Kettenbriefe und Kleinanzeigen: E-Mail-Ärger im Bundestag

Rund 2600 Mitarbeiter hat die Verwaltung des Bundestags. Praktisch alle sind über einen E-Mailverteiler zu erreichen, über den schon mal Kleinanzeigen und Kettenbriefe verschickt werden. Damit soll nun Schluss sein.

Bundestag im Regen (Symbolbild): Verwaltung will E-Mail-Flut eindämmen Zur Großansicht
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Bundestag im Regen (Symbolbild): Verwaltung will E-Mail-Flut eindämmen

Hamburg - Eine E-Mail an eine Sammeladresse genügt, und die rund 2600 Mitarbeiter der Bundestagsverwaltung bekommen Post. Doch nicht jede E-Mail ist willkommen: Das für Organisation zuständige Referat der zentralen Verwaltung ermahnte die Kollegen in dieser Woche zu erhöhter E-Mail-Disziplin.

Weil die Sammeladresse "wiederholt für Nachrichten mit privatem Charakter" genutzt worden sei, habe es mehrfach Anlass zu Beschwerden gegeben, heißt es in einer Hausmitteilung. Der Verteiler dürfe aber ausschließlich zu dienstlichen Zwecken genutzt werden. Darauf werde erneut hingewiesen.

Es ist nicht das erste Mal, dass es Ärger mit Verteilerlisten gibt. Im vergangenen Jahr hatte die Mitarbeiterin einer Abgeordneten versehentlich allen Empfängern einer Rundmail geantwortet. Die E-Mail erreichte nicht nur den Absender der Rundmail, sondern alle 4000 Empfänger. Danach brach eine E-Mail-Flut los, die sogar Dienstgeräte zum Absturz gebracht haben soll.

Was für Nachrichten nicht auf den Verteiler der Verwaltung gehören, und womit sich die Belegschaft offenbar plagen musste, wird in dem Schreiben auch verraten:

"Für private Belange wie Verkaufsangelegenheiten, Wohnungsvermietung usw. steht im Intranet des Deutschen Bundestages das 'Schwarze Brett' als geeignetes Medium zur Verfügung. Für Verlust- und Fundsachenangelegenheiten ist das Fundbüro des Referats ZR 3 zuständig. Die Verteilung von Kettenmails innerhalb des Hauses, insbesondere über die Verteilerlisten, sowie das Eröffnen und Führen von öffentlichen Diskussionen über das E-Mail-System sind ebenfalls nicht zulässig."

Um dem Spam-Verbot Nachdruck zu verleihen, sei die "Richtlinie zum Einsatz elektronischer Medien in der Verwaltung des Deutschen Bundestages" um einen Hinweis ergänzt worden. Von außen ist die Sammeladresse des Bundestags übrigens nicht zu erreichen. Mit dem Spam aus dem eigenen Haus hat man offenbar schon genug zu kämpfen.

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insgesamt 16 Beiträge
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1. Forum
tusche22 24.05.2013
Die brauchen halt ein Forensystem, wenn sie denn noch keines haben...
2. private Mails
Hungersson 24.05.2013
Haben auf Rechnern des Bundestages generell nichts verloren. Solange eine gesetzlich vorgeschriebene E-Mail Archivierung läuft, muss der private Gebrauch de Mail-Accounts grundsätzlich verboten sein, da sonst die Mail-Archivierung gegen Persönlichkeitsrechte verstösst. Zumindest gelten diese Regelungen für Kaufleute. Hatte den Fall gerade.
3. Schwer bis nicht durchsetzbar ....
dia_bolika 24.05.2013
.... so ein Verbot, keine priv. Mails in seinem Account zu halten: was kann ich denn bitte dagegen tun, Mails privater Natur zu erhalten ? Es gibt natürlich auch keine "Regelung für Kaufleute", die die Firma nicht jeweils selbst erlassen hätte - wer bitte hätte staatlichersiets denn die Legitimation, derartige Vorschriften verbindlich vorzugeben ? Auf Persönlichkeitsrechte steht es mir selbstverständlich jederzeit völlig frei, zu verzichten. "Gesetzlich vorgeschriebene E-Mail Archivierung" gilt nur für geschäftsrelevante Vorgänge, für die eine gesetzliche Aufbewahrungsfrist existiert. Ein Mailarchiv juckt es überdies überhaupt nicht, wenn auch private Mails archiviert würden - wenn denn den Mailadmins schon nichts einfällt, Privates von Geschäftlichem trennen zu können. Und sei es nur durch ein aktives Tagging der Anwender, Wer das dann versäumt, dessen Privatkram wird halt mitarchiviert. Das ist dann mehr oder weniger sein eigenes Problem. Die Crux liegt hier eher im Mailsystem, was offenbar jedem die Nutzung des Gesamtverteilers freistellt. Das wäre bei uns undenkbar. hier dürfen max. die Geschäfsführung und deren benannte Stellvertreter oder Bevollmächtigte den Gesamtverteiler nutzen (... nur ca. 8000 User, und das ist eher mittelständig, kein Vergleich mit Systemen bei IBM oder Microsoft, Siemens, BASF o.ä.). Überhaupt scheint dieses Mailsystem nicht nur schlecht administriert, sondern auch sigifikant unterdimensioniert zu sein. Wenn es bei 2500 Anwendern schon zu Problemen kommt, sollte man den ordnungsgemässen Gebrauch der hierfür verballerten Mittel dringend prüfen und ggf. disziplinarrechtliche Schritte einleiten.
4.
Bobby Shaftoe 25.05.2013
Zitat von HungerssonHaben auf Rechnern des Bundestages generell nichts verloren. Solange eine gesetzlich vorgeschriebene E-Mail Archivierung läuft, muss der private Gebrauch de Mail-Accounts grundsätzlich verboten sein, da sonst die Mail-Archivierung gegen Persönlichkeitsrechte verstösst. Zumindest gelten diese Regelungen für Kaufleute. Hatte den Fall gerade.
so ein unsinn. so etwas löst man per betriebsvereinbarung oder informationssicherheitsrichtlinie. private mails werden vom anwender in den "privat"-ordner verschoben und werden nicht archiviert - ende der geschichte.
5. Haben wir vor ca. 10 Jahren gelöst
lubrikation 25.05.2013
Mails an große Verteiler geht nur über eine zentrale Stelle. Entweder es wird rausgeschickt oder es wird darüber diskutiert. Viel Schwachsinn verliert an Bedeutung wenn man erst erstmal
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