nochmals um eine Woche verschoben worden.

Die Abgeordneten und ihre Mitarbeiter müssen sich nun mit neuen Passwörtern im System anmelden. Parlamentspräsident Norbert Lammert (CDU) hatte das Verfahren im Plenum bei der Griechenland-Abstimmung erklärt. Er bat darum, die Anleitung dafür auszudrucken, er wolle keine verzweifelten Anrufe erhalten.

Nachfragen in Abgeordnetenbüros mehrerer Fraktionen ergaben am Montagmittag: Die Anmeldung funktioniert ohne größere Probleme. Damit scheint die Arbeitsfähigkeit des Parlaments wieder hergestellt. Die Untersuchung des Angriffs dauert allerdings an.

Ebenso dürfte die Frage nach politischen Konsequenzen nach der Sommerpause wieder aktuell werden. Der SPD-Abgeordnete Lars Klingbeil etwa fordert, dass der Bundestag wie die Regierung ein eigenes Hochsicherheitsnetz aufbauen soll.

fab



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insgesamt 10 Beiträge
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Seite 1
tommirf 24.08.2015
1. na dann
braucht sich nur ein besonders qualifizierter MdB mit seinem Dritt-Notebook am Netz anzumelden und den Trojaner wieder einzuschleusen... er hat leider vergessen, seine Maschine prüfen zu lassen....
schumbitrus 24.08.2015
2. Was macht man denn jetzt anders?
Interessanter als die Wiederanschaltung wäre doch, ob man schon erste Konsequenzen gezogen hat, um die Sicherheit zu erhöhen. Denn wenn vereinfacht gesagt nur das Backup der Konfiguration eingespielt wurde, dann wäre das Netz ja genau so angreifbar. Wie werden die Parlamentarier z.B. vor verseuchten USB-Sticks geschützt, oder können die Parlametarier Linux einsetzen und bekommen sie dafür Support? Denn auch wenn freie Systeme nicht von Natur oder per Gesetz sicher sind, ist es doch erheblich unüblicher, aufwendiger und damit zeit- und kostenintensiver, diese Systeme erfolgreich anzugreifen. Wenn Parlamentarier dieses Sicherheitsfeature ausnutzen wollen, dann sollten sie dabei tatkräftig unterstützt und nicht allein gelassen werden - gerade, wenn man die schlechten Erfahrungen mit Windows noch in den Knochen hat!
sikasuu 24.08.2015
3. Die Mitteilung erreichte die Abgeordneten per Lautsprecher.
Lautsprecher? Solch moderne Technik! Haben die denn die Büroboten und die Hauspost auch abgeschafft? :-)) . Wenn die es jetzt schaffen, beim Wiederanfahren und einspielen der alten Daten das System suaber zu halten, wird das wohl ein paar Wochen gut gehen:-)) . Ohne ein "solides" Sicherheitskonzept und mit dem "hat doch jeder" OS sind die IT-Leute da zu bedauern. . Eine Firma mit einigen Chefs ist schon ein Problem, eine mit > 600 Chefs..... Beileid an die Kollegen dort!
mm2112 24.08.2015
4. Hochsicherheitsnetz?
An sich eine gute Idee. So lange aber jeder MdB meint er wäre besser als der Admin, und der vom Wochenende mit neuer Kinder-Spiele-Software versehen Laptop wird wieder angestöpselt....das wars dann mit Hichsicherheit. Den Sachverstand sieht man ja gerade bei der CSU-Fraktion, die sich in München beschwert, dass sie selbst keine Software auf ihre Linux-Laptops installieren darf....richtig so kann ich nur sagen!
mm2112 24.08.2015
5. Hochsicherheitsnetz?
An sich eine gute Idee. So lange aber jeder MdB meint er wäre besser als der Admin, und der vom Wochenende mit neuer Kinder-Spiele-Software versehen Laptop wird wieder angestöpselt....das wars dann mit Hichsicherheit. Den Sachverstand sieht man ja gerade bei der CSU-Fraktion, die sich in München beschwert, dass sie selbst keine Software auf ihre Linux-Laptops installieren darf....richtig so kann ich nur sagen!
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