Cyberoperationen Bundeswehr-Hacker bereit zum Hackback

Seit Jahren streiten Politiker, ob Deutschland nach einem Hackerangriff auch im Netz zurückschlagen darf. Nach SPIEGEL-Informationen hat die Bundeswehr nun erstmals gemeldet, dass sie dazu in der Lage wäre.

Eingang zum Verteidigungsministerium
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Eingang zum Verteidigungsministerium

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Die Cybertruppe der Bundeswehr könnte im Fall eines Hackerangriffs auf deutsche Rechner und Netze mit einem sogenannten Hackback zurückschlagen. In einem internen Bericht vom April schreibt das Verteidigungsressort erstmals, die Hacker des gerade erst aufgestellten Zentrums Cyberoperationen seien mittlerweile "in der Lage, aktiv im Cyberraum aufzuklären und zu wirken". (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL.)

Der unscheinbare Satz markiert für Kenner eine neue Qualität. So versteckt sich hinter dem schlichten Wort "wirken" im Militär-Deutsch nicht weniger als ein offensiver Angriff, in diesem Fall statt mit Bomben oder Artillerie eben mit Cyberwaffen durch Hacker in Uniform.

Bundeswehr-Hackertruppe soll aufgestockt werden

Bisher hatte die in Grafschaft bei Bonn stationierte Bundeswehreinheit Gegenschläge im Netz - sogenannte Hackbacks - praktisch nur in Planspielen und abgetrennt vom Internet getestet. Ebenso gelang es den Hackern, die bis zum April in der Einheit Computer Network Operations (CNO) agierten, in einem Geiselfall in die Server eines afghanischen Mobilfunkbetreibers einzudringen.

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Ob der Bundeswehr echte Gegenschläge - also zum Beispiel das Ausschalten eines Servers, von dem eine Attacke ausgeht - erlaubt werden sollen, wird in der Politik kontrovers diskutiert. Die vorige Bundesregierung hatte das heikle Thema mehrmals im Bundessicherheitsrat erörtert, ein Rechtsgutachten bestellt, die Entscheidung aber am Ende vertagt.

Trotzdem betont das Verteidigungsministerium, wie wichtig die neue Fähigkeit der Bundeswehr ist. Der Ausbau der offensiven Mittel der Cybertruppe, so das als Verschlusssache eingestufte Papier, sei ein "essenzieller Beitrag zur gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge", betont das Ministerium. Deshalb soll die Hacker-Truppe nach SPIEGEL-Informationen von knapp 100 auf 300 Mann aufgerüstet werden.

Künftige Bedrohung: Quantencomputer

Das Ministerium warnt in seinem Papier zudem davor, dass der technologische Fortschritt etwa durch Quantencomputing zu "einer neuen, vielleicht sogar kritischen Bedrohungslage" führen könne. Quantencomputer könnten dereinst "sämtliche derzeit üblichen asymmetrischen Kryptoverfahren" zur Verschlüsselung überwinden.

Zwar wird seit Jahren, nicht zuletzt in Europa, an Verschlüsselungsverfahren geforscht, die heutige Algorithmen ersetzen könnten und auch Quantencomputer vor praktisch unlösbare Probleme stellen würden. Die Analysten sparen dennoch nicht mit düsteren Warnungen. Durch die neuen Computer könne eine "fundamentale Bedrohung wesentlicher kritischer Infrastrukturen" entstehen - etwa im Banken-, Bahn- oder Flugverkehr.

Quantencomputer sind beim Lösen bestimmter Probleme erheblich leistungsstärker als herkömmliche Rechner; Prototypen waren 100 Millionen Mal schneller als aktuelle Computer. Die US-Konzerne IBM, Microsoft und Google liefern sich ein Wettrennen in der Entwicklung mit chinesischen Wettbewerbern wie Baidu. Die EU-Kommission legt eine "Quanten-Flaggschiff"-Initiative im Wert von einer Milliarde Euro auf, China baut gerade ein Quantenlabor für zehn Milliarden Dollar.

