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Chaos Computer Club: Hacker distanzieren sich von OpenLeaks

Der ehemalige WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg muss für seine neue Enthüllungsplattform harsche Kritik einstecken. Andy Müller-Maguhn, Vorstandsmitglied des Chaos Computer Clubs, sagt im SPIEGEL-Interview, mittlerweile zweifle er sogar an der Integrität der Projektchefs.

OpenLeaks-Gründer Domscheit-Berg (im Dezember 2010): Kritik von CCC-Kollegen Zur Großansicht
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OpenLeaks-Gründer Domscheit-Berg (im Dezember 2010): Kritik von CCC-Kollegen

Berlin - Als eine Art toter Briefkasten für Dokumente soll OpenLeaks dabei helfen, dass Insider brisante Informationen an Journalisten und NGOs weitergeben können. Doch der Start der Softwareplattform in dieser Woche verlief reichlich holprig. Und nun distanziert sich noch der Chaos Computer Club (CCC) von dem Projekt des ehemaligen WikiLeaks-Sprechers Daniel Domscheit-Berg.

Domscheit-Berg, selbst auch CCC-Mitglied, hatte beim Chaos Communication Camp der Organisation im brandenburgischen Finowfurt den Start des OpenLeaks-Probebetriebs verkündet - und Hacker dazu aufgerufen, das System zu testen. Das sorgt nun für Kritik: "Wir sind im Vorstand des CCC überhaupt nicht glücklich darüber, dass Domscheit-Berg den Eindruck erweckt hat, OpenLeaks werde von unseren Leuten getestet und so mit einer Art CCC-Gütesiegel versehen", beklagt CCC-Vorstandsmitglied Andy Müller-Maguhn im SPIEGEL-Interview. "Der CCC ist kein TÜV. Wir lassen uns nicht vereinnahmen. Das war unverschämt."

Insgesamt geht Müller-Maguhn hart mit dem neuem Projekt ins Gericht. "Ich sehe momentan leider gar keine Plattform, die dem Anspruch von Quellenschutz bei gleichzeitiger Transparenz der eigenen Strukturen wirklich gerecht wird. Für mich ist OpenLeaks derzeit nicht mehr als eine Wolke mit Sicherheitsversprechen."

OpenLeaks soll Technik zur Verfügung stellen, die Partner wie Medienhäuser oder NGOs auf ihren eigenen Web-Seiten einbetten können. In einer kurzen Testphase probieren die "taz", der "Freitag", die dänische Tageszeitung "Dagbladet Information", das portugiesische Wochenblatt "Expresso" und die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch das System aus.

Nach Ansicht von CCC-Mann Müller-Maguhn ist der Konflikt zwischen den konkurrierenden Enthüllungssystemen OpenLeaks und WikiLeaks "absolut nicht" beigelegt. Domscheit-Berg hatte das Team um WikiLeaks-Gründer Julian Assange im Streit um die zukünftige Ausrichtung des Projekts verlassen. Er habe elf Monate lang versucht, zwischen beiden Seiten zu vermitteln, sagte Müller-Maguhn. Nun gebe er auf.

Assange und Domscheit-Berg streiten vor allem um Dokumente, die ausgeschiedene Mitarbeiter von den WikiLeaks-Servern mitgenommen haben sollen. Müller-Maguhns Bilanz fällt jedenfalls bitter aus: Mittlerweile zweifle er "an Domscheit-Bergs Integrität". Auf jeden Fall gehe dieser "mit Fakten sehr flexibel um".

chs

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1.
senf-mit-sauce 13.08.2011
Domscheit-Berg wirft Assange Geltungssucht vor. Wahrscheinlich kennt er sich als Betroffener bestens damit aus.
2. Divide et impera
ecce homo 13.08.2011
Die Offenheit, menschliche Schwächen und die Naivität sorgen immer wieder dafür, daß die Guten sich spalten bzw. spalten lassen. Dies macht den Bösen die Arbeit leichter und ist bedauerlich für die Guten.
3. OpenLeaks sollte die Kritik annehmen
na_ja_ 13.08.2011
Zitat von sysopDer ehemalige WikiLeaks-Sprecher Daniel Domscheit-Berg muss für seine neue Enthüllungsplattform harsche Kritik einstecken. Andy Müller-Maguhn, Vorstandsmitglied des Chaos Computer Club, sagt im SPIEGEL-Interview, mittlerweile zweifle er sogar an der Integrität der Projektchefs. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,780103,00.html
Damit hat es sich doch schon gelohnt, dass Domscheit-Berg mit dem OpenLeaks-Projekt auf dem CCC-Camp angetreten ist. Die Kritik bezieht sich zwar nur indirekt auf die technischen Aspekte, doch sind die kritisierten Rahmenbedingungen ebenfalls elementarer Teil für ein erfolgreiches und vertrauenswürdiges Withelblower-Projekt. OpenLeaks hat somit bereits aus grundlegenden Mängeln nicht das CCC-Gütesiegel erhalten. Auch wenn Müller-Maguhn das Anliegen und insbesondere das Vorgehen von Domscheit-Berg nicht befürwortet, so kommt er doch zu einer recht klaren Aussage. OpenLeaks erfüllt offensichtlich (noch) nicht die Ansprüche der Transparenz ("open"), die es selbst an sich richtet und birgt damit potentiell unvorhersehbare Gefahren für seine Informanten. Der Grundgedanke von OpenLeaks ist ein Guter. Die getätigte Kritik, sofern sie wahr ist, ist das beste was dem Projekt passieren konnte. OpenLeaks sollte die Kritik annehmen und für mehr Klarheit sorgen. Nichts wäre schlimmer als das Vertrauen der Informanten zu verspielen oder gar deren Anonymität zu gefährden. Dann wäre das Projekt gescheitert. Im Sinne einer transparenteren Welt, wünsche ich ihm den Erfolg.
4.
danielitinho 13.08.2011
Zitat von ecce homoDie Offenheit, menschliche Schwächen und die Naivität sorgen immer wieder dafür, daß die Guten sich spalten bzw. spalten lassen. Dies macht den Bösen die Arbeit leichter und ist bedauerlich für die Guten.
ich bin mir bei gut und böse halt nur nicht ganz so sicher. so wichtig transparenz und wahrhaftigkeit sind, gab und gibt es auch immer bereiche, die eben nicht jedem ottonormalbürger zugänglich sein sollten. ist aber bestimmt schöner, wenn man es einfach in schwarz/weiß unterteilen kann, st. julian und st. daniel im kampf gegen die dunkle seite der macht^^. lg daniel
5. Ot
Susiisttot 13.08.2011
Zitat von senf-mit-sauceDomscheit-Berg wirft Assange Geltungssucht vor. Wahrscheinlich kennt er sich als Betroffener bestens damit aus.
Volle Zustimmung! Wenn nicht der, wer dann?
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