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Cryptoparty im Bundestag: NSA-Affäre schreckt Abgeordnete auf

Reichstagsgebäude in Berlin: Club Mate und Festplattenverschlüsselung Zur Großansicht
picture alliance / dpa

Reichstagsgebäude in Berlin: Club Mate und Festplattenverschlüsselung

Es gab Hackerbrause wie bei den Piraten: Der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz hat für seine Kollegen eine Cryptoparty im Bundestag veranstaltet. Dort wurde erklärt, wie man sich mit Verschlüsselung vor Geheimdiensten schützt - ausgerechnet aus den Reihen einer Regierungspartei.

Berlin - Für die Bundesregierung ist die Affäre um die umfassende Überwachung des Internets durch Geheimdienste bereits beendet, bevor die Aufklärung überhaupt begonnen hat. Dabei ist seit den Enthüllungen von Edward Snowden klar, dass auch deutsche Nutzer massenhaft ausgespäht werden. Nun hat ausgerechnet der FDP-Abgeordnete Jimmy Schulz, dessen Partei immerhin an der Regierung ist, am Dienstagabend eine Cryptoparty im Bundestag veranstaltet.

Die Idee dahinter ist einfach: Interessierte Menschen kommen zusammen und lernen, wie sie E-Mails, Dateien und ihre Computer vor Einblicken von außen schützen können. Solche Cryptopartys finden seit der NSA-Affäre regelmäßig in Treffpunkten von Computerfreunden statt, meist abends.

Die Bundestags-Cryptoparty dagegen beginnt am späten Nachmittag im Fraktionssaal der FDP, es herrscht Büroatmosphäre. Dafür gibt es Club Mate, das koffeinhaltige Lieblingsgetränk der Nerds.

"Gesetzgeber hilft nicht"

Etwa 40 Menschen sind gekommen, darunter der eine oder die andere Bundestagsabgeordnete und deren Mitarbeiter. Einberufen hat das Ganze Jimmy Schulz, FDP-Abgeordneter und selbst Internetunternehmer. "Es geht darum, Neugierde zu wecken", sagt er. Offenbar fragt sich nach den Berichten über Ausspähprogramme amerikanischer und britischer Geheimdienste auch so mancher im Bundestag, wie die eigene Kommunikation besser geschützt werden kann.

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Kryptografie: So verschlüsseln Sie Ihre E-Mails
Dabei ist dafür eigentlich das IT-Referat des Bundestages zuständig. Der Bundestag bietet zwar E-Mail-Verschlüsselung an, doch kaum jemand nutzt die Technik. Außerdem gibt es regelmäßig Streit um eine Liste erlaubter Software - einige Programme, die auf Cryptopartys eingesetzt und erklärt werden, dürfen die Abgeordneten und ihre Bürosoffiziell nicht installieren.

Zahlensalat gegen Datenspione

Kritiker bemängeln, dass eine Cryptoparty das eigentliche Problem - die Möglichkeit des massenhaften Ausspähens auch deutscher Kommunikation - nicht lösen kann. Für den Grünen-Abgeordneten Konstantin von Notz ist die FDP-Cryptoparty dann auch eine Steilvorlage: "FDP privatisiert Grundrechtsschutz. Gesetzgeber hilft nicht. Bundesregierung verschleiert: Hilf Dir selbst!", ätzte er.

Schulz hält dagegen: Der Staat könne den Datenverkehr im internationalen Netz nicht überall schützen. Gefahr drohe auch von Kriminellen. Verschlüsselung "wäre auch ohne NSA und auch ohne den britischen Geheimdienst sinnvoll", sagt er.

Die Kurse der Piraten sind nicht nur für eine Elite

Wie die Technik funktioniert, erklären IT-Experten an vier Stationen. Da geht es zum Beispiel darum, Dateien auf dem eigenen Computer so zu schützen, dass sie für jeden Außenstehenden nur wie ein Zahlensalat aussehen. Das helfe auch, wenn der eigene Computer oder ein USB-Stick mal verloren gehe, sagt Referent Thomas Möhle. Das Programm dafür, genannt Truecrypt, sei nicht besonders kompliziert, sagt der 24-jährige Informatik-Student: "Jeder, der ein Interesse daran hat und sich die Zeit nimmt, das zehn Minuten zu lernen, sollte am Ende erfolgreich damit umgehen können."

Mit Cryptopartys wird längst Wahlkampf gemacht. Allen voran versucht die Piratenpartei, möglichst viele "Kryptopartys" zu veranstalten, allerdings gleich für alle, nicht nur für Politiker, deren Mitarbeiter und Journalisten. Auch Politiker anderer Parteien haben bereits Workshops zur Verschlüsselung abgehalten. Ein Mitarbeiter eines CDU-Abgeordneten besucht die FDP-Party und sagt, sein Chef überlege, auch eine Cryptoparty zu veranstalten.

