Datenleck in China Liebe Leserin, lieber Leser,

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stellen Sie sich vor, ihre persönlichen Daten sind von einem Datenleak betroffen und neben Angaben wie E-Mail-Adresse, Telefonnummer, Personalausweisnummer und Familienstand stehen auch Informationen über Ihre Fortpflanzungstauglichkeit im Internet. Unangenehm?

Der Sicherheitsforscher Victor Gevers von der niederländischen GDI.Foundation hat eine online zugängliche Datenbank aus China mit solchen Informationen zu 1,8 Millionen Frauen entdeckt: Die jüngste Betroffene ist 15, die älteste 95 Jahre alt. Alle sind Singles, verwitwet oder geschieden - und bei jeder Frau ist vermerkt, ob sie "gebärfähig" ist oder nicht.

Frau mit Smartphone in Peking (Symbolbild)
REUTERS

Frau mit Smartphone in Peking (Symbolbild)

In sozialen Netzwerken diskutieren Nutzer jetzt, ob die Datenbank von einer Datingplattform stammt oder von einer staatlichen Familienplanungsbehörde. Als Folge der strengen Ein-Kind-Politik der letzten Jahrzehnte mangelt es China heute sowohl an Kindern als auch an Frauen - "gebärfähige" Frauen dürften daher besonders gefragt sein. Möglicherweise könne es sich bei der Fruchtbarkeitsangabe aber auch um einen Übersetzungsfehler handeln, merkt ein User an - und die Datenbank offenbare eher, ob Frauen bereits ein Kind haben oder nicht.

In jedem Fall zeigt das Leak, wie schlecht es um den Schutz von Daten bestellt ist - und wie leicht jeder Zugriff auf private Details erhalten kann. Die Frauen-Datenbank ist nicht das erste Leck, das Sicherheitsforscher Victor Gevers in China aufgespürt hat.

Weitere Leaks offenbaren zudem, in welchem Umfang chinesische Bürger überwacht werden. Im Februar warnte Gevers davor, dass Millionen Datensätze der AI-Softwarefirma SenseNets seit Monaten im Netz zugänglich sind - vor allem von der muslimischen Minderheit. GPS-Daten war sogar zu entnehmen, wo welche Personen in den letzten 24 Stunden von Gesichtserkennungskameras erfasst worden waren.

Vergangene Woche wurde publik, wie China Nutzer von Internetcafés mit Monitoring-Software überwacht - eine Datenbank enthielt 364 Millionen Chats und Social-Media-Daten aus Internetcafés. Gever wird weiter nach ungeschützten Datenbanken suchen und die Betreiber informieren, damit Sicherheitslücken geschlossen werden. "Bis du deine IT richtig hinkriegst, werden wir an deine Tür klopfen", kündigte er auf Twitter an.

Jeder ist gefordert, sich um einen besseren digitalen Schutz zu kümmern, vor allem aber Unternehmen und Politik - auch in Deutschland. Mangelnder Datenschutz ist kein chinesisches Problem, wie auch der deutsche Datendiebstahl bei Politikern und Prominenten, oder die Datensammlung "Collection 1" (mit Hunderttausenden veröffentlichten E-Mails und Passwörtern) zeigen. Mit der Datenbank "Have I been pwned" des australischen Sicherheitsforschers Troy Hunt kann jeder prüfen, ob sein Passwort von einem Leak betroffen ist. Kürzlich hat die Zahl der erfassten Datensätze die Weltbevölkerung überschritten: 7,6 Milliarden.

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Seltsame Digitalwelt: Übergriffige Apps

Vor kurzem hat Facebook meinen siebten Geburtstag in dem sozialen Netzwerk gefeiert und mir mit einem knallbunten Video gratuliert. Es ist nicht der einzige Anlass, den der Konzern stellvertretend für die Nutzer zelebriert.

Facebook feiert meine Freundschaften mit Menschen, die in meinem Leben teils keine Rolle mehr spielen (und setzt unsere Profil-Fotos im Video gemeinsam in ein Boot), will mir erzählen, dass mein Februar "unglaublich" gewesen sei, oder erinnert mich an Ereignisse, an die ich nicht erinnert werden möchte (andere wurden so auch schon an Todesfälle in der Familie oder im Bekanntenkreis erinnert).

Ähnlich bevormundend sind Dating-Apps, die einen auffordern, (jetzt! sofort!) einem Match zu schreiben oder Vorschläge für Fragen oder Gesprächsthemen machen. Anstatt meine Online-Aktivitäten zu lenken, löst die digitale Bevormundung bei mir einen Widerstandsreflex aus: Jetzt erst recht nicht.


