Cryptopartys: Verschlüsseln gegen Staat und Schurken

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Cryptoparty in Mannheim: Nachhilfe im Verschlüsseln Fotos
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Datenlecks bei Facebook, Überwachung durch Geheimdienste: Viele Internet-Nutzer sind verunsichert. Auf Cryptopartys helfen Hacker bei der digitalen Selbstverteidigung und geben Tipps zur Verschlüsselung. Die Nachfrage ist groß.

Mit einer Postkarte und zwei Briefumschlägen zeigt slowpoke, ein Hacker mit langen roten Haaren und Birkenstock-Sandalen, wie anonymes Surfen im Internet funktioniert. Er steckt die Postkarte in einen Briefumschlag, diesen wieder in einen Briefumschlag - und bevor die Karte ihren Empfänger erreicht, macht sie bei zwei Zwischenstationen halt.

Der erste Empfänger weiß nicht, wohin die Karte geht, der zweite nicht, von wem sie ursprünglich kommt. Auf dieses Prinzip setzt Tor, eine ausgeklügelte Technik zum anonymen Surfen im Netz. "Crypto-Magie", sagt slowpoke und lacht. Verschlüsselungszauberei.

Für diese Zauberei interessieren sich zwei Dutzend Zuhörer, die am Samstagabend den Weg ins versteckte RaumZeitLabor im Mannheimer Industriegebiet gefunden haben, einen großen Hackerspace in einer Fabriketage. Die Piratenpartei Heidelberg hat zu einer Cryptoparty eingeladen, die Hacker wollen zeigen, wie man sicher kommuniziert. Seit den Enthüllungen zur Internet-Überwachung ist das Interesse daran groß, alle Plätze im Bastelraum der Hacker sind besetzt. Studenten sind gekommen, eine Biologin, ein Pfarrer, aber auch IT-Fachleute.

Facebook und die NSA

So wie Albert Heller aus Heddenheim: "Mir ist es fast peinlich, dass ich hier bin - eigentlich müsste ich ja wissen, wie man E-Mails verschlüsselt." Doch bevor es damit losgeht, erzählen slowpoke, Cheatha und Nivatius von Datenpaketen und Netz-Überwachung. Dabei fallen etliche Fachwörter, manches geht durcheinander, etwa ist mittendrin plötzlich das Bild einer niedlichen Katze zu sehen - Nerd-Humor, mit dem nicht alle der Zuhörer gleich etwas anfangen können.

Die Hacker warnen vor "The Acebook" und einer "staatlichen Sicherheitsagentur", gemeint sind natürlich Facebook und die NSA. Auf Datenschutz könne man kaum vertrauen, darum müsse man sich selbst kümmern: "Ihr wisst heute nicht, was Euch morgen Ärger bringen kann", sagt Nivatius. Dann geht endlich die Party los: Die Hacker sagen, welche Programme man zum Verschlüsseln braucht - die nächsten zweieinhalb Stunden helfen sie bei der Einrichtung und beantworten Fragen.

Davon gibt es viele. "Crypto ist hart", sagt Nivatius. Der Piraten-Politiker hat selbst erst vor ein paar Wochen mit dem Verschlüsseln angefangen - selbst den Profis ist das geheime Mailen im Alltag oft zu aufwendig, und zur sicheren Kommunikation gehören immer zwei. Viele Empfänger können mit verschlüsselten E-Mails einfach nichts anfangen. Seinen Freundeskreis konnte er schon überzeugen - und in Mannheim kommen an diesem Abend zwei Dutzend weitere Verschlüsseler hinzu.

Vorkenntnisse nicht erforderlich

Damit es in ganz Deutschland Crypopartys gibt, wird auf dem Hackertreffen Sigint in Köln Werbung für die Idee gemacht. Hacker und Computernerds sollen mitmachen, ehrenamtlich Laien ihr Wissen vermitteln, sagt der Systemadministrator und Aktivist Jochim Selzer, der regelmäßig Cryptopartys in Köln und Bonn organisiert. Leider sei nicht jeder Verschlüsselungsexperte auch ein guter Lehrer, der sein Wissen mit der nötigen Geduld selbst Computerlaien vermitteln könne.

Genau die, Otto-Normal-Verbraucher, sollen mit den Partys erreicht werden, "die klassische Rentnerin", sagt Selzer. Das allerdings klappt noch nicht recht: "Zwei Drittel der Besucher kommen aus der eigenen Filterblase", sagt er, Leute also, die das alles längst können und ein bisschen fachsimpeln wollen. Nur ein Drittel seien Anfänger.

Das liege unter anderem an den Lokalitäten, in denen solche Partys meist stattfinden. "Schon der Name Hackerspace schreckt manche Leute ab", meint Selzer, obwohl ein Hackerspace schlicht ein Vereinsraum mit Getränken und ordentlichem W-Lan ist. Er könne nur jeden ermuntern, vorbeizuschauen und mitzumachen - Vorkenntnisse seien nicht erforderlich.

