Überwachung in China 364 Millionen Chats und Social-Media-Daten aus Internetcafés geleakt

Millionen Datensätze aus sozialen Netzwerken waren in China online zugänglich. Das Datenleck offenbart, in welchem Ausmaß das Land Internetcafés überwacht.

Internetcafé in Fuyang, China (Symbolbild)
REUTERS

Internetcafé in Fuyang, China (Symbolbild)


Der Sicherheitsforscher Victor Gevers von der niederländischen GDI-Stiftung hat eine offen zugängliche Datenbank entdeckt, die 364 Millionen Datensätze zu Social Media-Konten und Online-Aktivitäten enthält. Die Stiftung bezeichnet sich als gemeinnützige Organisation, die auf Sicherheitslücken aufmerksam macht.

In der Datenbank finden sich Chats zwischen Jugendlichen, Social-Media-Profile, GPS-Daten, Dateiübertragungen, Fotos und Personalausweisnummern. In vielen Datensätzen waren auch die Namen und Adressen von Internetcafés vermerkt, in denen die Social-Media-Aktivitäten stattgefunden haben. Das riesige Leak offenbart, wie engmaschig China auch die Nutzer von Internetcafés überwacht.

Überwachung im Internetcafé

In den vergangenen Jahren hat China die Kontrolle von Internetcafés verstärkt. Nach chinesischem Recht müssen sie die Identitäten sowie "relevantes" Online-Verhalten der Nutzer speichern und auf Aufforderung an die Behörden weitergeben. Die jetzt geleakte Datenbank ist der Nachrichtenagentur AFP zufolge mit einem sogenannten Internetcafé-Management-System der IT-Firma HeadBond.com verknüpft.

"Sie wissen genau wer, wann, wo und was", sagte Gevers der Nachrichtenagentur. Täglich gingen von der Zentraldatenbank aus Tausende von Online-Aufzeichnungen an 17 weitere Server, damit die zuständigen Strafverfolgungsbehörden sie einsehen können.

Die Datenbank ist inzwischen nicht mehr öffentlich zugänglich, Gevers hatte die Betreiber direkt nach seiner Entdeckung informiert. "Unser größtes Bedenken war, den Anbieter schnellstmöglich zu alarmieren, und die Seite wurde sehr schnell geschlossen", sagte der Sicherheitsforscher zur "Financial Times".

Kürzlich hatte Gevers bereits auf ein anderes Datenleak in China aufmerksam gemacht. Er konnte mehrere Millionen Datensätze einer chinesischen Firma einsehen, die Gesichtserkennungssoftware herstellt. Daten wie Personalausweisnummern waren verfügbar, aber auch Angaben dazu, wo die Betroffenen in den vergangenen 24 Stunden von einer Kamera erfasst worden waren.

sop/AFP



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