"Consent of the Networked": Zum ewigen Netzfrieden

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Sie warnt vor Facebookistan und Googledom: Netzpolitik-Forscherin Rebecca MacKinnon fürchtet um die Freiheit im Internet. In ihrem Buch fordert sie eine politische Bewegung, um Konzernen und Staaten etwas entgegenzusetzen.

Eigentlich könnte es ganz einfach sein: Das Internet ist für alle da, Daten fließen unbehelligt durch die Leitungen, die Menschen rücken ein bisschen dichter zusammen und lernen endlich ein friedlicheres Miteinander. Das Internet sorgt vielleicht nicht für Volksaufstände, aber Bilder und Videos von Revolutionen finden ihren Weg in unsere Wohnzimmer.

Das Internet kann dann zu einem mächtigen Werkzeug werden. Was aber, wenn ein politischer Aktivist in Ägypten die Fotos von Agenten des Mubarak-Regimes auf die Foto-Plattform Flickr hochlädt - und die Seitenbetreiber diese Fotos löschen, mit Verweis auf die Nutzungsbedingungen? Wenn Google gerne in China Geschäfte machen will - und sich dafür an die Zensurvorgaben der Regierung halten muss? Wenn bei Facebook Firmen- vor Nutzerinteresse geht?

Darüber schreibt Netzpolitik-Forscherin Rebecca MacKinnon, die als Journalistin für CNN in China und Japan gearbeitet hat, in "Consent of the Networked", das bisher nicht auf Deutsch erschienen ist. Das Internet, so ist es vielerorts zu hören, soll die Welt gerechter und freier machen. Auch MacKinnon möchte das glauben, kommt in ihrem Buch aber zu einem anderen Schluss.

Denn auch Regierungen bekommen mit dem Netz ein neues Werkzeug zur Überwachung ihrer Bürger in die Hand. Die autoritäre chinesische Führung zum Beispiel hat gelernt, mit der neuen Technik umzugehen und Online-Dissidenten ins Gefängnis zu bringen.

MacKinnon mahnt mangelnde Transparenz und Kontrolle bei der Regulierung des Internets an. Sie kritisiert Konzerne, die mehr auf ihren Umsatz achten als auf die Interessen der Nutzer. Die beiden derzeit wohl wichtigsten Firmen, die Internet-Herrscher, nennt sie "Facebookistan" und "Googledom". An sie, fordert MacKinnon, müssen Ansprüche gestellt werden, die Konzerne sollen sich gegenüber den Netznutzern mehr als bisher verantworten.

Das geschieht nicht von selbst, und einzelnen Staaten oder die Uno richten es auch nicht. MacKinnon fordert deshalb eine politischen Bewegung, die sich für Internet-Freiheit einsetzt. Dabei ist sie realistischer als kommerzferne Netz-Utopisten und träumende Hacker. Internet-Freiheit ist, dafür gibt es jeweils schlüssige Argumente in diesem Buch, kompliziert, notwendig und in Gefahr.

Warum lesen? Internet-Freiheit ist mehr als die plumpe Forderung nach "in Ruhe gelassen werden" von Konzernen und Staaten. MacKinnon zeigt, welche Probleme und Fragen es zu klären gibt und warum es sich lohnt, für die Freiheit im Netz zu streiten.

Zweite Meinung: "MacKinnon schreibt nicht einfach eine Analyse, sie erzählt eine Geschichte" (ArsTechnica)

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