Keine Hilfe für Werbe-Spammer

Die Heidelberger Piraten können sich derzeit nicht über mangelndes Interesse beklagen. Weil die Nachfrage so groß ist, planen die Piraten nun sogar wöchentliche Cryptopartys. Und überlegen, sich nicht nur im RaumZeitLabor zu verstecken, sondern zum Beispiel in die Stadtbücherei zu gehen. Vielleicht kommen dann ja mehr Besucher ohne Vorkenntnisse.

In Mannheim leeren sich die Mate-Flaschen und die ersten verschlüsselten Mails werden ausgetauscht. Mit ein wenig Hilfe haben es fast alle geschafft. Nur ein junger Mann, der hier ist, um sich Tipps zu holen für den Versand Tausender Werbe-E-Mails, bekommt an diesem Abend nicht die erhofften Antworten.

Eine Übersicht mit aktuellen Cryptoparty-Terminen finden Sie auf dieser Website. Wie man E-Mails verschlüsselt, erklären wir Ihnen hier. Noch mehr Anleitungen gibt es auf Englisch im Cryptoparty-Handbuch.

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insgesamt 75 Beiträge
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    Seite 1    
1. Nicht verschlüsseln ist die...
hskteddy 07.07.2013
...Lösung sondern ein weltweites Umdenken der Politiker und weniger Befugnisse für Geheimdienste. Es kann nicht sein dass die Geheimdienste nach Wegfall des Kalten Krieges den Bürger als neuen Feind ins Visier nehmen!
2.
ewspapst 07.07.2013
Zitat von sysopDatenlecks bei Facebook, Überwachung durch Geheimdienste: Viele Internet-Nutzer sind verunsichert. Auf Cryptopartys helfen Hacker bei der digitalen Selbstverteidigung und geben Tipps zur Verschlüsselung. Die Nachfrage ist groß. Cryptoparty in Mannheim: Verschlüsseln gegen Staat und Schurken - SPIEGEL ONLINE (http://www.spiegel.de/netzwelt/netzpolitik/cryptoparty-in-mannheim-verschluesseln-gegen-staat-und-schurken-a-909744.html)
Die Nachfrage ist groß. und die Anzahl der Dummen auch . ich will das begründen: Es gibt nicht nur das Internet. Wenn man ein Telefongespräch führt, so wird auch das von der NSA oder von den Briten mitgeschnitten und kann nicht mit PGP verschlüsselt werden. Da ich Experte für Nachrichtentechnik war, weiss ich wovon ich schreibe. Wie soll man ein solches Gespräch mit einem Verschlüsselungsprogram schützen. Die einzige Moglichkeit besteht darin, einen Sprachverfremder einzusetzen und den dazu nötigen Gegenpart dann jedem Gesprächspartner liefern. Ein teurer Spass.
3. Hilfe nötig
mischamai 07.07.2013
Es ist nun dringend an der Zeit dass die Hersteller den Nutzern helfen,diesen absolute Sicherheit geben vor Staatsverbrechern jeglicher Art die uns ausspionieren.
4. therapeutische Aufregung
toskana2 07.07.2013
Zitat von sysopDatenlecks bei Facebook, Überwachung durch Geheimdienste: Viele Internet-Nutzer sind verunsichert. Auf Cryptopartys helfen Hacker bei der digitalen Selbstverteidigung und geben Tipps zur Verschlüsselung. Die Nachfrage ist groß.
Früher sprach man miteinander, heute mailt man sich - in der Regel über Banales. Die Aufregung über Banales kommt mir persönlich wie eine Therapie unter Gestörten! Ich meine, das sagt eine Menge über den "Kommunikationszustand" unserer Gesellschaft.
5. optional
joot 07.07.2013
TOR wird immer als Allzwecklösung genannt um die Schnüffelprogramme zu umgehen, dabei ist die US-Regierung (und mit ihr die NSA) im großen Stil in TOR dabei. Ein großer Teil der Exit-Nodes (die genaue Zahl ist leider nicht bekant) sind unter US-Kontrolle. Offiziell um es Bürgern aus repressiven Staaten zu ermöglichen anonym Nachrichten abzusetzen und über Entwicklungen in ihrem Land zu berichten (es gibt zu wenige Freiwillige die neutrale Exit-Nodes anbieten). Aber es ist nicht ausgeschlossen dass auch mal in die Pakete reingeschaut wird um zu gucken was was denn so verschickt wird. Da der Datenstrom im Idealfall ja über unterschiedliche Exit-Nodes geleitet wird, erhält man zunächst nur Fragmente, aber je mehr Exit-Nodes unter Regierungskontrolle sind, desto mehr kann rekonstruiert werden. Das weiss auch der CCC und bisher wurde das auch so kommuniziert, aber im Artikel wird es unterschlagen. Davon abgesehen bringt natürlich die beste Verschlüsselung nichts, wenn man weiterhin sämtliche Infos bereitwillig zu Google, Microsoft, Facebook, Dropbox usw. hochlädt.
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