Copyright-Kampf: Umstrittenes Sopa-Gesetz muss pausieren

Die Zeichen mehren sich, dass einem in den USA höchst umstrittenen Internetgesetz die Puste ausgeht. Mit Sopa sollten Copyright-Verletzer im Ausland bekämpft werden - nun wenden sich wichtige Unterstützer des Vorhabens ab. Doch ein ähnliches Gesetz ist noch in Arbeit.

Washington - Unter Internet-Aktivisten und Branchenvertretern sind die geplanten US-Gesetze gegen Netzpiraterie seit Wochen ein kontrovers diskutiertes Thema. Der Stop Online Piracy Act (Sopa) und der Protect IP Act (Pipa) sollen helfen, den Missbrauch urheberrechtlich geschützter Inhalte im Netz zu bekämpfen. Nun scheint es, als wendeten sich auch die Unterstützer des Sopa-Gesetzes nach und nach von dem radikalen Entwurf ab.

Schon in der Nacht zu Samstag berichteten US-Onlinemedien, der republikanische Mehrheitsführer im US-Repräsentantenhaus, Eric Cantor, habe versprochen, den Gesetzentwurf nicht zur Abstimmung vorzuschlagen, bis man einen "Konsens" erreicht habe. Die eigentlich für Mittwoch angesetzte Anhörung mit Fachleuten über die Auswirkungen des Gesetzes auf das Domain Name System (DNS) des Internets wurde vorläufig vertagt. Der Grund: Selbst der Urheber des Gesetzesvorschlags, der Abgeordnete Lamar Smith, möchte DNS-Filtermechanismen mittlerweile aus dem Gesetz streichen. Sie gelten Experten als gefährlich für die Internetsicherheit, würden sie doch ein geplantes System für mehr Schutz vor Betrugsmethoden nach dem Vorbild von DNS-Changer aushebeln.

Am Montag kursierten dann Meldungen, der Gesetzentwurf sei "getötet worden", basierend auf einem einzelnen Artikel auf der Bürgerjournalismus-Seite examiner.com. Doch der Autor hat die Meldung über Cantors Entscheidung, auf einen Konsens zu warten, womöglich nur etwas überinterpretiert. Weil sie jedoch vom alteingesessenen Nerd-News-Portal "Slashdot" aufgegriffen wurde, machte die Meldung sogleich die Runde, als sei Sopa tatsächlich am Ende.

Immerhin: Kritiker des Sopa-Gesetzentwurfs haben inzwischen einen prominenten Neuzugang zu verzeichnen - das Weiße Haus. Sopa soll es ermöglichen, Internet-Provider und Suchmaschinen zu zwingen, Zugriffe auf bestimmte Websites zu unterbinden. Außerdem sollen Zahlungsdienstleister und Werbenetzwerke gezwungen werden können, Geschäftsbeziehungen zu vermeintlichen Piraterieseiten binnen fünf Tagen abzubrechen. Zudem sollen US-Ermittler die Web-Adressen angeblicher Piraterieseiten beschlagnahmen dürfen.

Nun hat die Regierung Obama die Argumente der Kritiker aufgegriffen: "Wir müssen vermeiden, neue Risiken für die Cyber-Sicherheit zu schaffen oder die grundlegende Architektur des Internets zu beeinträchtigen." Weiter heißt es in der Erklärung: "Versuche, die Online-Piraterie zu bekämpfen, dürfen nicht in einer Online-Zensur legaler Aktivitäten ausarten oder die Möglichkeiten zur Innovation [...] begrenzen." Um die Gesetzesvorlagen diesen Grundsätzen entsprechend zu formulieren seien nicht nur Politiker heranzuziehen. Auch Inhaltelieferanten und Internetanbieter werden vom Weißen Haus zur Mitarbeit an dem Projekt aufgerufen. Sie sollen mit freiwilligen Maßnahmen und neuen Verfahren helfen, die Online-Piraterie einzudämmen.

Für Sopa sieht es insgesamt nicht mehr sehr gut aus. Parallel aber ist im US-Senat, neben dem Repräsentantenhaus das zweite Haus des US-Kongresses, ein weiteres Gesetz mit ähnlicher Stoßrichtung in Arbeit. Der Protect IP Act, kurz Pipa, wurde von dem Demokraten Patrick Leahy eingebracht. Schon am 24. Januar soll darüber abgestimmt werden. Doch auch Leahy hat gerade verkündet, dass die vorgesehen DNS-Filter in seinem Gesetz nun überprüft werden sollen.

