Frankreich Copyright-Warnbehörde soll aufgelöst werden

Mehr als eine Million Warnbriefe hat Hadopi verschickt, eine Behörde in Frankreich, die illegale Downloads eindämmen soll. Viel mehr ist nicht passiert, nun soll das Vorgehen geändert werden.

Laptop-Kabel (Symbolbild): Eine Million Briefe, drei Gerichtsverfahren
Corbis

Laptop-Kabel (Symbolbild): Eine Million Briefe, drei Gerichtsverfahren


Hamburg - In Frankreich kümmert sich eine Behörde um illegale Kopien im Internet, verwarnt Downloader und kann Wiederholungstätern den Zugang zeitweise sperren. Doch drei Jahre nach dem Start steht Hadopi offenbar vor dem Aus. Kosten und Nutzen der "hohen Behörde für die Verbreitung von Werken und den Schutz der Rechte im Internet" stehen in einem Missverhältnis.

Eine Kommission der Regierung hatte schon im Mai vorgeschlagen, Hadopi wieder abzuschaffen. Nach einem Bericht von "Heise" hat die zuständige Ministerin Fleur Pellerin bei einem Besuch in Schweden angekündigt, dass die Antipiraterie-Behörde demnächst abgewickelt werden soll.

Schon im vergangenen Jahr veröffentlichten Zahlen ließen an der Wirksamkeit der Maßnahmen zweifeln: Mehr als eine Million Nutzer bekamen einen ersten Warhinweis, weil ihre IP-Adresse mit Online-Piraterie in Verbindung gebracht wurde.

Weil sie erneut beim illegalen Kopieren erwischt worden sein sollen, bekamen rund 100.000 erneut einen Warnbrief. Ein drittes Schreiben ging an gerade einmal noch 340 Adressaten. Doch von all diesen Fällen sind laut "Heise" überhaupt nur drei vor Gericht gekommen und mit einem Urteil abgeschlossen worden: eine Geldstrafe in Höhe von 150 Euro, eine Verwarnung, ein Freispruch.

Außerdem habe sich die Ministerin ausdrücklich gegen Netzsperren ausgesprochen. Ein zeitweises Internetverbot war als ultimative Maßnahme gegen Filesharer vorgesehen. Nach Urheberrechtsverstößen den Zugang zum Internet zu blockieren, sei unverhältnismäßig, sagte die Ministerin und verglich diese Sanktion mit der Kappung des Wasseranschlusses.

Mit dem Ende von Hadopi ist das Three-Strikes-Modell allerdings nicht nicht abgehakt. Eine andere Behörde soll sich mit illegalen Kopien befassen. Wie "Le Parisien" berichtet, könnte der Strafkatalog künftig auf Netzsperren verzichten. Stattdessen plane die Ministerin Geldbußen für Filesharing-Sünder .

meu

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
Kunstgriffe 05.06.2013
1. Nebenbei: das war wohl nix!
Das ist erstmal eine gute Nachricht, die zeigt, wie dumm die Hadopi-Idee insgesamt ist. Apropos "dumm": Das neue Homepage-Design von SPON, welches man ja anderswo nicht diskutieren kann/darf, ist ebenfalls eine dumme Idee. Das Durchblättern der Artikel unter den Ressorts ist käse, weil viel aufwendiger, als das bisherige Ausklappen. Außerdem wischt man sich einen Wolf mit dem iPad. Aber auch mit der Maus macht das keinen Spaß. Desweiteren wünsche ich mir die Möglichkeit jeden Artikel kommentieren zu können, wie es bei der ZEIT auch möglich ist - mal ganz abgesehen davon, dass die Usability des SPON-Kommentar-Systems ziemlich 80ies ist. Es gäbe noch mehr Kritikpunkte, wie zB die mangelnde Karten-Unterstützung geopolitischer Themen, aber offensichtlich will SPON hier nichts tun und auch keine konstruktive Diskussion. Schade.
Pfeiffer mit drei F 05.06.2013
2.
Wie gerade Spotify, iTunes, Netflix und viele andere Unternehmen beweisen, sind Menschen durchaus bereit für legale digitale Medien zu zahlen. Man muss halt nur die richtigen Angebote machen.
EvilGenius 05.06.2013
3. Flopp mit Ansage
Das ganze war von Anfang an eine dumme Idee und jeder, der sich ein bisschen mit dem Thema auskennt wusste das auch. aber Politik wird eben nicht für das Volk gemacht sondern nur von diesem bezahlt...
varbeast 05.06.2013
4. na endlich
Zu erst einmal hat HATOPI absolut nichts mit Piraterie zu tun und die Abmahnungen wurden nicht an Piraten ,sondern an Benutzer des Internets versendet die hohe Datenmengen umsetzten.Deshalb war das gesamte Ergebnis von Anfang an mehr als umstritten und hätte nie eine europäische Kommission überstanden.Hier wurde Jeder, der hohe Datenmengen verschob, verwarnt und wenn er die Menge innerhalb eines Monats nicht drosselte,sogar das Internet abgeschaltet. Da wurde schnell jeder Online-Spieler, der nebenbei noch Fensehen über das Internet schaute, zum Piraten abgestempelt und das Ganze mit Hilfe von France Telecom und ihren Denunzianten. Ein tolles Beispiel von "Rechtstaat".lol
breadbaker 06.06.2013
5.
Zitat von KunstgriffeDas ist erstmal eine gute Nachricht, die zeigt, wie dumm die Hadopi-Idee insgesamt ist. Apropos "dumm": Das neue Homepage-Design von SPON, welches man ja anderswo nicht diskutieren kann/darf, ist ebenfalls eine dumme Idee. Das Durchblättern der Artikel unter den Ressorts ist käse, weil viel aufwendiger, als das bisherige Ausklappen. Außerdem wischt man sich einen Wolf mit dem iPad. Aber auch mit der Maus macht das keinen Spaß. Desweiteren wünsche ich mir die Möglichkeit jeden Artikel kommentieren zu können, wie es bei der ZEIT auch möglich ist - mal ganz abgesehen davon, dass die Usability des SPON-Kommentar-Systems ziemlich 80ies ist. Es gäbe noch mehr Kritikpunkte, wie zB die mangelnde Karten-Unterstützung geopolitischer Themen, aber offensichtlich will SPON hier nichts tun und auch keine konstruktive Diskussion. Schade.
Ja, da hat eine Agentur für viel Geld ein schlechtes Design noch verschlimmbessert. Hauptsache irgendwas mit "swipen". Hoffentlich hat der Mist ordentlich Kohle gekostet.
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