Copyright-Verstöße: 60 Franzosen droht die Internetsperre

Sie haben zwei Warnungen ignoriert und sind erneut durch Urheberrechtsverletzungen aufgefallen: 60 französischen Copyright-Sündern droht eine Internetsperre. Sie sind die ersten, für die das Drei-Stufen-Warnmodell rechtliche Konsequenzen haben könnte.

Netzsperren: 60 französischen Internetnutzern könnte Internetverbot drohen Zur Großansicht
Corbis

Netzsperren: 60 französischen Internetnutzern könnte Internetverbot drohen

Hamburg - Wer zum wiederholten Mal beim Download von Raubkopien erwischt wird, dem wird das Netz gesperrt. In Deutschland wünschen sich Politiker wie Siegfried Kauder (CDU) ein solches Modell, in Frankreich existiert es bereits seit Anfang 2010 - und für 60 Nutzer könnte dies jetzt ernsthafte Konsequenzen zur Folge haben. Weil ihre IP-Adresse zum dritten Mal mit Urheberrechtsverletzungen in Verbindung gebracht wurde, drohen ihnen Geldstrafen und Internetsperren.

Im Mittelpunkt des französischen "Three-Strikes"-Modells steht die Internetkontrollbehörde Hadopi, die Datentauschbörsen auf Copyright-Verstöße hin durchforstet. Erwischt sie einen Nutzer zum ersten Mal, wird dieser per E-Mail auf sein Vergehen hingewiesen. Beim zweiten Mal kommt die Warnung zusätzlich per Post. Wenn ein Nutzer die ersten Warnungen ignoriert und die Behörde ein drittes Mal auf illegale Aktivitäten stößt, die sich seiner IP-Adresse zuordnen lassen, wird es ernst. Dann kann es sein, dass sich der Inhaber des Anschlusses vor Gericht verantworten muss.

Maximal ein Monat Internetsperre

Rund 650.000 erste Warnungen hat die Hadopi laut eines BBC-Berichts seit dem Oktober 2010 an französische Internetnutzer verschickt, bei 44.000 Nutzern meldete sich die Kontrollbehörde ein zweites Mal. Und immerhin 60 Nutzer sollen auch ein drittes Mal gegen das Urheberrecht verstoßen haben.

Diesen vermeintlich Unbelehrbaren stehen laut des BBC-Berichts nun Hausbesuche bevor. Je nachdem, welche Erkenntnisse diese Vor-Ort-Gespräche bringen, entscheide sich, ob ein Fall vor Gericht landet.

Im Fall einer Verurteilung wegen der Urheberrechtsverletzungen drohen den Nutzern Geldstrafen in Höhe von bis zu 1500 Euro, zudem kann ihnen für maximal einen Monat der Internetzugang gesperrt werden.

mbö

Diesen Artikel...
Aus Datenschutzgründen wird Ihre IP-Adresse nur dann gespeichert, wenn Sie angemeldeter und eingeloggter Facebook-Nutzer sind. Wenn Sie mehr zum Thema Datenschutz wissen wollen, klicken Sie auf das i.

