Zensur von Gerüchten im Web: China löscht den Staatsstreich
Krisenmanagement auf chinesische Art: Nachdem Blogs und Diskussionsforen in China Gerüchte über einen Putschversuch verbreitet hatten, reagierte die Regierung mit dem Versuch, die Geschichte aus dem Netz zu tilgen. Dutzende Web-Seiten wurden geschlossen, Hunderttausende Kommentare gelöscht.
Nach Gerüchten über einen Putschversuch haben die chinesischen Behörden innerhalb eines Monats ingesamt 42 Internetseiten abgeschaltet. Seit Mitte März seien zudem mehr als 210.000 Kommentare in Internet-Blogs gelöscht worden, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Xinhua am Donnerstag.
Die Gerüchte über einen Staatsstreich wurden herumgereicht, nachdem der aufstrebende Politiker Bo Xilai als Chef der Kommunistischen Partei in der südwestlichen Metropole Chongquing entlassen worden war.
Die Entlassung Bos, der einst als aussichtsreicher Kandidat für einen Sitz im Ständigen Komitee des mächtigen Politbüros galt, wurde von Beobachtern als ein Zeichen für einen massiven Richtungsstreit innerhalb der Partei gewertet. Am Dienstag wurde Bo ganz aus dem Politbüro ausgeschlossen - laut Xinhua wegen mutmaßlicher "schwerer Disziplinarvergehen". Dieser Begriff wird in China in der Regel im Zusammenhang mit Korruptionsdelikten verwendet.
Die Polizei leitete darüberhinaus Ermittlungen gegen Bos Frau Gu Kailai im Zusammenhang mit der Ermordung eines britischen Geschäftsmannes in Chongqing ein.
Nach den Gerüchten über einen angeblichen Staatsstreich, die nach Bos Entlassung aufgekommen waren, hatte China die Internet-Zensur massiv verschärft. Anfang April mussten etwa zwei beliebte Kurznachrichtendienste kurzzeitig ihre Kommentar-Funktionen sperren. Sechs Menschen wurden festgenommen.
ore/AFP
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