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05. Dezember 2013, 14:48 Uhr

Internetwährung

Chinas Notenbank verbietet Banken Bitcoin-Geschäfte

Chinesische Banken dürfen nicht mehr mit der virtuellen Währung Bitcoin handeln. Die Zentralbank des Landes fürchtet, das digitale Geld könnte zu kriminellen Zwecken genutzt werden. Auch in Europa warnen Zentralbanken vor Bitcoin - aus ganz anderen Gründen.

Peking - Chinas Zentralbank hat den Finanzinstituten des Landes Transaktionen mit der virtuellen Währung Bitcoin verboten. "Die Institutionen sollten keine Geschäfte mit Bitcoin aufnehmen", teilte die Notenbank am Donnerstag in Peking mit. Beim Bitcoin handle es sich um ein hochspekulatives Online-Produkt und keine verlässliche Währung, warnte die Zentralbank.

Der Schritt sei nötig, um Geldwäsche und anderen kriminellen Geschäften mit Bitcoin entgegenzuwirken, hieß es in der Mitteilung. Zusammen mit fünf Ministerien sei ein Leitfaden für den Umgang mit dem Digitalgeld entwickelt worden, der strenge Beschränkungen vorsieht. Allerdings würden damit Bitcoin in China nicht komplett verboten. Im Internet dürfen Nutzer weiterhin Bitcoin nutzen, aber nicht in die chinesische Währung Yuan umtauschen.

Vergangene Woche war der Kurs der Digitalwährung erstmals über die 1000-Dollar-Marke gestiegen - Anfang 2013 lag der Wert noch bei 13 Dollar.

Bitcoin sind virtuelle Geldeinheiten, deren Wert an keine andere Währung gekoppelt ist. Laut Angabe mehrerer Handelsplattformen ist China der mit Abstand wichtigste Markt für Bitcoin. Die Plattform BTCChina gilt als die größte der Welt und wickelt täglich Transaktionen im Wert von 60 Millionen US-Dollar ab. Damit soll sie ein Drittel des weltweiten Bitcoin-Geschäftes abdecken.

Bitcoin-Hype in China

Einen Grund für den Erfolg in China sehen Finanzexperten im chinesischen Finanzsektor, der sehr strengen Kontrollen unterworfen ist. "Die Investmentmöglichkeiten in China sind sehr begrenzt", sagt Analyst Liu Xiao. Während sich die chinesische Währung nicht einfach umtauschen lässt, können dank Bitcoin große Geldmengen auch unmittelbar im Ausland angelegt werden. Zudem erfreue sich der Bitcoin eines regelrechten Hypes in China, sagte Liu.

Derzeit seien weltweit Bitcoin im Wert von rund fünf bis sechs Milliarden Dollar im Umlauf, schätzte Liu. Das stelle keine grundlegende Bedrohung für den Finanzmarkt dar. Die Zentralbank ergreife eine reine Vorsichtsmaßnahme. Damit setze sie aber auch ein Zeichen. "Es gibt eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass andere internationale Finanzregulatoren nachziehen werden", sagte Liu.

Es ist nicht klar, wer Bitcoin ursprünglich ins Leben gerufen hat. Die Währung kann auf Handelsplattformen im Netz mit Währungen wie Euro oder Dollar gekauft werden. Sie wird in einigen Geschäften und Restaurants als Zahlungsmittel akzeptiert. Die Idee dahinter ist ein Zahlungsverkehr, der unabhängig von Regierungen und Notenbanken funktioniert.

Genau aus diesem Grund warnte jetzt auch die französische Zentralbank vor der Internetwährung. Aufgrund des stark schwankenden Wechselkurses und der fehlenden Bindung an reales Geld oder andere Wirtschaftsgüter berge die Währung hohe Risiken. Zudem, so die die Zentralbank, bestehe die Gefahr, dass Kriminelle die online angelegten Bitcoin-Konten ausrauben könnten. Genau das ist in der Vergangenheit schon mehrfach geschehen.

mak/dpa-AFX

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