Auf anderen Social Networks teilen

  • Xing
  • LinkedIn
  • Tumblr
  • studiVZ meinVZ schülerVZ
  • deli.cio.us
  • Digg
  • reddit
Forum - Diskutieren Sie über diesen Artikel
insgesamt 49 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
1.
Ambermoon 06.10.2011
Ohne jetzt auf den Sinn oder Unsinn der französischen Regelung eingehen zu wollen - was wird denn da für eine Emailadresse genutzt? Viele Provider vergeben eine, und ich persönlich kenne niemanden, der die nutzt. Und wenn man z.B. für Rechnungen per Email eine andere Emailadresse angibt - guckt man da regelmäßig rein? Muss man das? Darf der Anbieter die weitergeben? Hat sich der französische Gesetzgeber über irgendeine dieser Fragen Gedanken gemacht?
2. Gruselig
claireannelage 06.10.2011
Eine ganze Behörde die täglich tausende von Briefe schreibt, und das allein im Interesse der Industrie. Es ist schön zu sehen für was unsere Nachbarn ihr Geld so ausgeben, dass sie so dringend sparen müssen dass sie auf Atomstrom nicht verzichten können.
3. juchuu
Mr.Threepwood 06.10.2011
natürlich sollte man das gesetz unverzüglich mit deutscher gründlichkeit durchsetzen. am besten rückwirkend sagen wir zum jahr 2000. gekoppelt wird das ganze auch gleich an einen bußgeldkatalog pro abmahnstufe. warum bin ich der meinung das die piraten eines tages in berlin ohne koalitionspartner herrschen werden.
4. Wird sich noch zeigen, ...
mitchomitch 06.10.2011
... ob diese Sperren vor dem EuGH Bestand behalten werden. Meines Erachtens ist das ein ziemlich restriktiver Eingriff in die allgemeine Informationsfreiheit. Und "Copyright-Verstoß" bedeutet ja nur, dass angeblich irgendjemand irgendetwas Urheberrechtswidriges über den Internetanschluss gemacht hat. Das muss nicht zwangsläufig der nun von der Sperre bedrohte Inhaber sein. Das ist so, als ob man einem Fahrzeughalter das Auto stilllegt, weil der Sohn beim heimlichen Benutzen des Wagens ein paar Verkehrsschilder übersehen hat.
5. Wie funktioniert den das bei den Franzosen?
bugmenot1984 06.10.2011
Zitat von sysopSie*haben*zwei*Warnungen*ignoriert und sind erneut*durch Urheberrechtsverletzungen aufgefallen: 60 französischen Copyright-Sündern droht*eine Internetsperre. Sie sind die ersten, für die das Drei-Stufen-Warnmodell*rechtliche Konsequenzen haben könnte. http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/0,1518,790310,00.html
Wie wird in Frankreich überhaupt festgestellt, dass eine Urheberrechtsverletzung begangen wurde? Wer macht das und wird dies auch auf Richtigkeit überprüft? Das können doch eigentlich nur Gerichte - und denen fällt das oft nicht leicht. Wie wird wurde bei den 60 Beschuldigten das Vergehen nachgewiesen? IP-Adressen sind höchstens ein Hinweis auf eine Person, aber keine Identifizierung. Wenn also ein Beschuldigter die tat bestreitet, kann man mit der IP-Adresse (meist) nicht das Gegenteil beweisen. Was ist wenn ein Nachbar ins private Hausnetz eingedrungen ist und die Urheberrechtsverletzung begangen hat? Auch WPA2 ist keinesfalls sicher und lässt sich relativ schnell knacken (Man muss nur den Handshake eines legitimen Netzteilnehmers sniffen, dann kann man (oft) den WPA2-Key cracken). Wird das in Frankreich alles geklärt und überprüft und wie machen die das? Beispielsweise im Fall Kauder ist doch noch gar nicht klar ob die Bilder, die er verwendete urheberrechtlich Schutzwürdig waren. Des weiteren hat er angeblich nachträglich eine Genehmigung eingeholt. Übertragen auf Musik und Filme wäre das etwa so, als wenn man nachträglich, nach dem man beim kopieren erwischt wurde, die CD oder DVD kauft. Nach Kauders eigenen Vorschlägen hätte er den Strike - egal ob es rechtens oder nicht rechtens war die Fotos zu verwenden. Des weiteren würde mich interessieren wie so ein Zugang überhaupt gesperrt wird. Wird nur der Zugang gesperrt, mit dem die Urheberrechtsverletzung begangen wurde oder auch alle weiteren zu denen diese Person Zugang hat? Wie ist das bei Wohngemeinschaften und Familienmitglieder? Büßen da alle, die auf diesen Zugang angewiesen sind mit? Wie ist das, wenn die Urheberrechtsverletzung über einen öffentlichen Zugang begangen wurde? Bin ja mal gespannt, was da jetzt passieren wird. Ich bin gegen das verletzen von Urheberrechten. Man sollte die Arbeit anderer schätzen. Maßnahmen wie Websperren lehne ich ab.
Alle Kommentare öffnen
    Seite 1    
News verfolgen

HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:

alles aus der Rubrik Netzwelt
Twitter | RSS
alles aus der Rubrik Netzpolitik
RSS
alles zum Thema Copyrights
RSS

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH

SPIEGEL ONLINE Schließen


  • Drucken Versenden
  • Nutzungsrechte Feedback
  • Kommentieren | 49 Kommentare
  • Zur Startseite

E-Book-Tipp
  • Christian Stöcker:
    Spielmacher
    Gespräche mit Pionieren der Gamesbranche.

    Mit Dan Houser ("Grand Theft Auto"), Ken Levine ("Bioshock"), Sid Meier ("Civilization"), Hideo Kojima ("Metal Gear Solid") u.v.A.

    Kindle Edition: 1,99 Euro.

  • Einfach und bequem: Direkt bei Amazon bestellen.