Verurteilung nach Yahoo-Verrat Chinesischer Journalist vorzeitig aus Gefängnis entlassen

Nachdem Yahoo seine E-Mails an die chinesische Regierung weitergegeben hatte, wurde der regimekritische Journalist Shi Tao 2005 zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt. Nun wurde er frühzeitig aus der Haft entlassen.

Journalist Shi Tao (Archivbild): Vorzeitige Freilassung
DPA/ Committee to Protect Journalists

Journalist Shi Tao (Archivbild): Vorzeitige Freilassung


Peking - Der chinesische Journalist Shi Tao, der 2005 wegen seiner durch Yahoo weitergegebenen E-Mails zu einer Haftstrafe verurteilt wurde, ist aus dem Gefängnis entlassen worden. Dies teilte der Autorenverband Independent Chinese Pen Center mit.

Shi kam demnach am 23. August frei - 15 Monate vor dem Ende seiner Haftstrafe. Warum die Gefängnisstrafe verkürzt wurde, wurde nicht bekannt.

Shi war 2004 nach regierungskritischen Äußerungen auf dem Yahoo-Messageboard von den chinesischen Behörden verhaftet und ein Jahr später wegen angeblicher "Verbreitung von Staatsgeheimnissen" zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt worden. Dies war nur möglich, weil Yahoo den Strafverfolgern den Klarnamen des Journalisten mitgeteilt hatte.

Bei den weitergeleiteten Informationen ging es um ein Memo der chinesischen Regierung zur eingeschränkten Berichterstattung über einen Gipfel zum Thema Menschenrechte in den USA.

Für die Weitergabe der E-Mails war Yahoo von Menschenrechtsaktivisten und den US-Behörden scharf kritisiert worden. Der US-Internetkonzern hatte die Vorwürfe bestritten und argumentiert, dass man vom chinesischen Gesetz her verpflichtet sei, der Regierung Information weiterzugeben.

Shis Familie klagte zusammen mit den Angehörigen des Dissidenten Wang Xiaoning, der nach einem ähnlichen Vorgang verhaftet und verurteilt worden war, gegen Yahoo. Im Jahr 2007 wurde der Rechtsstreit nach einem Vergleich beigelegt. Yahoo-Chef Jerry Yang entschuldigte sich bei Shis Familie.

Seit dem vergangenen Monat verzichtet Yahoo auf einen eigenen E-Mail-Service und verweist seine User an Alibaba, die größte chinesische Internethandelsplattform. Das Unternehmen gehört zu knapp einem Viertel Yahoo.

gam/AP



insgesamt 5 Beiträge
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NLPete 08.09.2013
1. Ausgerechnet die US-Behörden...
.... kritisierten Yahoo. Voll der Lacher, wenn man sieht, wie sie den Manning folterten und für Ewigkeiten Gefängnis verurteilten. Und die Menschenjagd auf Edward Snowden. Die USA stellen China bzgl. Menschenrechtsverletzungen doch weit in den Schatten, weil sie sie eben nicht nur auf eigenem Territorium begehen, sondern weltweit.
Ratunde 08.09.2013
2. optional
Der Mann war mehr als acht Jahre in Haft. Und das nennen Sie "frühzeitig"?!
guteronkel 08.09.2013
3. optional
Was kann der deutsche Yahoo-Nutzer tun? Richtig: Yahoo nutzen, schauen, wer dort auf Yahoo Werbung betreibt und genau diese Firmen boykottieren. Das verlangt natürlich Konsequenz und Ausdauer, aber es wird sich lohnen.
rompipalle 09.09.2013
4. Dieser Mann sollte Yahoo...
Jetzt in den USA vor Gericht zerren bis zum letzten Atemzug!!!
meinungmeine 01.10.2013
5. Weiter Hintergründe zu Shi Tao
Vor dem US Kongress gab es im Zusammenhang mit der Verurteilung und Inhaftierung von Shi Tao und weiteren Betroffenen denkwürdige Anhörungen 2006 und 2007. Bei der ersten dieser beiden Anhörungen waren auch Microsoft, Cisco und Google geladen. Trotz der Prominenz von Yahoo! bei Internetnutzern weltweit, insbesondere hinsichtlich der Nutztung der Emailservices, gab es damals nur eine sehr geringe öffentliche Wahrnehmung dieser Vorgänge. Nach langer Recherche konnte ich gerade mal zwei Protestseiten auffinden. Jim Etchinson ( http://booyahoo.blogspot.de/ ) betreibt die bekanntere. Eine weitere ist ( http://www.boycottyahoo.com/ ). Als ich mir die damaligen Anhörungen angeschaut hatte, war ich so fassungslos angesichts der Äußerungen des Chefjuristen von Yahoo! Michael Callahan wie auch weiterer Äußerungen von Vertretern der anderen geladenen Firmen, dass ich die verfügbaren Materialien gerne in zusammengefasster und aufbereiteter Form auf einer Webseite zur Verfügung stellen wollte, mit dem Ziel, eine dauerhafte Verlinkung im Yahoo!-Eintrag von Wikipedia zu erreichen. Die gesammelten Video- und Textmaterialien finden sich nachwievor auf meinem Webserver unter http://kraak.info/yahoo/ , unter anderem auch die vollständigen Kongressanhörungen.
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