App der Woche: "Powernode"
getestet von Tobias Kirchner

Opal Games

Das Logikspiel "Powernode" bietet kurzweilige Aufgaben, die ein Mitdenken fordern. So muss der Spieler immer wieder Zahlen, die einzelne "Stationen" bilden, miteinander verbinden. Dabei muss er sich danach richten, welches Ergebnis die Zahlen bilden sollen. So taucht auf dem Bildschirm beispielsweise die Fünf auf. Anschließend gilt es innerhalb einer vorgegebenen Zeit, Zahlen auf dem Spielfeld zu kombinieren, die zusammen das gewünschte Ergebnis ergeben. Nach und nach werden die gestellten Aufgaben immer komplexer. Durch die minimalistische Optik und die Zahlen, die an Stationen erinnern, weckt das Spiel Erinnerungen an das beliebte U-Bahn-Strategiespiel "Mini Metro".

Für 1,99 Euro (Android) oder 2,29 Euro (iOS) von Opal Games: iOS, Android


Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

  • "Jagd auf Elysium: Das Ende der größten deutschen Kinderporno-Plattform" (zehn Leseminuten): Die Kollegen von "Vice" haben rekonstruiert, wie Ermittler die Kinder-Pornoplattform "Elysium" und deren Vorläufer "The Giftbox Exchange" zerschlagen haben - dabei kam auch ein umstrittener Zero-Day-Exploit zum Einsatz, allerdings erfolglos.

  • "This is Silicon Valley" (Englisch, vier Leseminuten): Sie arbeiten bei Tech-Konzernen wie Google, essen "$15 sushirritos" und denken an Selbstmord: Gloria Liou, die im Silicon Valley aufgewachsen ist, gibt in ihrem "Medium"-Essay Einblicke in das Leben privilegierter Valley Kids - und übt Kritik an der dortigen Gesellschaft.

  • "You could say I was selling him my emotions" (Englisch, sieben Minuten)
    Etwa 6,60 Euro plus Spesen kostet ein Freund, den man sich in Russland online mieten kann: Das Portal "Meduza" beleuchtet die russische Freundschaftsindustrie, die Autorin testet selbst, warum Miet-Freunde so beliebt sind. Doch manche Kunden fühlen sich danach noch einsamer als zuvor.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche,

Sonja Peteranderl

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
modemhamster 11.03.2019
1. Gut, dass das bei uns vollkommen unmöglich ist.
Wir speichern unsere Gesundheitsdaten ja dezentral und würden niemals eine zentrale Datenbank mit allen Gesundheitsdaten aufbauen. Auf so eine Idee kommen ja nur absolute Psychopathen. Oh, einen Moment...
NauMax 11.03.2019
2.
Zitat von modemhamsterWir speichern unsere Gesundheitsdaten ja dezentral und würden niemals eine zentrale Datenbank mit allen Gesundheitsdaten aufbauen. Auf so eine Idee kommen ja nur absolute Psychopathen. Oh, einen Moment...
Die Möglichkeit dazu ist eine Sache (mit ausreichend Aufwand und krimineller Energie ist einiges möglich), es dann aber auch tatsächlich umzusetzen - besonders als ein Land, welches als "fortschrittlich" betrachtet werden will, am Ende dann aber doch auf Maoistische Methoden zurückgreift - ist etwas völlig anderes. Wobei es hierzulande sicher auch Parteien gibt, die sich für derartige Informationen interessieren.
evalotta 11.03.2019
3.
Chinnesischer Überwachungswahn in Reinkultur. Ich denke die arbeiten daran zu planen wer mit wem Kinder bekommen soll. Die sind da halt so drauf...
three-horses 11.03.2019
4. Menschen über den Zaun weg.
Zitat von evalottaChinnesischer Überwachungswahn in Reinkultur. Ich denke die arbeiten daran zu planen wer mit wem Kinder bekommen soll. Die sind da halt so drauf...
Suchen Sie mal innerhalb WhatsApp, habe über Ali, dachte das ist eine Geschäft Verbindung, war auch, nur eine andere.
ZwenAusZwota 12.03.2019
5. Deutsche Datenschutztaliban sterben aus
Leute gewöhnt euch endlich daran! In der digitalen Welt der Zukunft wird es keine Privatsphäre geben. Dieser so genannte „Datenschutz“ und die deutschen Datenschutztaliban haben bereits jetzt dafür gesorgt, dass Deutschland Schlusslicht bei der digitalen Entwicklung ist. Danke für Nichts!
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