Berlin - Als eine Art toter Briefkasten für Dokumente soll OpenLeaks dabei helfen, dass Insider brisante Informationen an Journalisten und NGOs weitergeben können. Doch der Start der Softwareplattform in dieser Woche verlief reichlich holprig. Und nun distanziert sich noch der Chaos Computer Club (CCC) von dem Projekt des ehemaligen WikiLeaks-Sprechers Daniel Domscheit-Berg.
Domscheit-Berg, selbst auch CCC-Mitglied, hatte beim Chaos Communication Camp der Organisation im brandenburgischen Finowfurt den Start des OpenLeaks-Probebetriebs verkündet - und Hacker dazu aufgerufen, das System zu testen. Das sorgt nun für Kritik: "Wir sind im Vorstand des CCC überhaupt nicht glücklich darüber, dass Domscheit-Berg den Eindruck erweckt hat, OpenLeaks werde von unseren Leuten getestet und so mit einer Art CCC-Gütesiegel versehen", beklagt CCC-Vorstandsmitglied Andy Müller-Maguhn im SPIEGEL-Interview. "Der CCC ist kein TÜV. Wir lassen uns nicht vereinnahmen. Das war unverschämt."
Insgesamt geht Müller-Maguhn hart mit dem neuem Projekt ins Gericht. "Ich sehe momentan leider gar keine Plattform, die dem Anspruch von Quellenschutz bei gleichzeitiger Transparenz der eigenen Strukturen wirklich gerecht wird. Für mich ist OpenLeaks derzeit nicht mehr als eine Wolke mit Sicherheitsversprechen."
OpenLeaks soll Technik zur Verfügung stellen, die Partner wie Medienhäuser oder NGOs auf ihren eigenen Web-Seiten einbetten können. In einer kurzen Testphase probieren die "taz", der "Freitag", die dänische Tageszeitung "Dagbladet Information", das portugiesische Wochenblatt "Expresso" und die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch das System aus.
Nach Ansicht von CCC-Mann Müller-Maguhn ist der Konflikt zwischen den konkurrierenden Enthüllungssystemen OpenLeaks und WikiLeaks "absolut nicht" beigelegt. Domscheit-Berg hatte das Team um WikiLeaks-Gründer Julian Assange im Streit um die zukünftige Ausrichtung des Projekts verlassen. Er habe elf Monate lang versucht, zwischen beiden Seiten zu vermitteln, sagte Müller-Maguhn. Nun gebe er auf.
Assange und Domscheit-Berg streiten vor allem um Dokumente, die ausgeschiedene Mitarbeiter von den WikiLeaks-Servern mitgenommen haben sollen. Müller-Maguhns Bilanz fällt jedenfalls bitter aus: Mittlerweile zweifle er "an Domscheit-Bergs Integrität". Auf jeden Fall gehe dieser "mit Fakten sehr flexibel um".
chs
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