Zensur von Gerüchten im Web: China löscht den Staatsstreich

Krisenmanagement auf chinesische Art: Nachdem Blogs und Diskussionsforen in China Gerüchte über einen Putschversuch verbreitet hatten, reagierte die Regierung mit dem Versuch, die Geschichte aus dem Netz zu tilgen. Dutzende Web-Seiten wurden geschlossen, Hunderttausende Kommentare gelöscht.

Chinas soziales Netzwerk Weibo (auf einem iPad): Viele Seiten wurden abgeschaltet Zur Großansicht
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Chinas soziales Netzwerk Weibo (auf einem iPad): Viele Seiten wurden abgeschaltet

Nach Gerüchten über einen Putschversuch haben die chinesischen Behörden innerhalb eines Monats ingesamt 42 Internetseiten abgeschaltet. Seit Mitte März seien zudem mehr als 210.000 Kommentare in Internet-Blogs gelöscht worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag.

Die Gerüchte über einen Staatsstreich wurden herumgereicht, nachdem der aufstrebende Politiker Bo Xilai als Chef der Kommunistischen Partei in der südwestlichen Metropole Chongquing entlassen worden war.

Die Entlassung Bos, der einst als aussichtsreicher Kandidat für einen Sitz im Ständigen Komitee des mächtigen Politbüros galt, wurde von Beobachtern als ein Zeichen für einen massiven Richtungsstreit innerhalb der Partei gewertet. Am Dienstag wurde Bo ganz aus dem Politbüro ausgeschlossen - laut Xinhua wegen mutmaßlicher "schwerer Disziplinarvergehen". Dieser Begriff wird in China in der Regel im Zusammenhang mit Korruptionsdelikten verwendet.

Die Polizei leitete darüberhinaus Ermittlungen gegen Bos Frau Gu Kailai im Zusammenhang mit der Ermordung eines britischen Geschäftsmannes in Chongqing ein.

Nach den Gerüchten über einen angeblichen Staatsstreich, die nach Bos Entlassung aufgekommen waren, hatte China die Internet-Zensur massiv verschärft. Anfang April mussten etwa zwei beliebte Kurznachrichtendienste kurzzeitig ihre Kommentar-Funktionen sperren. Sechs Menschen wurden festgenommen.

ore/AFP

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1. Staatsstreich ???
Der_Luedenscheider 12.04.2012
Der tatsächliche Grund ist kein geplanter "Staatsstreich". Die chinesische Regierung versucht zunehmend demokratische Kräfte, die sich über das Internet mobilisieren und bilden, zu unterbinden. Ganz besonders sind hier Blogs und User aus Hong Kong betroffen, die immer stärker offen gegen die Éinflussnahme Chinas auf die Meinungsfreiheit in Hong Kong protestieren. Es ist dabei zu beachten, dass es sich bei den demokratischen Kräften fast ausschliesslich um Menschen handelt, die in Hong Kong geboren sind, und nicht um zugezogene "Mainlander" aus China. Das ist ein ganz entscheidender und wichtiger Punkt. Die meisten Anhänger der demokratischen Partei in Hong Kong können nicht nach China reisen, weil sie die "ID Card" für China nicht erhalten... Es herrscht eine riesiges Konfliktpotenzial zwischen dem freien Hong Kong und China. Wöchentlich gibt es Demonstrationen von Hong Kong Chinesen gegen diese Einflussnahme von China vor dem im Western District in Hong Kong gelegenen Büro "Liaison Office of the Central Peoples Government in the Hong Kong Special Administrative Region", in dem die "Mainland" chinesische Regierung sitzt. Hier liegt auch einer der eigentlichen Gründe, warum z. B. Facebook in China geblockt wird. Die chinesische Regierung kann nicht so ohne weiteres eigene Leute in die Führungsetage bei Facebook einschleusen um die Mitglieder und ihre Meinungsäusserungen zu kontrollieren wie sie es bei dem eigenen sozialen Netzwerk tut. Das ist ein ziemlich heisses Eisen, deshalb wird es ja auch in der Öffentlichkeit von Regierungsseiten und Medien nicht so klar angepackt.
2. Zensur und Zerstörung
Hinrich7 12.04.2012
die chinesiche Regierung zensiert, läßt massakrieren und zerstören. wie z. B. der Artikel aus tibet.net Auszug vom9.4.2012 Since Chairman Mao invaded Tibet in 1951, China has also administered a vast military infrastructure across the Tibetan Plateau, which gives China a continuous border with Thailand, Burma, Bhutan, India, Nepal and Pakistan, and is now filled with military airfields and PLA battalions. In the looming age of “water wars”, China has a firm hand on the water tower of Asia. Wir dürfen hier in der BRD noch so etwas lesen, kommentieren und handeln. Die Regierungen im Westen küssen den Staatsführern Chinas allerdings bei jeder Gelegenheit die Füße.
3. Freiheit und Willkür
Hinrich7 12.04.2012
die Mächtigen in China nutzen alle erdenklichen Hilfsmittel, die durch Spionage, Patentverletzungen und Raub erhältlich sind. Wir Westler haben bereitwillig geliefert, narkotisiert durch den Markt. Wir merken überhaupt nicht wie sehr unser know-how abgezapft wird und schließlich in die Unterdrückungsapparate der chinesichen Regierung eingespeist werden. Zahlreiche Chinesen studieren an unseren Hochschulen technische Fächer, wie etwa Informatik, somit hat der Machtapparat Zugang zu allen technischen Methoden uns auszuhorchen, aber auch um Zensur im Netz möglichst effektiv zu gestalten. diese bodenlose Naivität deutscher und anderer westlicher Unternehmer, sowie der Hochschulen führt zu einer unglaublichen Verschiebung von Wissen direkt in die Zentrale der chinesischen Diktatur. In Tibet wird den Anrainerstaaten das Wasser abgegraben - mit deutscher Technologie, Wasserkriege werden die Folge sein. Die Zensur in China verhindert jegliche Information über diese Machenschaften.
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