Cambridge Analytica Facebook sieht sich im Datenskandal als Opfer

"Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden": Facebook hat eine Mitteilung zum Skandal um Datensammlung veröffentlicht. Derweil reichen die ersten US-Investoren Klage ein.

Mark Zuckerberg
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Mark Zuckerberg


Facebook betrachtet sich im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", heißt es in einer Mitteilung von Facebook. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst. Facebook werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen.

Die umstrittene Datenanalysefirma, die nach Angaben ihres inzwischen suspendierten Chefs Alexander Nix einen Großteil des Wahlkampfs für US-Präsident Donald Trump bestritten hat, soll Zugriff auf Facebook-Daten von bis zu 50 Millionen Menschen gehabt haben. Es weist die Vorwürfe zurück und betonte, die fraglichen Profile seien nicht für den US-Wahlkampf zugunsten Trumps eingesetzt worden.

Die US-Verbraucherschutzbehörde FTC leitete nach Informationen der "Washington Post" eine offizielle Untersuchung gegen Facebook Chart zeigen ein.

Das Unternehmen verlor seit Montag zeitweise bis zu 50 Milliarden Dollar an Unternehmenswert an der Börse. Und inzwischen haben die ersten US-Investoren eine Klage gegen Facebook eingereicht: Die Aktionäre machten am Dienstag bei einem Bundesgericht in San Francisco geltend, dass die Konzernführung sie über die Fähigkeiten in die Irre geführt habe, die Daten der Nutzer zu schützen. Der "Los Angeles Times" zufolge wird Facebook zudem vorgeworfen, die eigenen Datenschutzvorschriften verletzt zu haben.

Alexander Nix
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Alexander Nix

Nach ähnlichen Initiativen in den USA und Großbritannien wandte sich am Dienstag auch der EU-Parlamentspräsident an Zuckerberg. Das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen", schrieb Antonio Tajani bei Twitter. Facebook müsse "vor den Vertretern von 500 Millionen Europäern klarstellen, dass persönliche Daten nicht dazu benutzt werden, um Demokratien zu manipulieren". Auch der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, forderte Zuckerberg auf, sich Fragen von Abgeordneten zu stellen.

Cambridge Analytica wurde bekannt als die Firma, deren Datenauswertung Donald Trump zum Sieg bei der US-Präsidentenwahl 2016 verholfen haben soll - möglicherweise mithilfe von unrechtmäßig gesammelten Facebook-Daten (mehr zur Firma und ihrer Macht lesen Sie hier).

Nix, der am Dienstag suspendiert wurde, hatte einem angeblichen Kunden gegenüber Angaben zu den Verbindungen seines Unternehmens zu Trump gemacht. Der vermeintliche Kunde entpuppte sich aber als britischer Fernsehreporter von Channel 4. Nix erklärte, er habe nur ein Spiel gespielt. Das Weiße Haus reagierte zunächst nicht offiziell. Doch der Fall hat längst auch in Washington Konsequenzen: Die Opposition fordert Aufklärung darüber, ob das mutmaßliche Datenleck bei Facebook Trump zum Sieg verholfen hat.

Video zum Datenskandal bei Facebook: Mehr als 50 Millionen Profile betroffen

Getty Images

aar/dpa/Reuters

insgesamt 56 Beiträge
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hausfeen 21.03.2018
1. Warum wurde dann der interne Kritiker und Ermittler gefeuert?
Das ist für mich nicht glaubwürdig. In meinen Augen ist Facebook in der Russland-Affäre Mittäter oder zumindest wissender Dulder. Das möchte der Konzern verschleiern, weil es erhebliche Auswirkungen auf die User-Akzeptanz, die Werbekunden und die politischen Rahmenbedingen in den Ländern weltweit haben könnte.
ontic 21.03.2018
2. Wir sind entsetzt darüber,
dass tatsächlich noch jemand so etwas wie Datenschutz von uns erwartet.
FocusTurnier 21.03.2018
3. Nicht das Datenleck ist dran Schuld, daß Trump gewonnen hat....
....sondern die Democrats. Das Eindreschen auf eine Datenhandelsfirma ist bigott, haben doch auch die Dems Zugriff auf solche Analysen gehabt und sie genutzt. Das ist eigentlich ziemlich für jeden klar, der weiß, wie BigData im US-Wahlkampf genutzt wird. Und auch jeder Facebook-Benutzer sollte eigentlich wissen, daß seine persönlichen Daten die Währung sind, mit der bei Facebook und Co. bezahlt wird.
Gutenmorgenallerseits 21.03.2018
4. George Orwell lässt grüssen!
Liest sich wie der neueste Hollywoodthriller... Aber es ist leider die Realität. Dennoch faszinierend. Hi, hi, ich weiss warum ich mit Facebook nix zu tun haben will.... Wacht auf, Leute!
relative_wahrheiten 21.03.2018
5. Es war absehbar,
das irgendeine Firma Facebooks Datensätze missbrauchen wird. Eine angemessene Reaktion der Behörden wäre eine Strafzahlung pro unrechtmäßig geenutztem Userprofil von 1000 Dollar. Und zwar für beide Seiten dieser Sache. Als folge daraus würde diese Analysefirma nicht mehr existent sein, und der Datenkrake mal richtig was zwischen seine Tentakeln bekommen...
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