Kritik an US-Überwachung: Chinas Staatsmedien feiern Prism-Enthüller Snowden

China gibt seine Zurückhaltung in Bezug auf das Internet-Schnüffelprogramm der USA auf. Staatsmedien wettern gegen Washington - und loben Prism-Enthüller Edward Snowden für den "Kampf gegen das System". Er sei "brillant" wie Julian Assange.

Xinhua-Karikatur: Freiheitsstatue als Ratte, "Whistleblower willkommen" Zur Großansicht

Xinhua-Karikatur: Freiheitsstatue als Ratte, "Whistleblower willkommen"

Peking - Im Skandal um massive US-Internetüberwachung haben Chinas Staatsmedien die USA scharf kritisiert. Die Enthüllung der Spionageprogramme zeige einmal mehr die arrogante Seite der USA, schrieb die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua am Freitag. "Das falsche Image der USA von 'Demokratie, Freiheit und Menschenrechten' fällt in sich zusammen", hieß es in dem Bericht. Der Fall zeige die "Scheinheiligkeit und Arroganz" der USA, schrieb die chinesische Tageszeitung "Global Times".

In einem Kommentar hieß Xinhua dafür den NSA-Enthüller Edward Snowden in China willkommen: "Diese Leute sind zu brillant, um eingesperrt zu werden." In dem Text wurde Snowden in eine Reihe mit dem mutmaßlichen Wikileaks-Informanten Bradley Manning und Wikileaks-Gründer Julian Assange gestellt. "Sie stehen alle für den tapferen Kampf gegen das System."

Xinhua nimmt genüsslich all die Appelle und Sonntagsreden auseinander, in denen US-Politiker China immer wieder Internet-Überwachung und Zensur vorgeworfen haben, etwa die große Rede, die Hillary Clinton im Jahr 2010 zum Thema Netzfreiheit gehalten hatte. Auch Google bekommt in dem Kommentar eine Ohrfeige ab. Der Suchmaschinenkonzern hatte 2010 massive Eingriffe in sein E-Mail-System von chinesischen Rechnern aus beklagt und damit einen vorübergehenden Rückzug aus China begründet. Xinhua: "Wenn Google seinen vergangenen Aussagen treu bleiben will, bietet das Prism-Programm dem Internetgiganten weit mehr Anlass zum Handeln."

Ratte, als Freiheitsstatue verkleidet

Illustriert ist der Xinhua-Kommentar mit einer Karikatur: Darauf lüftet eine Ratte im Kostüm der Freiheitsstatue eine chinesische Fahne, die vor einem Computermonitor hängt, um dahinter zu sehen.

Da Snowden sich mit geheimen NSA-Dokumenten nach Hongkong abgesetzt hatte, müssten letztlich die chinesischen Behörden über einen möglichen Auslieferungsantrag der USA entscheiden. US-Ermittler prüften bereits, ob Snowden mit chinesischen Geheimdiensten zusammengearbeitet habe - noch hätten sie aber keine Anhaltspunkte dafür, schrieb die Finanznachrichtenagentur Bloomberg.

Nach den Enthüllungen des Informanten Snowden hatte sich China zunächst zurückgehalten. "Wir haben leider keine Informationen dazu anzubieten", sagte die Sprecherin des Außenministeriums, Hua Chunying, am Donnerstag in Peking auf wiederholte Fragen von Journalisten. Chinesische Spitzenpolitiker äußern sich selten direkt zu aktuellen politischen Ereignissen. Daher werten Beobachter die Veröffentlichungen der Staatsmedien als indirekte Äußerungen der Pekinger Regierungsspitze.

Die "Global Times" wertete den 29-Jährigen nun als Chance für China: "Die chinesische Regierung sollte mehr harte Informationen von Snowden bekommen, falls er sie hat, und die Beweise in Verhandlungen mit den USA nutzen."

