Chaos Computer Club Britischer Pornofilter blockiert CCC-Website

Die Hackervereinigung Chaos Computer Club setzt sich für offene Netze ein und gegen Internetfilter. Nun ist sie selbst zum Opfer eines umstrittenen Systems in Großbritannien geworden: CCC-Seiten verfangen sich dort im Pornofilter.

Chaos Communications Congress (2013):  Website im Pornofilter verfangen
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Chaos Communications Congress (2013): Website im Pornofilter verfangen


Hamburg - Auf den Webseiten des deutschen Chaos Computer Clubs gibt es keine Pornografie. Die Seite ccc.de wird als Sprachrohr des Vereins benutzt, dessen Mitglieder auch schon das Verfassungsgericht und den Bundestag beraten haben. Man kann sich dort über Veranstaltungen wie den zum Jahreswechsel anstehenden Chaos Communications Congress in Hamburg informieren, die Vereinszeitschrift "Datenschleuder" abonnieren oder für die Klubarbeit spenden. Außer man ist Brite und hat seinen Internetzugang bei Vodafone oder dem Provider Three.

In Großbritannien werden Neukunden seit einiger Zeit bei der Einrichtung ihres Internetzuganges gefragt, ob sie wirklich auch Zugriff auf pornografische Inhalte haben möchten. Verneinen sie das, wird der standardmäßige Pornofilter aktiviert, der dann auf Basis von schwarzen Listen Angebote aus dem Datenstrom herausfiltert. Schon seit einiger Zeit besteht der Vorwurf, dass dabei immer wieder auch Seiten blockiert werden, die rein gar nichts mit Pornografie zu tun haben. Ohnehin ist der Filter längst ausgedehnt worden: Es werden auch thematische Bezüge zu Selbstmord, Waffen und Gewalt, Glücksspiel, Drogen, Alkohol und Tabak erfasst.

Auf einer der schwarzen Website-Listen sind offenbar auch die Seiten ccc.de und, beim Provider Vodafone, auch noch events.ccc.de gelandet. Das zeigten regelmäßige Tests, die die Organisation Open Rights Group durchführt. Christian Horchert vom CCC erklärte auf Anfrage von SPIEGEL ONLINE, man könne sich diese Maßnahme auch nicht erklären, "wir werden aber die Provider befragen, warum sie das getan haben und bitten, die Sperre aufzuheben".

Der britische Pornofilter stand von Anfang an in der Kritik - wegen seines flächendeckenden Einsatzes und der Notwendigkeit, sich explizit als potenzieller Pornokonsument zu outen ebenso wie wegen der Möglichkeit des "overblocking", also einer allzu rigiden Filterpraxis. Dass ausgerechnet die Seiten des Chaos Computer Clubs, der sich stets für freien Netzzugang und gegen Filtermechanismen eingesetzt hat, nun zum Overblocking-Opfer werden, entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

cis

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insgesamt 32 Beiträge
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bauerbob 05.12.2014
1. Gegenteil von Ironie!
Ironie wäre es, wenn die Seiten der Regierung, die den Filter wollte, im Pornofilter gelandet wären. Aber so ist das keine Ironie, sondern es ist genau das passiert, wovor der CCC gewarnt hat.
der Krieger 05.12.2014
2. Ein Schelm, wer böses dabei denkt ...
... oder auch: Schön blöd, wer glaubt, das sei ein Versehen. ;)
les2005 05.12.2014
3. Methode
Das ganze hat keine Ironie, sondern Methode. Solche "Fehler" passieren sicher allzuleicht, und wenn man die Infrastruktur fürs Filtern schon mal eingerichtet hat, ist die Versuchung sicherlich groß, sie auch anderweitig zu nutzen. Wie man sieht.
ChristianStöcker 05.12.2014
4. Ironie...
... liegt auch hier offenbar im Auge des Betrachters.
F.Z. 05.12.2014
5. Ccc
CCC steht fuer Color Climax Corporation. Wer ein wenig googelt findet schnell raus warum hier gefiltert wird!
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