Erstes TV-Interview Chelsea Manning dankt Obama

Chelsea Manning war sieben Jahre in Haft, nun hat die US-Whistleblowerin erstmals über ihre schwierige Rückkehr in den Alltag gesprochen - und dem früheren US-Präsidenten ganz besonders gedankt.

Chelsea Manning


Die freigelassene Whistleblowerin Chelsea Manning hat in einem ersten Fernsehinterview über ihren Weg zurück in die Freiheit gesprochen - und über ihre Motive, geheime Dokumente an die Öffentlichkeit zu bringen.

Sie habe eine "Verantwortung gegenüber der Öffentlichkeit" gespürt, die Unterlagen weiterzugeben, sagt Manning demnach in einem aufgezeichneten Interview mit dem Sender ABC. Es soll am Freitag in der Sendung "Good Morning America" ausgestrahlt werden.

Manning hat laut ihrer Aussage als Analystin der Armee im Irak erlebt, welche Schäden "Tod, Zerstörung und Chaos" den Menschen zufügen. Sie habe die Verantwortung für ihre Tat übernommen und stehe dazu. "Niemand hat mir gesagt, ich soll das tun. Niemand hat mir aufgetragen, das zu tun. Das war ich. Es geht auf mein Konto", sagte sie.

Zu Mannings Freilassung

Ursprünglich 35 Jahre Haft

Manning, die früher Bradley hieß, hatte als Soldatin Tausende Dokumente an die Enthüllungsplattform WikiLeaks weitergegeben und so eine Debatte über die Kriege in Afghanistan und im Irak ausgelöst. Unter den Dokumenten war unter anderem ein brisantes Bordvideo eines Hubschraubers aus dem Irakkrieg, das WikiLeaks 2010 unter dem Titel "Collateral Murder" veröffentlichte.

Manning sollte ursprünglich für 35 Jahre ins Gefängnis. Doch Ex-US-Präsident Barack Obama erließ ihr kurz vor Ende seiner Amtszeit den Rest ihrer Haftstrafe. Während ihrer Zeit im Gefängnis, in der sie oft in Isolationshaft war, hatte Manning mehrmals versucht, sich das Leben zu nehmen. Außerdem trat sie im Jahr 2016 kurzzeitig in den Hungerstreik. Im Mai dieses Jahres kam Manning nun frei und verließ das Gefängnis in Kansas.

Dankbarkeit gegenüber Obama

Manning sagte, sie habe seit ihrer Freilassung nicht mit Obama gesprochen. Im Interview dankte sie ihm nun aber unter Tränen für die drastische Verkürzung ihrer Haftstrafe. "Ich habe eine Chance bekommen, mehr wollte ich nicht", sagte Manning.

Manning sprach auch über den hohen Stellenwert, den ihre Hormontherapie für sie hat. "Das ist es, was mich am Leben erhält", sagte sie. "Es hält mich davon ab, mich so zu fühlen, als sei ich im falschen Körper." Früher hätte sie immer wieder extrem negative Gefühle wegen ihres Körpers gehabt, sie habe ihn "zerreißen" wollen.

gru/AP



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