Shanghai: China will zensurfreie Zone einrichten
Die chinesische Regierung will ihre scharfe Internetzensur in einer geplanten Freihandelszone offenbar lockern. In China blockierte Angebote wie Twitter und Facebook sollen dort frei nutzbar sein. Auslöser für den Vorstoß ist allerdings nicht die Bemühung um mehr Demokratie.
Die in Shanghai geplante Freihandelszone soll sich offenbar nicht nur hinsichtlich der wirtschaftlichen Regeln vom Rest Chinas unterscheiden. Einem Bericht der "South China Morning Post" zufolge soll in der Sonderwirtschaftszone auch die Internetzensur gelockert werden. Unter anderem würden dadurch die Angebote von Facebook, Twitter und der "New York Times" nutzbar, die von den Zensoren seit Jahren aus den Netzwerken des chinesischen Festlands ausgesperrt werden.
Die in Shanghai geplante Freihandelszone ist von der Regierung in Peking als Pilotprojekt geplant. Knapp 30 Quadratkilometer wird das Gebiet in Pudong mit dem Tiefseehafen Yangshan, dem internationalen Flughafen und dem zollfreien Gebiet Waigaoqiao umfassen. Neben einem Wirtschaftszentrum soll dort auch ein neues Finanzzentrum entstehen. Der "South China Morning Post" zufolge soll das Gebiet unter anderem dazu dienen, die Wirksamkeit von Finanz- und Wirtschaftsreformen zu testen.
Ein Test dürfte es auch sein, dass die Behörden offen für Angebote ausländischer Provider zur Internetversorgung des Gebiets sein sollen. Es wäre wohl das erste Mal, dass ein ausländisches Internetunternehmen die lokalen Anbieter ausstechen könnte. Dem Bericht zufolge würden Unternehmen wie China Mobile und China Telekom gegen solche Pläne nicht aufbegehren, weil das Projekt bei der chinesischen Führung einen hohen Stellenwert hat.
Eine Geste für die Gäste
Allerdings leidet das Projekt schon vor seinem geplanten Start am 29. September unter Schwierigkeiten. Erst vor wenigen Tagen berichteten die staatliche Tageszeitung "China Daily" und Medien aus Hongkong, es seien noch "größeren Hürden" zu überwinden. Investoren würden noch Monate oder sogar bis 2014 warten müssen, bevor sie schrittweise die geplanten Richtlinien für die neue Zone erfahren.
Dass sich durch die Lockerung der Zensurbestimmungen in einem definierten Areal in Shanghai etwas für die große Mehrheit der chinesischen Bevölkerung ändern wird, ist ohnehin nicht zu erwarten. Als Grund für die zusätzliche Freiheit im Internet sind eher Klagen von Ausländern zu sehen, die sich auf privaten oder geschäftlichen Reisen durch China daran stoßen, dass sie nicht im gewohnten Umfang auf Onlinedienste wie Google zugreifen können. Genau das will man Mitarbeitern ausländischer Firmen in der Freihandelszone nicht zumuten. Aber eben auch nur dort.
mak
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Netzwelt
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Netzpolitik
- RSS
- alles zum Thema Chinas Internet-Zensur
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
für die Inhalte externer Internetseiten.
- Christian Stöcker:

Spielmacher
Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.
Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.Kindle Edition: 1,99 Euro.
- Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.
MEHR AUS DEM RESSORT NETZWELT
-
Best of Web
Netz-Fundstücke: Was Sie im Internet unbedingt sehen müssen -
Silberscheiben
Das lohnt sich: Die besten CD- und DVD-Schnäppchen -
Bilderwelten
Bessere Fotos: So holen Sie ganz einfach mehr aus Ihren Bildern raus -
Angefasst
Gadget-Check: Handys und anderes Spielzeug in Matthias Kremps Praxistest -
Angespielt
Game-Tipps: Spiele für Computer und Konsole im SPIEGEL-ONLINE-Test
