Bundestrojaner BKA stellt ersten eigenen Trojaner fertig

Laut Innenministerium ist die erste eigene Spähsoftware des Bundeskriminalamts einsatzbereit. Eine weitere wird noch entwickelt, dabei hilft die Tochterfirma eines NSA-Dienstleisters.

Bundeskriminalamt in Wiesbaden: Bundestrojaner ist angeblich einsatzbereit
DPA

Bundeskriminalamt in Wiesbaden: Bundestrojaner ist angeblich einsatzbereit


Seit 2008 arbeitet das Bundeskriminalamt (BKA) an neuer und eigenständiger Software, die sich für Online-Durchsuchungen verwenden lässt - und mittlerweile scheint es dabei größere Fortschritte zu geben. Wie aus einer Antwort des Bundesinnenministeriums an den Linken-Abgeordneten Andrej Hunko hervorgeht, soll zumindest eine von zwei Bundestrojaner-Varianten einsatzbereit sein.

Das nun fertige Überwachungsprogramm ist das erste, das das BKA selbst entwickelt hat. Es soll den Beamten zum Beispiel dabei helfen, aus der Ferne zeitgleich mehrere auf dem Computer betriebene Programme zu überwachen, schreibt die "Süddeutsche Zeitung". Ein Sprecher des Innenministeriums betonte am Freitag, die neue Software sei noch nicht im Einsatz.

Bei den sogenannten Bundestrojanern handelt es sich um Spähprogramme, die die Kommunikation von Verdächtigen auf deren Computern abfangen sollen. Das Bundesverfassungsgericht hatte der Online-Überwachung in einem Urteil von 2008 enge Grenzen gesetzt. So ist das Durchforsten aller Dateien auf einem Computer nur erlaubt, wenn etwa ein Mord, eine Entführung oder eine Geiselnahme drohen.

Quellen-TKÜ-Software noch in Entwicklung

Das zweite eigene Programm, an dem das BKA laut Antwort arbeitet, ist eine Quellen-TKÜ-Software. Die Quellen-TKÜ ist eine umstrittene Methode, Verdächtige abzuhören. Nach richterlicher Anordnung wird auf den Computern von Zielpersonen heimlich ein Programm installiert, das ihre Telekommunikation mitschneidet, etwa das Telefonieren mit Skype. Noch bevor die Daten verschlüsselt werden, leitet die Schnüffelsoftware sie an die Ermittlungsbehörde weiter.

Beim Entwickeln der Quellen-TKÜ-Software wird das BKA von den Firmen CSC Deutschland und 4Soft unterstützt und beraten. CSC Deutschland, Tochterfirma eines der wichtigsten NSA-IT-Dienstleister, hilft der Behörde demnach beim Projektmanagement, aber auch beim Erstellen der Softwarearchitektur und beim Vorbereiten der Quellcodeprüfung.

Laut Ministerium befindet sich das Quellen-TKÜ-Programm "nach Abschluss der Architekturarbeiten derzeit in der Implementierungsphase". Auf diese Phase sollen "ausführliche Softwaretests" und eine Quellcodeprüfung folgen. Einen Termin, wann auch diese Software einsatzbereit ist, könne man bislang nicht nennen.

Die Innenminister von Bund und Ländern hatten sich 2011 auf die Einrichtung eines beim BKA angesiedelten Kompetenzzentrums zur Entwicklung staatlicher Spähsoftware geeinigt. Zuvor hatte der Chaos Computer Club (CCC) einen Staatstrojaner enttarnt, der weder juristischen Standards genügte noch gut gesichert war.

mbö/dpa

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Tiananmen 15.08.2014
1.
Zitat von sysopDPALaut Innenministerium ist der erste eigene Trojaner des Bundeskriminalamts einsatzbereit. Eine weitere Software wird noch entwickelt, dabei hilft die Tochterfirma eines NSA-Dienstleisters. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/bundestrojaner-bka-software-zur-quellen-tkue-soll-fertig-sein-a-986280.html
Ging ja rasch, nicht! Nur 3 Jahre Entwicklungszeit. Hat bisher zusammen gekostet ca. 2 Mio EUR (Chip online). Es dürften also nur ein oder zwei Mitarbeiter damit beschäftigt gewesen sein, sonst reicht das Geld nicht für die Gehälter und Pensionsrückstellungen. Wenn ich mir so ansehe, was die IT in unserem Bundesland für eine Qualität produziert, dann dürfte der CCC bald wieder was zum Lachen haben. Gell.
Spiegelwahr 15.08.2014
2. Elster gestorben
Mich will man zwingen meine Steuererklärung online mit Hilfe von Elster abzugeben. Das werde ich jetzt mit Hinweis auf den Bundestrojaner ablehnen.
joG 15.08.2014
3. Mir fehlten bisher die Nachweise....
....wie weit zurück Deutschland eigentlich ist als Folge seiner trittbrettfahrenden Stragegie zur internationalen Sicherheit. Obwohl man das sah, als es um die Drohnen ging, wo man jetzt anfangen will zu tun, was Länder wie UK vor Jahren waren und die USA mindestens 15 Jahre bereits ist....
whocaresbutyou 15.08.2014
4. deutsche gründlichkeit
Zitat von TiananmenGing ja rasch, nicht! Nur 3 Jahre Entwicklungszeit. Hat bisher zusammen gekostet ca. 2 Mio EUR (Chip online). Es dürften also nur ein oder zwei Mitarbeiter damit beschäftigt gewesen sein, sonst reicht das Geld nicht für die Gehälter und Pensionsrückstellungen. Wenn ich mir so ansehe, was die IT in unserem Bundesland für eine Qualität produziert, dann dürfte der CCC bald wieder was zum Lachen haben. Gell.
aber uneingeschränkt lauffähig unter XP, 2000 und 98 ... Gründlichkeit braucht ihre Zeit!
james-100, 15.08.2014
5.
Zitat von joG....wie weit zurück Deutschland eigentlich ist als Folge seiner trittbrettfahrenden Stragegie zur internationalen Sicherheit. Obwohl man das sah, als es um die Drohnen ging, wo man jetzt anfangen will zu tun, was Länder wie UK vor Jahren waren und die USA mindestens 15 Jahre bereits ist....
Ach, Drohnen und Totalüberwachung bringen Sicherheit? Mitnichtn ist es der Fall. Aber eines ist sicher. Beides bedroht die Demokratie, die Freiheit , sowie die Menschen-,Grund- und Freiheitsrechte.
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