Chrome Filter Das hat es mit Googles Werbefilter auf sich

Am Donnerstag bekommt Googles Webbrowser Chrome einen Werbefilter. Dazu, dass Chrome-Nutzer fortan keine Onlinewerbung mehr sehen werden, führt die Funktion aber nicht.

Acht von zwölf als besonders nervig geltenden Werbeformen

Acht von zwölf als besonders nervig geltenden Werbeformen


Mit einem weichen Werbefilter gegen harte Werbeblocker - so lässt sich sinngemäß eine neue Strategie von Google beschreiben. Damit Nutzer sich keine Adblocker herunterladen, will der Konzern besonders nervige Werbung in seinem Webbrowser Chrome künftig automatisch ausblenden.

Am Donnerstag wird der Browser um den sogenannten Chrome Filter erweitert. Diese Funktion filtert auf dem Smartphone beispielsweise Werbevideos aus, die automatisch und mit Sound starten. Insgesamt soll die neue Funktion dafür sorgen, dass zwölf Arten von Anzeigen von Websites verschwinden, darunter auch die seit Jahren unbeliebten, aber im Netz noch immer anzutreffenden Pop-ups.

Chrome ist mit einem Marktanteil von rund 56 Prozent der mit Abstand meistgenutzte Browser weltweit. Google hat im Online-Anzeigengeschäft eine mächtige Stellung: Für Unternehmen aus der Medien- und Werbebranche ist der Vorstoß des Konzerns also von großer Bedeutung.

"Kurzfristig ziehen wir daraus keinerlei Nutzen", sagt Google-Manager Michael Todd zum Chrome Filter. Sein Konzern will mit der Initiative aber langfristig seinen Teil dazu beitragen, dass Chrome-Nutzern beim Surfen möglichst wenig Werbung derart negativ auffällt, dass sie mit dem Gedanken spielen, sich einen klassischen Werbeblocker zu installieren. Denn Werbeblocker, die konsequent alle Werbung zu blocken versuchen, sind am Ende auch für Google und sein Anzeigengeschäft ein ernsthaftes Problem.

Nicht nur Google

Der neue Chrome-Werbefilter ist daher künftig standardmäßig aktiviert. Google hebt in dem Kontext hervor, dass das Unternehmen nicht allein darüber bestimme, welche Anzeigen aussortiert werden. Vielmehr folge man den Better Ad Standards, Regeln, die von der sogenannten "Coalition for Better Ads" aufgestellt wurden. Hinter dem Namen verbirgt sich eine Branchenvereinigung, zu der neben Google beispielsweise auch Microsoft, die "Washington Post" und Axel Springer gehören.

Im Vergleich zu anderen Programmen ist Googles Filter vergleichsweise durchlässig. Tätig wird er nur auf Webseiten aus Nordamerika und Europa sowie auf andernorts angesiedelten Seiten, die aber hauptsächlich aus einem Land in diesen Regionen aufgerufen werden. Werbung, die nicht in einer der zwölf Kategorien der schwarzen Liste angesiedelt ist, wird ebenfalls weiter an den Nutzer ausgespielt.

Für Nutzer bedeutet Googles Vorstoß, dass viele der größeren und seriösen Websites künftig wohl nicht viel anders aussehen werden als bisher. Etliche Internetangebote wurden von der "Coalition for Better Ads" nämlich schon vor längerer Zeit mit der Idee des Chrome Filters vertraut gemacht: Sie hatten so die Chance, rechtzeitig zur Einführung der Funktion besonders nervige Werbung loszuwerden.

Automatische Prüfungen

Für Inhalteanbieter, auf deren Seiten bei automatischen Prüfungen nach Coalition-Definition eine gewisse Anzahl nerviger Anzeigen entdeckt wird, hat sich die "Coalition for Better Ads" einen Bestrafungsmechanismus überlegt: Verschwindet die problematische Werbung nicht 30 Tage nach einem entsprechenden Hinweis von der jeweiligen Seite, filtert der Chrome Filter fortan auch alle weiteren Anzeigen von der Seite aus, inklusive der Google-Anzeigen.

Darüber, ob sie problematische Werbung auf der Seite haben, informiert die "Coalition for Better Ads" Website-Betreiber mit einem Online-Tool, dem sogenannten Ad Experience Report. Nutzer können den Chrome-Filter auf Wunsch wahlweise für einzelne Seiten oder insgesamt händisch deaktivieren.


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mbö/dpa



insgesamt 27 Beiträge
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Seite 1
marcst 14.02.2018
1. AdBlocker vs. Tracking
Ich habe kein Problem mit Online-Werbung. Aber ich lasse mich nicht tracken. Solange SPON Tracker verwendet, bleibt mein Blocker eingeschaltet.
Affenhauptmann 14.02.2018
2. Werbung wurde übertrieben
Wenn die Anbieter es mit der Werbung nicht so dermaßen übertrieben hätten, dann hätten sich Werbeblocker auch nie durchgesetzt. Jetzt ist es aber zu spät.
carlohh 14.02.2018
3. Spiegel Ads werden also geblockt
Der SPON hat es also geschafft dass Werbung selbst von dem "weichen Werbeblocker" von Chrome geschlöscht werden müssen weil sie besonders nervig sind. Lustig dass das nun endlich auch dem SPON aufgeht was Leute echt nervt (Beispiel man hört mit einem Smartphone Musik) und weil man SPON aufruft hört man stattdessen nervige Werbung und ehrlich das hätte jedem auch vorher aufgehen können, dass derartiges nicht ohne Gegenwehr bleibt. Das nächste große Thema ist Trackingabwehr.
C. V. Neuves 14.02.2018
4. Blink, blink!
Da habe ich unlängst den Browser neuinstalliert und war, wie ich eben so bin, zu faul den Adblocker auch wieder aufzuladen. Da hat es dann geblingt und geblinkt wie in einer Geisterbahn - und kurz darauf ist mein alter Computer überhitzt abgestürzt. Andere wären da sofort zum Fachmarkt abgezogen und hätten einen neuen Computer gekauft. Ich nicht.
bimbambum 14.02.2018
5. tja
der Großteil der Werbung auf SPON wird dem dann wohl zum Opfer fallen. Von selbst laufende Videos, 50% der Seite (also der rechte Rand) komplett mit animierter Werbung, in den Artikeln zwischen jedem Absatz irgendwas was sich bewegt, da seid ihr selbst schuld dran. Hoffentlich ist bald Donnerstag und diese Werbeformen sterben aus...
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