Nach gut zwei Stunden brechen die meisten Gäste auf. Schulz ist zufrieden: Überraschend viele Zuhörer hätten gleich die Programme installiert und ausprobiert. "Ich hoffe, dass es das nächste Mal länger sein wird", sagt eine Mitarbeiterin eines Unionsabgeordneten. Sie will im Internet nach mehr Informationen suchen - auch über Cryptopartys von Computerkennern.

Jessica Binsch, dpa / ore

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Verschlüsselung ist nicht Sicher
ch.josten 04.09.2013
glaubt eigentlich noch wirklich jemand das die gängigen Verschlüsselungsmethoden vor der NSA sicher sind? Wohl kaum hoffe ich. Bei dem Aufwand der da betrieben wird. Außerdem ist die Verschlüsselung zu knacken bur immer eine Frage der zur Verfügung stehenden Rechenleistung. Das Grundübel bleibt jedoch der Schlüssel und das Schlüsselloch, um es mal laienhaft zu sagen. Verschlüsselung bietet also leider keinen Schutz vor Staatsorganen nur vor normalos.
2. Richtig ist
u.loose 04.09.2013
Zitat von ch.jostenglaubt eigentlich noch wirklich jemand das die gängigen Verschlüsselungsmethoden vor der NSA sicher sind? Wohl kaum hoffe ich. Bei dem Aufwand der da betrieben wird. Außerdem ist die Verschlüsselung zu knacken bur immer eine Frage der zur Verfügung stehenden Rechenleistung. Das Grundübel bleibt jedoch der Schlüssel und das Schlüsselloch, um es mal laienhaft zu sagen. Verschlüsselung bietet also leider keinen Schutz vor Staatsorganen nur vor normalos.
Ihr ganzer Beitrag ist gelinde gesagt Laienhaft! und eine aktuelle Verschlüsselung ist mit vertretbarem Aufwand und Zeiteinsatz NICHT zu knacken. Das ist schlichter Fakt und mathematisch jederzeit nachweisbar.
3.
pescador 04.09.2013
Zitat von u.looseIhr ganzer Beitrag ist gelinde gesagt Laienhaft! und eine aktuelle Verschlüsselung ist mit vertretbarem Aufwand und Zeiteinsatz NICHT zu knacken. Das ist schlichter Fakt und mathematisch jederzeit nachweisbar.
Ja, ist es. Vielleicht plausibilisierbar, aber definitiv nicht beweisbar. - Es ist nicht bekannt, welche Komplexität die Faktorisierung großer Zahlen wirklich hat (es ist m.W. nicht mal bekannt,ob das Knacken von RSA wirklich äquivalent zur Faktorisierung ist). - Es ist nicht klar, ob vielleicht doch P = NP gilt. Noch weiß man, ob (z.B.) das konkrete Problem "löse die Gleichungen, mit denen man aus eine Klartext/Geheimtext-Paar den AES-Schlüssel bestimmen kann" überhaupt in NP liegt.
4. Wenn mein Nachbar mich ausspioniert,
MeineMeinungist... 04.09.2013
wäre ich stinksauer und würde ihm die Freundschaft kündigen. Warum soll das nicht auch für angebliche befreundete Nationen gelten? Fakt ist, dass die NSA mehr als eine Datenkrake ist. Sie betreiben amerikanische Politik auf der ganzen Welt ohne irgendein Schamgefühl oder Schuldbewusstsein. Die NSA ist schlimmer als alle anderen Geheimdienste dieser Welt zusammen. http://www.geheimdienste-blog.de/index.php?article_id=95 Diesen Umfang, in dem das Spionieren stattfindet, hat sich wohl kein Mensch träumen lassen, wenn er ehrlich zu sich selbst ist. Für mich ist das bereits der 3. Weltkrieg mit anderen Mitteln. Alles was immer den Kommunisten und Diktatoren dieser Welt vorgeworfen wurde, wird durch die NSA und die anderen 15 Organisationen 1000x mehr getan, nämlich Menschen auszuspionieren und zu manipulieren, z. B. unsere gesamte Bundesregierung. Die amerikanischen Geheimdienste sind für mich schlimmer als ein Krebsgeschwür, denn das stirbt wenigstens irgendwann mit dem Menschen. Ich bin ganz ehrlich, seit wenigen Jahren entferne ich mich bei jeder Affäre immer mehr von den USA. Gegen die Menschen habe ich nichts, aber gegen die amerikanische Politik, die immer perverser wird.
5. Der Nutzen einer Verschlüsselung
uweborn 04.09.2013
auf einem Microsoft-Betriebssystem dürfte aktuell mindestens extrem zweifelhaft, zukünftig eindeutig nicht gegeben sein. Außerdem wird es, da die Staatsdiener offensichtlich nicht in der Lage und in keinem Fall willens sind für die Sicherheit der Bürger zu sorgen Zeit sich auch gleich eine Pumpgun anzuschaffen. Wenn ich schon selbst für meine Sicherheit sorgen muss, dann auch komplett. Hiermit erkläre ich jede Debatte dazu im Vorfeld für unerwünscht und beendet!
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Cryptoparty in Mannheim: Nachhilfe im Verschlüsseln


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