Eine Studie des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik warnt vor der rasanten Entwicklung der Quantencomputer und plädiert für "eine starke nationale Cybersicherheitsbehörde".



insgesamt 13 Beiträge
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Horch und Guck 16.06.2018
1. Neuland Warriors
Mehr fällt mir dazu nicht ein und muss man dazu auch nicht sagen, oder? Aber vielen Dank für diesen Lacher!
schumbitrus 16.06.2018
2. Denkbare militärisch-hirnlose Eskalations-Spirale!
> Trotzdem betont das Verteidigungsministerium, wie wichtig > die neue Fähigkeit der Bundeswehr ist. Der Ausbau der > offensiven Mittel der Cybertruppe, so das als Verschluss- > sache eingestufte Papier, sei ein "essenzieller Beitrag zur > gesamtstaatlichen Sicherheitsvorsorge", betont das Ministerium. Einfaches Gedankenspiel: Vorab-Realitäten: 1. Die USA besitzen aufgrund der Monopol-proprietären Struktur sämtlicher IT Hard- und Software (Microsoft, Apple, Intel, ARM, ..) und der (seit Snowden bewiesenen) Verschränkung der IT mit US-Sicherheits- und Spionage-Organisationen (Juniper, Cisco, IBM, ..) Backdoors und Zugriff aus ALLE großen Netzwerk-Hubs sowie Durchgriff auf alle Infrastrukturen fremder Länder, die nicht ganz besonder gesichert sind (SINA-Boxen, et al.). 2. Die USA haben ein geostrategisches Interesse an einem dauerhaften Zerwürfnis zwischen Europa und Russland und besonders zwischen Deutschland und Russland (Milton Friedman, et al.), das sie mit Hilfe der neuen Bundeswehr-Doktrin wie folgt umsetzen können: Die US-amerikanische Hacker hacken sich in ein als "schwach gesichert" identifiziertes Kritis-Element, in das sich aus aus Grüden der "plausiblen Abstreitbarkeit" auch fremde Mächte einhacken könnten. Sie hacken sich dort so ein, dass deutsche Cybersecurity-Spezialisten den Angriff bei später Analyse aus dem Gebiet des Donbas kommend identifizieren werden. Die US-Amerikaner starten aus der Kritis-Umgebung heraus einen Angriff auf russische, militär-relevante Infrastruktur-Einrichtungen an der Grenze zur Ukraine. Russland startet einen Gegenangriff auf die deutsche Kritis-Infrastruktur. Die Bundeswehr erkennt den russischen Angriff und antwortet ihrerseits mit einem Hack-Back auf russische Infrastrukturen. Durch den Angriff der Deutschen kommen russische Bürger zu Tode, der Konflikt zwischen Russland und Deutschland eskaliert. Neben möglichen kriegerischen Handlungen wird die Basis vertrauensvoller wirtschaftlicher Zusammenarbeit zwischen Dutschland/Europa und Russland nachhaltig verunmöglicht und Europa beschließt, aus geopolitischen Gründen LNG zukünftig in großen Mengen aus den USA und aus dreckigem Fracking zu beziehen - Mission Accomplished! ..
vander1 16.06.2018
3. Lacher?
Ich glaube schon das die Truppe es schafft Schaden anzurichten, das könnten sogar Skript-Kiddies. Die Frage ist, wie bei Oberst Klein, wie groß werden die Kollateralschäden? Zumindest fällt es den Cyberkriegern schwerer sich selbst zu schädigen. http://m.spiegel.de/politik/ausland/nato-angriff-auf-tanklaster-afghanischer-gouverneur-lobt-bundeswehr-a-647473.html http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-9122866.html
Nonvaio01 16.06.2018
4. Omg
die Bundeswehr ist bei uns mit digitaler abwehr beauftragt. Wir haben nicht mal vernuenftiges internet in D...loool
kroganer 16.06.2018
5. Zurückschlagen dürfen!!
Also die Politik streitet darüber ob die Bundeswehr im Falle eines Angriffs zurückschlagen darf? Wofür sind die den dann sonst überhaupt da. Zuerst wird die Wehrpflicht abgeschafft und der übergebliebene Rest darf sich dann noch nicht einmal zur Wehr setzten. Ob der Angriff nun digital ist oder nicht spielt doch keine Rolle. Selbst die Schweiz hat ein besseres Verteidigungskonzept. Aber egal wir leben ja in der Zeit des großen Friedens, alle haben sich lieb und keiner will dem anderen Schäden, schöne heile Welt!
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