"Was er macht, ist von großem Nutzen für die Welt"

Snowdens Wissen zu nutzen, werde die Beziehungen zwischen China und den USA nicht nachhaltig belasten, da Washington vermutlich das Gleiche machen würde, vermutete "Global Times" weiter. "Snowden ist ein politischer Übeltäter gegen die USA, aber was er macht, ist von großem Nutzen für die Welt." Die öffentliche Meinung werde sich gegen Chinas Zentralregierung und die Verwaltung von Hongkong richten, falls Snowden an die USA aufgeliefert würde.

Der ehemalige Mitarbeiter einer Zulieferfirma des US-Geheimdiensts NSA hatte mit seinen Enthüllungen den amerikanischen Spionageskandal ins Rollen gebracht. Er floh in die chinesische Sonderverwaltungsregion Hongkong und hält sich derzeit an einem unbekannten Ort auf. In einem Interview mit der Hongkonger Zeitung "South China Morning Post" sagte Snowden, dass der US-Abhördienst NSA seit 2009 versucht habe, sich Zugang zu Hunderte Zielen in China und Hongkong zu verschaffen.

cis/dpa

Diesen Artikel...
  • Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.
  • Auf anderen Social Networks teilen

Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 50 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1. Gut
Nicht ausspionierbar 14.06.2013
Ich denke in China würde ich, bei dem Angebot auch einwandern, wenn alle anderen schon mich am liebsten tot sehen würden.
2. Asylfrage geklärt
Pinsel 14.06.2013
Zitat von sysopChina gibt seine Zurückhaltung in Bezug auf das Internet-Schnüffelprogramm der USA auf. Staatsmedien wettern gegen Washington - und loben Prism-Enthüller Edward Snowden für den "Kampf gegen das System". Er sei "brillant" wie Julian Assange. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/chinas-staatsmedien-preisen-prism-whistleblower-snowden-a-905781.html
Damit ist die Asylfrage wohl geklärt. Ist Snowden nicht sowieso schon in Hong Kong? Besser geht es doch gar nicht. Einen tollen Job werden sie ihm wohl außerdem anbieten. Einziger Wermuttropfen, seine Welt reduziert sich fortan auf China oder was davon beherrscht wird.
3.
irobot 14.06.2013
Zitat von sysopChina gibt seine Zurückhaltung in Bezug auf das Internet-Schnüffelprogramm der USA auf. Staatsmedien wettern gegen Washington - und loben Prism-Enthüller Edward Snowden für den "Kampf gegen das System". Er sei "brillant" wie Julian Assange. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/chinas-staatsmedien-preisen-prism-whistleblower-snowden-a-905781.html
Ausgerechnet die Chinesen. *Kopfschüttel*
4. Es ist schon krank...
kantundco 14.06.2013
..das Snowden jetzt von der einen zur anderen Diktatur wechseln muss. Er wandelt sich dadurch im öffentlichen Ansehen vom Freiheitskämpfer zum Spion und Vaterlandsverräter. Aber man hat ihm keine Wahl gelassen. Schande über Obama, der doch mal groß geredet hat, er wolle Whistleblower besser schützen. Da war sogar der hummeldoofnaive Bush II geradliniger!
5.
pepe_sargnagel 14.06.2013
Zitat von sysopChina gibt seine Zurückhaltung in Bezug auf das Internet-Schnüffelprogramm der USA auf. Staatsmedien wettern gegen Washington - und loben Prism-Enthüller Edward Snowden für den "Kampf gegen das System". Er sei "brillant" wie Julian Assange. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/chinas-staatsmedien-preisen-prism-whistleblower-snowden-a-905781.html
Schon witzig - die Regierungen bewerfen sich gegenseitig mit Schmutz. Dabei haben all diese Regierungen das Wohl der Bürger längst aus dem Auge verloren und versuchen nun nur mit "die anderen aber sind noch schlimmer" das alles zu kaschieren. Durchschaubar, aber es wirkt sicherlich!
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema NSA-Programm Prism
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2013
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH



  • Drucken Senden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 50 Kommentare
Zum Autor


Fotostrecke
Edward Snowden: Spurensuche im Netz

Anzeige
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher

    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    SPIEGEL E-Book; 2,69 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon kaufen.