Von Konrad Lischka und Ole Reißmann
Zehntausende Menschen haben am Wochenende gegen Acta protestiert. Allein in München kamen 16.000 Demonstranten bei Minusgraden zusammen, um sich gegen das internationale Abkommen und für die Freiheit im Internet auszusprechen. Die Rede ist von geheimen Verhandlungen, ominösen Zusatzprotokollen und dem "Geist" von Acta. Im polnischen Parlament protestieren Abgeordnete mit Anonymous-Masken. Doch worum geht es dabei? Antworten auf die wichtigsten Acta-Fragen:
Was ist Acta?
Acta steht für Anti-Counterfeiting Trade Agreement. Dabei handelt es sich um ein internationales Abkommen, mit dem Ziel, Urheberrechte international durchzusetzen. Die Verhandlungen von 2008 bis 2010 wurden intensiv von Interessengruppen, etwa den Branchenverbänden der Film- und Musikindustrie in den USA begleitet.
Die Vorbereitungen für Acta begannen mit dem G-8-Gipfel 2006. Die Verhandlungen zwischen Europäischer Union, Australien, Kanada, Japan, Korea, Mexiko, Marokko, Neuseeland, Singapur, Schweiz und den USA begannen im Juni 2008 - und waren geheim. Stellvertretend für die Mitgliedstaaten der EU verhandelte die Kommission. Am 16. Dezember 2011 gab der EU-Ministerrat seine Zustimmung. Am 26. Januar 2012 wurde das Abkommen in Japan von 22 Mitgliedstaaten unterzeichnet. Deutschland und vier weitere Länder fehlten nur aus formalen Gründen.
Acta ist ein "gemischtes" Abkommen, das sowohl von den Mitgliedstaaten wie auch vom EU-Parlament ratifiziert werden muss. Im Februar 2012 erklärten mehrere Regierungen angesichts großer Proteste, sie würden den Ratifizierungsprozess vorerst stoppen. Dazu gehört neben Polen, Tschechien, Lettland und der Slowakei mittlerweile auch Deutschland. Zunächst will die zuständige Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger die Entscheidung des EU-Parlaments abwarten.
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