Wahlkampf-Posse CDU Ratingen sichert sich Piraten-Domains

Nachhilfe in Politik oder schlechter Scherz? Die CDU in Ratingen hat sich Domains gesichert, die auf die örtliche Piratenpartei verweisen, und auf ihre eigene Homepage umgeleitet. Auf Anfrage will man die Piraten-Domains aber freigeben.

Pirat in Nordrhein-Westfalen: Domainposse in Ratingen
dapd

Pirat in Nordrhein-Westfalen: Domainposse in Ratingen


Vom Landtag in Düsseldorf bis zum Rathaus in Ratingen sind es rund zehn Kilometer Luftlinie. In den nordrhein-westfälischen Landtag will sich die Piratenpartei - nach Erfolgen in Berlin und im Saarland - im Mai wählen lassen. Die etablierten Parteien sind weitgehend ratlos, wie sie mit den gerade bei Erstwählern erfolgreichen Polit-Neulingen umgehen sollen.

In Ratingen hat sich der CDU-Stadtverband nun offenbar überlegt, den Neulingen eine kleine Lektion zu erteilen. Das CDU-Ratsmitglied Udo Schäckermann hat dazu mehrere Domains auf seinen Namen registriert:

  • piratenparteiratingen.de
  • piratenratingen.de
  • piraten-ratingen.de

Diese Adressen verweisen nun auf die Seiten der CDU. Websites auf Namen der Konkurrenz zu registrieren ist eine Praxis, die unter das Schlagwort "domain squatting" fällt. Oft wird so versucht, an Geld zu kommen oder Suchmaschinen zu verwirren. Eine Verwechslungsgefahr liegt nahe: Die Piraten hatten sich bereits zuvor die Domain piratenpartei-ratingen.de gesichert. Und offenbar auch die Domain piratingen.de.

Während sich die Piratenpartei-Anhänger auf Twitter und Facebook nun heißlaufen und schon Paragrafen für juristische Auseinandersetzungen heraussuchen, verkündet der CDU-Stadtverband Ratingen, man sei überrascht gewesen, dass die Domains noch zu haben gewesen seien. Die Seiten habe man natürlich erst einmal reserviert, erklärte der Stadtverbandsvorsitzende David Lüngen.

Lüngen will gar "dunkle Flecken in der digitalen Welt" der Piraten ausgemacht haben, weil die Partei, die ihre Affinität zum Internet immer betone, sich die Domains nicht gesichert habe. "Natürlich sind wir bereit, den Piraten diese Domains nach einer entsprechenden Anfrage kostenfrei zu übergeben." Außerdem wünscht sich Lüngen von der Piratenpartei einen "netzpolitischen Dialog".

Vielleicht hätte es eine einfache Einladung auch getan? Die PR-Nummer könnte sich nachträglich noch als Eigentor für die CDU erweisen. Auf Twitter scheinen die Sympathien jedenfalls klar verteilt. "Domain Squatting ist ja auch eher 90er. Außer in Ratingen. Außer bei der CDU", heißt es dort in einem Kommentar des SPD-Onlinewahlkämpfers Sebastian Reichel.

ore

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Seite 1
eduardschulz 27.03.2012
1.
Zitat von sysopdapdNachhilfe in Politik oder schlechter Scherz? Die CDU in Ratingen hat sich Domains gesichert, die auf die örtliche Piratenpartei verweisen, und auf ihre eigene Homepage umgeleitet. Auf Anfrage will man die Piraten-Domains aber freigeben. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,824053,00.html
Man stelle sich vor, die CDU in Ratingen hätte eine Web-Adresse verwenden wollen und feststellen müssen, dass sie bereits vom politischen Gegner besetzt ist. Augenzwinkernd hätte man den altbackenen CDU-Verantwortlichen mangelnde Netz-Affinität vorgeworfen. Aber andersrum? Geht gar nicht.
rainer_daeschler 27.03.2012
2.
Wenn die CDU Ratingen Humor hat, dann geben sie die Domains heraus gegen ein Lösegeld von einem Kasten Bier, mitzubringen zum gemeinsamen Grillabend, jeder bringt was mit, um sich gegenseitig kennenzulernen und zu beschnuppern.
caecilia_metella 27.03.2012
3. Possenreißer
Also jemand, der dort Information über oder Kontakt mit Piratenpartei sucht, der stößt auf ein CDU-Fake? Und dann? Wird er natürlich sofort CDU-Anhänger? Darauf muss man erst einmal kommen ...
Spiegelwahr 27.03.2012
4. Ob das klug ist
Ob das klug ist und zur Transperenz und Glaubwürdigkeit der CDU beiträgt. In meinen Augen ist es albern und kindisch, aber das war die CDU ja schon immer.
amirato 27.03.2012
5.
Zitat von rainer_daeschlerWenn die CDU Ratingen Humor hat, dann geben sie die Domains heraus gegen ein Lösegeld von einem Kasten Bier, mitzubringen zum gemeinsamen Grillabend, jeder bringt was mit, um sich gegenseitig kennenzulernen und zu beschnuppern.
Diese gute Lösung setzt außerdem voraus, dass auch die Piraten entsprechenden Humor mitbringen. Nach der Berichterstattung scheint das nicht der Fall.
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