meu/cis

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1.
mr.ious 16.01.2012
Zitat von sysopDie Zeichen mehren sich, dass einem in den USA höchst umstrittenen Internetgesetz die Puste ausgeht. Mit Sopa sollten Copyright-Verletzer im Ausland bekämpft werden - nun wenden sich wichtige Unterstützer des Vorhabens ab. Doch ein ähnliches Gesetz ist noch in Arbeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809442,00.html
Unglaublich, das. Die einen hacken auf DNS ein, die anderen auf IP. Gehört zwar technisch zusammen, oder macht getrennt wenig Sinn, aber besser so als anders. Aber wie ? Der böse DNS-Changer war ein böser DNS-Changer, haben wir vor ein paar Tagen erst gelesen. Toll das. Keiner weiß wie das Programm heißen soll/kann/hieß mit dem sowas möglich ist, aber eine Seite aufrufen solle man, auf der man zwar auch nicht erfährt welches Programm, das man sich ja erst mal hat herunter laden müssen, denn dieser DNS-Changer bei einem selbst nun sein soll. Einfach "Zonk" die ganze Geschichte. Das Weiße Haus will aber keinen "Zonk" in der Architektur des Internet, und darüber soll nun Rupert Murdoch vergrämt sein. Der hat nun den Präsidenten Obama zum quasi willfährigen Hansel von Piraten, die er in Silicon Valley beheimatet sieht, erklärt. Dies mittels gezwitscher per Blauvogel : https://twitter.com/#!/rupertmurdoch/status/158317988284596224
2. .. das hamsterrad.
zappalot 17.01.2012
Zitat von sysopDie Zeichen mehren sich, dass einem in den USA höchst umstrittenen Internetgesetz die Puste ausgeht. Mit Sopa sollten Copyright-Verletzer im Ausland bekämpft werden - nun wenden sich wichtige Unterstützer des Vorhabens ab. Doch ein ähnliches Gesetz ist noch in Arbeit. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,809442,00.html
.. egal was sie versuchen, es wird immer die eine oder andere möglichkeit geben, restriktionen wie diese zu umgehen.
3. Der FIWUS wird solidarisch mitstreiken ...
alterknacker 17.01.2012
und am 18.01.2012 nur mit einer Seite (Am 18.01.2012 ist der FIWUS aus Solidarität nicht erreichbar | Freies in Wort und Schrift (http://freies-in-wort-und-schrift.info/2012/01/16/am-18-01-2012-ist-der-fiwus-aus-solidaritt-nicht-erreichbar/)), welche diesen Streik anzeigt, zu sehen sein. Und viele andere, auch wichtige Seiten werden dabei sein. Solche einseitigen Gesetze dürfen das Internet nicht einfach so übernehmen und nach ihrem Gusto vereinnahmen. Das NET ist kein kommerzielles Kaufhaus von Wenigen, sondern eine Plattform für ALLE auch mit jeder unterschiedlichen Meinung und Standpunkt. Selbst Spinner haben Rechte und diese kann und darf man argumentativ auch 'bekämpfen', aber das Recht auf freie Meinung darf in diesem Medium niemals gefährdet werden.
4. Sperren ist nicht die Lösung
alexstockinger 17.01.2012
Ich glaube einfach nicht wirklich, dass es sonderlich viel bringen würde, digitale Medien zu blockieren, sperren und zensieren. Es würde vermutlich ähmlich wie bei dem Verbot von Alkoholimporten verlaufen: Einige wenige würden das Gesetz geschickt umgehen und davon enorm profitieren. Meine Meinung als Jugendlicher dazu (und was mir spontan als Lösungsansatz einfallen würde): My Thoughtcrime: SOPA (http://a-stockinger.blogspot.com/2012/01/sopa.html)
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Zum Autor
  • Richard Meusers schreibt als Autor für SPIEGEL ONLINE über die Digitalisierung.

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So funktioniert das DNS-System
DNS ist das Kürzel für "Domain Name System" und steht für eine Technik, die es erheblich erleichtert, das Internet zu benutzen. Das dem Internet als Netzstandard zugrunde liegende Internet-Protocol (IP) legt fest, dass jede Website durch eine aus vier Zahlen zusammengesetzte, vier- bis zwölfstellige IP-Adresse identifiziert wird. Im Grunde müsste man beim Websurfen deshalb immer Adressen nach dem Muster 195.71.11.67 (SPIEGEL ONLINE) in die Adresszeile des Browsers eingeben. Doch wer könnte sich schon die IP-Adressen all seiner Lieblings-Websites in dieser Form merken?

Als Lösung für dieses Problem wurde das DNS-System entwickelt. Dabei handelt es sich um Datenbanken, in denen jeder IP-Adresse ein für Menschen verständlicher Name zugeordnet ist. Im Fall von SPIEGEL ONLINE übersetzt eine solche Datenbank die Browsereingabe www.spiegel.de in die IP-Adresse 195.71.11.67. Weil aber eine einzige Datenbank nicht ausreichen würde, um die Anfragen aller Internetnutzer zu beantworten, gibt es davon etliche Kopien, welche die Zugangsanbieter auf ihren eigenen DNS-Servern bereithalten und deren Datenbestände regelmäßig untereinander abgleichen.

Zudem bleibt es oft nicht bei einer einzigen DNS-Anfrage, wenn eine Seite aufgerufen wird, da es in der Natur des Web liegt, Seiten miteinander zu vernetzen. Beispielsweise wenn Bilder, Texte oder Videos aus anderen Quellen eingebunden werden, können beim Aufruf der Seite mehrere DNS-Anfragen nötig sein, um alle Inhalte laden zu können - und das kann Zeit kosten.


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